Feminis:muss: Jungs, redet ihr über Gefühle?

Feminis:muss: Jungs, redet ihr über Gefühle?

Wut Wut Wut schrie sie stolz. Los los los rief es ihn ihr. Freude Trauer Glück Ekstase Neid Langeweile Reue. Tausend unterschiedliche Farben können wir fühlen, doch sie über die Zunge hinweg in die Welt rollen zu lassen, das ist schwer. Für uns alle gleichermaßen?

von Anna-Lena Brunner

Hineinfressen, wegessen, die Gedanken leer, die Gefühle taub, fühlt sich so an wie die Lippe nach einer Spritze beim Zahnarzt. Wattig irgendwie, geschwollen und kribbelig. Da ist nichts und doch weiß man, dass darunter der Schmerz beginnt. Lange hab ich es so gehalten mit den Gefühlen, so lange unterdrückt, dass sie irgendwann begannen zu drücken wie Blasen an den Zehen, zu knirschen und knistern wie Zucker zwischen den Zähnen. 

Und dann irgendwann? Dann ging‘s nicht mehr. Der letzte Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen, wie man so schön sagt und alle Tropfen tosend wie ein Meer schwappten und rauschten mir in den Ohren und mir wurde schwindelig davon. 

Über Gefühle reden, das konnte ich also noch nie so gut. Lieber schweigen, lieber so tun als ob, lieber den anderen eine Schulter zum Anlehnen sein – ein Witz als Übersprunghandlung, drüber hinwegtäuschen, um nicht ehrlich sein zu müssen zu den anderen, aber am meisten zu mir selbst. 

Und dann irgendwann? Dann ging’s nicht mehr wie gesagt. Therapiestunde um Therapiestunde vergeht und ich merke, dass ich Watte aufstoße. Dass sich langsam dieser Kloß im Hals, dieses Zähneknirschen löst und ich endlich wieder atmen kann. 

Das ist ungewöhnlich. Diese, meine Unfähigkeit mein Innerstes nach Außen zu kehren, beginnt es doch schon in der Grundschule *tuschel tuschel* in wen bist du verliebt, sag’s mir sag’s uns. Die Mädchen wie im Rausch, im Rausch der Gefühle. Dann später nächtelang zwischen Bettdecken, Nagellack und Singstar werden die Schwärme besprochen, die Probleme mit zuhause aufgezählt und über die einen aus der 9b gelästert. Irgendwann dann, erwachsen denkt man und doch wieder nicht, schenken wir uns Gehör, wenn wir uns so sehnen danach gehört zu werden, endlich die Hülle fallen lassen und zugeben, wie müde man eigentlich ist. Dafür sind Freundinnen doch da, oder?

Mir fiel das immer schwer, manchmal ging’s, manchmal nicht. Jedenfalls hat es sehr lange gedauert, bis ich mich öffnen konnte, gegenüber meinen Freund:innen, meiner Familie.

Manchmal bemerkte ich an manchen lieben Menschen bei mir im Freundeskreis und in der Familie ähnliche Verhaltensmuster wie bei mir. Es wird getäuscht und getrickst was das Zeug hält, bloß keine Schwäche zeigen, nur nicht weggeben, das, was uns im Innersten zusammenhält bzw. zerfleischt. Was mir dabei auch auffällt ist, dass es häufig männlich gelesenen Personen am schwersten zu fallen scheint, sich mitzuteilen. Ist das wirklich so? Jungs, redet ihr über Gefühle? Über das, was euch antreibt und bewegt, darüber, ob ihr einsam seid oder überfordert, aufgeregt oder erschöpft? Oder schweigt ihr lieber und mimt den eiskalten Stoiker, der den nichts berührt und der in der Antike schon ein Lügner war, ein Meister der Täuschung?

Was ich weiß? Wir alle haben Gefühle, ob wir wollen oder nicht. Und so sehr sie uns belasten, uns wehtun und uns zerreißen, so sehr machen sie uns auch aus und zu dem, was wir sind. Also lasst uns gemeinsam weinen, lachen, schreien, egal ob Jungs, Girls oder alles dazwischen, denn am Ende bricht’s sowieso irgendwann aus uns raus, oder? Spätestens bei der nächsten Hogwarts Reunion … 

Beitragsbild: @ Krišjānis Kazaks | Unsplash

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