Driving Home for Christmas

Weihnachten rückt immer näher. Ich versuche wirklich, in die richtige Stimmung zu kommen. Aber es will einfach (noch) nicht gelingen …

Von Lena Alt

 

Heute Morgen habe ich Kekse gebacken. Das schreibe ich nicht, um anzugeben oder euch Appetit zu machen. Letzteres wäre auch absurd, denn ein kleiner Teil der Kekse ist quasi bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Ich schreibe das, weil der Geruch verbrannter Plätzchen so ziemlich das weihnachtlichste ist, was sich derzeit in meiner Wohnung vorfinden lässt. Und ich kenne auch den Grund für das Misslingen der Kekse: Ich bin einfach noch gar nicht in Weihnachtsstimmung. Traurig, dass ich das nicht einmal eine Woche vor Weihnachten sagen muss, aber es ist leider wahr. Nicht einmal, wenn ich aus dem Fenster schaue und die vielen Lichterketten an den anderen Balkonen sehe. Im Gegenteil, das versetzt mich nur noch mehr in Stress. Nicht genug damit, dass ich dieses Jahr weder eine dekorierte Wohnung noch eine akzeptable Menge essbarer Kekse vorweisen kann. Ich habe noch längst nicht alle Geschenke beisammen, geschweige denn auch nur eine einzige Karte an die liebe Verwandtschaft verschickt.

Nicht so meine Mutter. Im Haus meiner Eltern sieht es aus, als hätten die Engel des Weihnachtsmanns persönlich jeden Winkel dekoriert und erleuchtet. Überall glitzert und blinkt es, und das nicht überladen, sondern äußerst stilvoll. Letztes Wochenende hat sie mir am Telefon erzählt, dass alle Karten und Geschenke verschickt sind. Sogar die Einkäufe für das Weihnachtsessen sind soweit es geht erledigt. Bis dahin habe ich ihr schon fasziniert zugehört. Aber als sie noch eins drauf setzte, starrte ich nur noch ungläubig auf mein Handy: Der Tannenbaum steht auch schon! Und das erwähnte meine Mutter ganz ohne bitter-ironischen Unterton.

Ihr müsst wissen, Weihnachten ist bei uns nicht immer so friedlich, wie man denken oder zumindest hoffen mag. Vor allem das Aufstellen des Tannenbaums raubt der Vorweihnachtszeit meist den letzten Rest an Spirit. Der Baum steht schief, er fällt um. Er wird wieder aufgerichtet, und steht immer noch schief. Er steht mit einer Delle im Geäst nach vorne, er wird gedreht, er steht immer noch schief. Alle Beteiligten sind mürrisch, weil er schief steht. Und so geht das mitunter mal drei bis vier Stunden, bis sich kollektiv geeinigt wird, dass der Stamm schief ist, um den Familienfrieden zu wahren. Dann wird sich gemeinschaftlich geärgert, dass man einen schiefen Baum gekauft hat. Endlich findet man sich schließlich mit einer gewissen Schiefe des Baums ab. Bis Oma am Weihnachtsmorgen vor dem Baum steht und nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kommt, dass er schief ist. Ihr merkt also, Weihnachtsbaum-Aufstellen ist so eine Sache in meiner Familie. Wenn meine Mutter also so beiläufig davon erzählt, kann irgendetwas nicht stimmen.

Aber auch, wenn dieser Frieden vielleicht trügt, freue ich mich auf Weihnachten bei meinen Eltern. Sobald ich meine triste, unweihnachtliche Wohnung gegen das weihnachtliche Nest eingetauscht habe, wird meine Weihnachtsstimmung schon auflodern. Es heißt ja nicht ohne Grund »Driving Home for Christmas«. In diesem Sinne wünsche ich euch allen wunderbare und erholsame Weihnachten und viele unverbrannte Kekse. Nächste Woche gibt es hier wieder Neues von Regina.

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