Feminis:muss: Der Ursprung der Welt

Feminis:muss: Der Ursprung der Welt

Diese Woche soll es um ein feministisches Manifest im witzigen Comic-Format gehen: Der Ursprung der Welt von Liv Strömquist. Abgepackt in kürzere Abschnitte erzählt sie Ausschnitte der Kulturgeschichte neu und gibt der weiblichen Vulva die Hauptrolle.

von Verena Gerbl

Ausgehend von der Bibel bis hin zur aktuellen Kritik an Tampon-Werbekampagnen, prangert die Schwedin die noch immer geltenden patriarchalen Machtverhältnisse an. Sie benennt Probleme konkret und versteckt auch nicht ihre eigene politische Haltung. Der Titel »Der Ursprung der Welt« geht auf ein Werk des französischen Künstlers Gustave Courbet zurück. Das weltberühmte Gemälde zeigt offen die Vulva und sorgte für Furore.

Schon das Cover ist vielversprechend: Die Autorin selbst stellt eine von Valie Export inszenierte Performance aus dem Jahr 1968 nach, bei welcher das weibliche Geschlechtsorgan unverdeckt durch eine im Schrittbereich dreieckig ausgesparte Hose, die »Aktionshose Genitalpanik«, nackt gezeigt wird. Strömquist legt ihre Vulva zwar nicht frei, trägt auch keine Aktionshose, richtet ihren Blick dafür aber konzentriert nach unten, fokussiert das weibliche Geschlecht, um das es in ihrem Comic ja auch gehen soll. Das Maschinengewehr hinter ihr an der Wand soll wohl eine Anspielung auf ihre Kampfansage gegen die patriarchalen gesellschaftlichen Vorstellungen der letzten Jahrhunderte sein, die allesamt die Rolle der Frau und auch ihre Sexualität in den Schatten des Mannes rücken.

Den ersten Abschnitt ihres Buches fand ich persönlich am interessantesten und witzigsten: Liv Strömquist parodiert »Männer, die sich zu sehr dafür interessieren, was als das weibliche Geschlechtsorgan« bezeichnet wird. Es werden unterschiedliche Forscher vorgeführt, die sich der Vulva annahmen und die absurdesten Theorien über die weibliche Sexualität aufstellten. Die Geschichten sind tragisch, aber so komisch erzählt, dass man* sich das Lachen kaum verkneifen kann. Mit sehr trockenem Humor zeigt die Autorin, wie groß die Doppelmoral ist, an der sich unsere Geschlechtsteile messen. Die Vulva wird verdeckt, kann oftmals auch anatomisch nicht korrekt zugeordnet werden und die entstehende Scham wirkt sich somit auch auf den Umgang mit der eigenen Sexualität aus. Prähistorische Funde zeigen jedoch, dass der Vulva früher einmal mit wesentlich mehr Stolz und Furchtlosigkeit begegnet wurde.

Nachdem mir Liv Strömquists erster Comic so sehr gefallen hat, habe ich auch »I’m every woman« von ihr gelesen und fand es mindestens genauso unterhaltsam. Darin geht es um das Mythos des männlichen Genies, wobei die Geschichte aus weiblicher Perspektive neu erzählt wird. Die Leser*innen erfahren von Frauen, die sich jahrelang im Schatten ihrer berühmten Männer bewegen mussten – unter anderem Figuren wie Yoko Ono oder Priscilla Presley. Da die Schwedin noch weitere Graphic Novels zum Feminismus verfasst hat, kann man* sich auf Nachschub freuen!

Beitragsbild: © Avant Verlag

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