Keine Zeit zum Nudeln Kochen

In WGs treffen mitunter grundverschiedene Lebensentwürfe aufeinander. Die Küche ist – dicht gefolgt vom Waschkeller – der häufigste Ort solcher unerwartet komischen Begegnungen.

Von Selina Roos

Vor einer Weile hatte ich eine sehr interessante und auch irgendwie tiefgründige Unterhaltung mit meiner Mitbewohnerin Sarah, die ich gerne mit euch teilen möchte: Ein anstrengender Uni-Tag ging zu Ende und so wie das Magenknurren lauter wurde, drohte auch mein Geduldsfaden allmählich zu reißen … So oder so ähnlich kennen das sicherlich die meisten. Nur blöd, wenn man, endlich zu Hause angekommen, auch noch kochen muss und eigentlich gar keine Nerven dazu hat. In der kleinen Küche unserer Wohnung ist immerhin der Platz kein Problem, da Sarah und ich nie gleichzeitig kochen. Zum einen liegt das daran, dass wir einen ziemlich unterschiedlichen Alltag haben und so zu verschiedenen Zeiten essen. Zum andern, weil sie wirklich selten kocht. Nicht weil sie es nicht könnte, sondern weil es ihr einfach zu lange dauert.

Als wir uns eines Abends wieder einmal in der Küche verquatschten, saßen wir uns inklusive unseres Essens gegenüber: Salat und Brot versus aufgewärmte Gemüsepfanne. Irgendwann meinte sie mit Blick auf mein aufgewärmtes Essen, dass sie es ja toll fände, wie ich das immer schaffe, aber dass ihr kochen zu aufwändig sei. Als ich sie darauf hinwies, dass das Aufwärmen von Essensresten maximal drei Minuten in der Mikrowelle beansprucht und man ja auch im Voraus kochen könne, lenkte sie ein: »Naja, ich bin da wahrscheinlich besonders ungeduldig. Mir dauert selbst Nudeln kochen zu lange«. Klar, manchmal muss es schnell gehen und ich persönlich esse auch gern mal kalt zu Abend. Aber jeden Abend? Außerdem sind Nudeln mit Pesto schließlich DAS Studentengericht par excellence, da es getreu seinem Ruf günstig und in wenigen Minuten zubereitet ist. Soll das schon zu aufwändig sein? Das wollte nicht in meinen Kopf. Sarah hingegen findet das total logisch. Ein Brot schmieren oder einen Salat anrichten sei ja viel zeitsparender – da müsse man nicht warten, bis das Wasser kocht und das Essen durch ist.

Generell scheint sie das Konzept von warmem Essen nicht so ganz zu überzeugen, was wiederum meine Vorstellung von einer ausgewogenen Ernährung komplett auf den Kopf stellt: Sie sträubt sich irgendwie gegen die verbreitete Meinung und sieht eine warme Mahlzeit am Tag als nicht notwendig an. Was genau sie mitten im Winter zu dieser Aussage bewegt, kann ich auch nicht sagen, schließlich ist das die Zeit, in der sich ganz Deutschland an seine warme Suppenschüssel klammert. Auch ihre Mutter hatte sie wohl schon mehrmals davon überzeugen wollen, dass eine warme Mahlzeit am Tag notwendig sei – Sarah lässt sich aber auch von ihr nicht beeindrucken. Ihre Meinung ist klar: »Wenn ich etwas Warmes brauche, koche ich mir eben einen Tee und trinke den zu meinem Salat«. Dann habe sie doch alles und müsse dafür kein warmes Gericht zubereiten.

Ich selbst bin hingegen oft zu faul, einen Salat zu machen und dafür die ganzen Zutaten zu schneiden. So hat wohl jeder seine Definition von Aufwand beim Kochen.

Nächste Woche dürft ihr euch wieder auf eine Geschichte aus Katis WG-Leben freuen.

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