V. doofes seelenlos

gute seelen haben weinende herzen,

sie leiden den weltschmerz während sie vor anderen scherzen.

ich wein im spiegel doch innen fühl ich nichts,

merk das gewicht nur wenn es mich selber erdrückt.

euch fühl ich schleppen und feuer euch an,

doch bei mir glüht nichts außer der elften kippe in meiner hand.

von Verena Streibl

vielleicht hab ich ein herz aber keine seele,

aber wie kann etwas fehlen was ich gar nicht sehe?

ich seh nur mich wie ich nach außen hin weine,

doch mein herz bleibt selbst gebrochen trocken und seele hab ich dann wohl auch keine.

VI. aua

aua.

es tut schon wieder weh.

schon wieder eine sekunde die vergeht.

warum macht mich jedes ende so traurig?

vor den letzten seiten des buches lauf ich,

nach dem abspann bleib ich im kino sitzen 

und doch beißen verpasste chancen mein gewissen.

aua.

je eher du gehst desto länger hab ich zeit zu weinen.

also geh noch nicht und lass mich nicht so lange leiden.

lass uns doch einfach liegen ohne zu denken,

um zu zweit unsere zeit für eine portion mehr schmerz zu verschenken.

aua.

nicht gemerkt dass es statt schweben fallen war,

ohne fallschirm war der aufprall doppelt hart.

knochen sind intakt aber in meiner brust ist etwas gebrochen,

röntgen sinnlos bleibt nur zu hoffen,

dass alle hobbyärzte im kittel meiner freunde recht haben:

wunden heilen irgendwann, was bleibt sind vielleicht nicht mal narben.

aua.

alles gerät aus den fugen,

und ich heiß eben nicht mozart und bin vor ein paar kreuzungen falsch abgebogen.

selbst langweiliges weiß ist mir immer noch zu viel,

irgendwie ist mein bett der einzige magnet der mich grad anzieht.

aua.

aus den schattennetzen tritt wieder dieser mann.

ein stiefel auf meinem bauch, der andere auf meiner rechten hand.

er hat mir den kopf verdreht und ich kann ihn nicht mehr gerade biegen,

bleib liegen ohne luft zu kriegen.

die schnüre sind alle gecutted,

aber wenigstens ist das sinken sachte.

das sinken ins ewige alles, 

alles, wo nur noch schatten und kein schall mehr ist.

ohne die ablenkung der geräuschkulisse fällt mir aber ein,

ich mag es ja irgendwie hier zu sein.

es ist so wohlig weich in der dunklen decke 

und ich geh langsam aus so wie meine zigarette.

VII. nachtlotterie

alles bleibt eine lotterie.

irgendwie schön so weiß man nie,

ob die nieten nur auf meinen schuhen bleiben

oder auch mal in meinem lostopf ihr unwesen treiben.

immer wieder sonntag und ich freu mich schon

auf die nächste nächtliche fensterbankaktion.

ich bin den ganzen weiten weg von stern zu stern gegangen,

um dann morgen wieder genau auf demselben fensterbrett zu landen.


Titelbild © Yule Bruch, Katharina Forst, Greta Meyer

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