Mov:ement: Coppola, Scott und Leone – Drei Regisseure, die ihre Arbeit nicht ruhen lassen konnten

Mov:ement: Coppola, Scott und Leone – Drei Regisseure, die ihre Arbeit nicht ruhen lassen konnten

Pünktlich zum 30. Jahrestag erscheint heute eine neu zusammengesetzte und restaurierte Fassung von Francis Ford Coppolas jahrelang verschmähten Abschluss seiner wegweisenden »The Godfather«-Trilogie. »Mario Puzo’s The Godfather, Coda: The Death of Michael Corleone« (ja, diese Fassung heißt wirklich so) liefert einen neuen Anfang und vor allem ein neues Ende sowie generell ein verbessertes Filmerlebnis, welches wohl besser die ursprünglichen Intentionen des Autors und des Regisseurs wiedergeben soll. Von dieser spannenden Veröffentlichung inspiriert, möchte ich heute den Blick auf weitere interessante »Director’s Cuts« sowie alternative Filmversionen werfen.

von Julian Tassev

Hearts of Darkness – »Apocalypse Now« (1979)

»Apocalypse Now« (Francis Ford Coppola, USA, 1979) © United Artists

Beginnen wir mit meinem persönlichen Lieblingsfilm von Francis Ford Coppola: »Apocalypse Now«. Basierend auf Joseph Conrads Novelle »Heart of Darkness« von 1899 erzählt Coppolas Film die Geschichte von Captain Willard, der inmitten des Vietnam-Krieges den geheimen Auftrag bekommt, den tief im Dschungel verschollenen Colonel Walter Kurz ausfindig zu machen und auszuschalten. Berichten zufolge sei dieser verrückt geworden und gebe sich nun als »Gott« eines im Dschungel lebenden Volkes aus. Allein die Geschichte der Dreharbeiten dieses Monumental-Werkes ist unglaublich genug (so zu sehen im brillanten Dokumentarfilm »Hearts of Darkness«, den wir größtenteils Coppolas Frau Eleanor zu verdanken haben), doch wir wollen uns auf die Geschichte des Films nach seiner Veröffentlichung fokussieren. Nach 16 Monaten Dreharbeiten und über 200 Stunden Filmmaterial legte Editor Walter Murch nach über einem Jahr einen ersten Rohschnitt des Films vor. Dieser dauerte wohl über fünf Stunden und war so nie als endgültige Version gedacht. In Cannes feierte der Film seine Premiere mit einer drei-stündigen Version, die als Bester Film des Jahres ausgezeichnet wurde. Um den Produzenten entgegen zu kommen, wurde der Film für den US-Kinostart schließlich doch noch gekürzt, allerdings unter Coppolas Aufsicht. Er räumte oft ein, viele Szenen des Films seien eventuell für ein »Mainstream«-Publikum nicht angemessen, und nach den katastrophalen Dreharbeiten musste der Film unbedingt ein finanzieller Erfolg werden. Mit einem Einspielergebnis von knapp 80 Millionen Dollar wurden die Mühen aller Mitwirkenden schließlich belohnt.

Erst 2001 erschien dann endlich »Apocalypse Now – Redux«, eine ca. 50 Minuten längere Fassung des Films, teilweise von Grund auf neu geschnitten und mit zuvor nie gezeigtem Material. Bezeichnend sind hier die Szenen mit den Playmates, die unter den Soldaten für gute Stimmung sorgen sollten, sowie eine lange Sequenz in einem französischen Kolonialhaus gegen Ende des Films. Außerdem gibt es verschiedene Versionen des Abspanns mit dem The Doors Song »The End«. Interessanterweise wurde die gerade erst in Deutschland veröffentlichte DVD der Kinofassung des Films prompt aus dem Verkauf zurückgenommen, als »Redux« angekündigt wurde. Über die Jahre erschienen dann mehrere Sondereditionen, einige inklusive der Dokumentation. Um die mittlerweile 40-jährige Geschichte seines Films zu einer Art Abschluss zu bringen, veröffentlichte Coppola 2019 tatsächlich nochmal eine (dieses Mal etwas gekürzte) Restauration des Films als »Apocalypse Now – The Final Cut«. Vielleicht sollten wir uns schonmal einen Namen für die unweigerliche Neuauflage von 2029 überlegen. »Ultimate Cut«? »Final Cut Now«?

Like Tears in Rain – »Blade Runner« (1982)

»Blade Runner« (Ridley Scott, USA, 1982) © Warner Bros.

Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker »Blade Runner« liegt mittlerweile in fünf verschiedenen Fassungen vor. Im Film, der in einem düster-dystopischen Los Angeles im Jahr 2019 spielt, muss Rick Deckard, verkörpert von Harrison Ford, vier tödliche Androiden, sogenannte »Replikanten«, zur Strecke bringen. Basierend auf dem Roman »Do Androids Dream of Electric Sheep?« von Philip K. Dick verwebt der Film Noir-Krimi-Elemente mit tiefgründigen Fragen über künstliche Intelligenz, das Leben und den Tod. Erste Testvorführungen des Films wurden anscheinend so schlecht aufgenommen, dass im Nachhinein ein eher fröhliches Ende sowie Harrison Fords Erzählstimme aus dem Off eingefügt wurde. Für die Kinofassung in den USA wurde außerdem im Gegensatz zur europäischen Version ordentlich zensiert. Sie ist nicht viel kürzer, nur enthält sie etwas weniger Darstellungen von Gewalt.

1989 stolperte Filmrestaurator Michael Arick zufällig über eine der originalen, unveränderten 70mm-Film-Fassungen, die er für Warner Bros. erwarb und auf diversen Filmfestivals aufführen ließ. Allerdings war er der Meinung, es handele sich dabei um die internationale Kinofassung. Der Film wurde dieses Mal sehr positiv aufgenommen, wodurch das Studio sehr schnell in Absprache mit Regisseur Scott einen richtigen »Director’s Cut« in Auftrag gab. Diesen erstellte Arick selbst, und der Film fand 1992 erneut den Weg in die Kinos. Allerdings wurde bekannt, dass dies immer noch nicht Scotts endgültigen Wünschen für seinen Film entspreche, und so erschien 2007 der »Final Cut«, der mit neuen und erweiterten Szenen sowie verbesserten Effekten, neuer Musik und überarbeitetem Ton beeindruckt. Übrigens sind die Helikopter-Aufnahmen, die während des Abspanns zu sehen sind, ungenutzte Aufnahmen aus Stanley Kubricks »The Shining« (1980). Der Film ist in jeder Ausgabe ein wichtiger Meilenstein des Science-Fiction-Kinos und beeinflusst noch heute das Genre auf vielfältige Weise.

Childhood Memories – »Once Upon a Time in America« (1984)

»Once Upon a Time in America« (Sergio Leone, USA/ITA, 1984) © Warner Bros.

Sergio Leones siebter und letzter Film musste lange warten, um endlich als einer der wichtigsten Gangster-Filme in die Geschichte einzugehen. Schon in den 70er Jahren plante Leone, den autobiografischen Roman »The Hoods« von Harry Grey zu verfilmen, doch das Projekt wurde immer wieder verschoben. Nach dem Erfolg seiner Western mit Clint Eastwood forderten die Produzenten Leone auf, vorerst in diesem Genre zu bleiben. Nach »Once Upon a Time in the West« (»Spiel mir das Lied vom Tod«) von 1968 und »Duck You Sucker« (»Todesmelodie«) von 1971 schloss der Film letzten Endes diese »Amerika«-Trilogie ab.

Mit über acht Stunden Filmmaterial plante Leone erst, sein Werk in zwei langen Teilen zu veröffentlichen. Nach vermehrt schlechten finanziellen Ergebnissen solcher Mehrteiler konnten ihn die Produzenten allerdings überzeugen, davon abzusehen. Enttäuschenden Kritiken in Cannes zufolge wurde der fast vier-stündige Film für den US-Kinostart um knapp 90 Minuten gekürzt, was sich als großer Fehler erweisen sollte. Der Film lebt von seiner nicht chronologischen Erzählweise, durch die der Zuschauer nach und nach mehr über die Jugend der Protagonisten »Noodles« und Max erfährt. Die Kinofassung wurde nicht nur extrem zerschnitten, sondern entgegen der Wünsche Leones zusätzlich chronologisch angeordnet. Dies sollte den Film für das öffentliche Kinopublikum angenehmer machen, erzielte allerdings genau das Gegenteil. Europäische Zuschauer kamen damals schon in den Genuss der längeren Fassung. Allerdings wurde der Film später für die Veröffentlichung der deutschen DVD vollständig neu synchronisiert, was hierzulande natürlich auf Unverständnis stieß. 2011 bemühte sich schließlich Regisseur Martin Scorsese, Gründer und Vorsitzender der Film Foundation, um eine vollständige Restauration der ursprünglichen Langfassung. Diese wurde 2012 in Cannes gezeigt, konnte aber auf Grund rechtlicher Probleme erst 2014 international veröffentlicht werden.

Beitragsbild: © United Artists

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