Das Licht in mir

Das Licht in mir
Ein Text über die Liebe zu mir selbst.

von Amelie Steinwagner

Und alles ist mit einem Mal so hell.

Ein Blitzlichtgewitter an Schönheit, das mir den Atem nimmt. Weißes Licht, das sich über mich ergießt, das mich verschluckt, das mich hinauftreibt, immer weiter. So hell, dass mir die Tränen in die Augen schießen.

Schau nicht ins Licht, doch ich schaue und schaue und mit einem Mal bin ich ganz. Ich bin gegangen, gelaufen, gerannt durch ein Spiegellabyrinth an Möglichkeiten, habe gesucht und gesucht und mich selbst nicht gefunden.

Und jetzt bin ich hier. Hier, irgendwo, in der Mitte vom Nichts, im Licht. Die dunklen Schlieren verschwinden, egal wohin, und ich weiß, dass ich endlich dort bin, wo ich sein sollte. Genau hier.

Das Geflüster ist leiser, die Zweifel totgebrannt in Schönheit. Ich blicke mich um, woher kommt das Licht? Wo ist es, wohin wird es gehen, damit ich ihm folgen kann?

Und es kommt doch aus mir. Die Schönheit, die Liebe, das Echo von tausend Stunden Lachen. Kein flackerndes Lichtlein mehr, keine Kerze, die kurz davor ist, auszugehen. Keine Hände mehr, die kleine Flammen vor einem Windstoß bewahren müssen. Keine Menschenmenge, die sich um ein sterbendes Feuer scharrt.

Niemand, der mich aus der Dunkelheit führt. Ich brauche es nicht, keine Funken mehr in meiner Brust. Nur Licht und Helligkeit, von oben, von unten, von überallher.

Ewig tanzende Glühwürmchenschwärme, die ihre Kreise um mich ziehen. Sonnenstrahlen, die sich über den Boden ziehen, wie Fäden aus weißer Seide.

Mein Körper ist so leicht. Leicht wie Licht, leicht wie Wolken, leicht wie warme Luft. Keine schemenhaften Schatten, die ich über hochgezogene Schultern hinweg beobachten muss. Keine Wut, keine Traurigkeit, nur Liebe. Immer Liebe.

Was macht mich sonst zu mir? Definitionen, Schubladen sind zweitrangig. Da ist nur die finale Zuneigung zu mir selbst, der fehlende Wunsch zu verschwinden. Ich will mich nur sonnen, sonnen in meinem Licht, mich wärmen, für immer.


Titelbild © Amelie Steinwagner

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