Früher war mein Geburtstag ein Versprechen. Ein Tag voller Vorfreude, der einfach gut werden musste. Heute ist er leiser geworden – und stellt eine ganz andere Frage.
von Lilly Beckstein
Früher habe ich meinen Geburtstag geliebt.
Ich habe die Tage gezählt,
als wären sie ein Countdown zu etwas Großem.
Ich bin abends länger wach geblieben als sonst,
weil die Vorfreude zu groß war für den Schlaf.
Geburtstag war ein Versprechen.
Ein Tag,
an dem sich alles ein bisschen richtiger anfühlt.
Ein Tag,
an dem ich sicher war, dass ich gemeint bin.
Und dann kam dieser eine Geburtstag,
der alles verändert hat.
Der Große.
Der Besondere.
Der, von dem alle sagen, er müsse der Beste sein.
Und irgendwie war er der Leerste.
An diesem Tag habe ich zum ersten Mal verstanden,
dass Erwartungen keine Garantien sind.
Dass Menschen nicht automatisch bleiben,
nur weil ich hoffe, dass sie es tun.
Ich habe gedacht, ich bedeute mehr.
Und habe mich geirrt.
Das war der erste Geburtstag,
an dem ich geweint habe.
Still.
Zwischen Momenten,
die eigentlich leicht sein sollten.
Seitdem fühlt sich dieser Tag anders an.
Leiser.
Gedämpfter.
Schwerer.
Nicht mehr wie ein Versprechen,
sondern wie eine Frage:
»Wer bleibt,
wenn es darauf ankommt?«
Heute gehe ich lieber weg.
Irgendwohin,
wo niemand denkt,
er müsste mir Glück schenken,
weil es im Kalender steht
Weil sich dann keiner verpflichtet fühlt,
mir einen perfekten Tag zu bauen.
Weil ich nie viel wollte.
Keine großen Geschenke.
Keine perfekten Abläufe.
Nur Echtheit.
Menschen,
bei denen ich mir sicher bin,
dass ich kein »vielleicht« bin.
Und eigentlich ist das das Einzige,
was ich mir heute noch wünsche.
Nicht »alles Gute«.
Sondern etwas Echtes –
Menschen, die bleiben,
weil sie wollen.
Titelbild © Lilly Beckstein

