Dieter Nuhr ahnte strafrechtliche Konsequenzen, falls er Lehrer wird, weil er die Bauchnabel der Schülerinnen so erregend fand. Seine Satire gehört zwar nicht verboten, einen Hohn hat er trotzdem verdient.
von Mia Fritzsche
Das es ihm die Schülerinnen eines Gymnasiums angetan haben, verrat der damals 48-jährige Komiker 2008 in einem online Interview für den focus über seine Anfänge als Lehrämtler:
»Neben mir saßen die Kinder. Es war schön. Ich war damals 24, die Kinder um die 20, zum Teil ausgesprochen attraktiv und gut gelaunt. […]. Ich […] fand die Mädchen aus der letzten Reihe ganz vorne vor, alle in weißen Blüschen, geöffnet bis zum Bauchnabel, grinsend und gut entwickelt. In diesem Moment wusste ich: Dieser Beruf wird dir einmal strafrechtliche Probleme bereiten.«
Wie die Rechnung mit den »Kindern um die 20«, die ein Gymnasium besuchen, aufgehen soll, versucht man schwer nachzuvollziehen. Das Interview über seinen ersten Schulbesuch grassierte wieder durchs Netz, nachdem er mit einem geschmacklosen Stand-Up-Bit über häusliche Gewalt für Aufsehen sorgte. Seine Pointe: Selber schuld, sollen die Frauen doch nicht gleich jeden ranlassen, dann passiert sowas nicht. Diese Aussagen lassen tief blicken, haben mit Comedy aber leider nichts zu tun.
Die studierte Linguistin und Rap-Künstlerin Ikkimel hingegen zeigte vor einigen Wochen mit ihrem Auftritt im ZDF-Morgenmagazin wieder elegant und offensiv, wieviel Humor und Selbstironie das Live-Publikum der ZDF-Show noch übrig hat. Nämlich sehr wenig. Das Internet feiert sie dafür. Dieter Nuhr ist mit seinen Aussagen über Minderjährige aber auch nicht alleine, erst letzten Februar ging ein Videoclip von 2018 viral, in dem CDU-Politiker Manuel Hagel von den rehbraunen Augen einer Realschülerin schwärmte. Er war zu diesem Zeitpunkt 29 Jahre alt. Die Realschule schließt man normalerweise mit 16 Jahren ab.
Für ältere Herren, die denken, dass es o.k. ist, jungen Frauen nachzustehen, gibt es leider noch keinen Beleidigung, nur sehr viele Fragen. Allen voran eine:
Schämen sie sich nicht?
Man darf auch urteilen
Puh, haben Nuhr, Hagel und co. ein Glück, dass sie nicht so regelmäßig von den Klatschzeitungen und der allgemeinen Bevölkerung malträtiert werden wie Frauen, wenn sie es wagen, keine Hausfrauen zu sein, über Sex zu rappen, keinen Sex zu wollen, ihren Körper zu verändern oder schlicht einen zu haben. Wie wir unfreiwillig erfahren durften, fühlen sich Dieter Nuhr und Herr »Ich-habe-mich-in-die-rehbraunen-Augen-einer-14-jährigen-verliebt« in der beobachtenden Rolle sehr wohl. Und dennoch werden Menschen, die ihre Macht für Perversitäten ausnutzen gesehen und ihr Handeln wird registriert. Genauso muss es aufs Schärfste kritisch kommentiert werden. Wenn das nicht passiert, fühlen sie sich sicher genug, im Fernsehen über ihre sexuellen Fantasien mit Minderjährigen zu reden.
Nicht nur Täter, auch Opfer
Zugleich darf man feststellen, dass solche Menschen auch Opfer sind. Sie sind unzufrieden, fühlen sich entmächtigt, vielleicht auch noch alt und hässlich (wie Nuhr es im Verlauf des Interviews selbst zugibt) und sehen eine Form von Konsum und Macht als ihren Ausweg. Trotzdem sollte man von erwachsenen Männern erwarten können, ihren Verstand zu benutzen und ihre Mitmenschen als das zu sehen, was sie sind: Individuen, keine Konsumobjekte.
Quellen:
Titelbild © Mia Fritzsche
