Lautstark: »Mélodies d’un film perdu« – Filmmusik ohne einen Film

Lautstark: »Mélodies d’un film perdu« – Filmmusik ohne einen Film

Wer sagt, dass man* unbedingt einen Film braucht, um Filmmusik zu schreiben? Das dachte sich auch der Schweizer Pianist Cédric Monnier – herausgekommen ist ein Album zum Entspannen, das die eigene Fantasie anregt. In der neuesten Lautstark-Kolumne stelle ich euch das Album vor.

von Yvonne Mikschl

Normalerweise läuft das in der Filmbranche ja so: Man* dreht einen Film und während des Schnittes komponiert man* die Filmmusik dazu. Es ist sehr selten (wenn überhaupt), dass es andersrum wäre. Doch kann ein Soundtrack auch funktionieren, wenn kein Film besteht? Ja, wenn die Fantasie groß genug ist.

Ein gelungenes Beispiel hierfür ist das 2020 erschienene Album »Mélodies d’un film perdu« von Cédric Monnier. Der Name mag wenigen etwas sagen. Der Schweizer Pianist war Teil der Schweizer Band Lunik (1997 bis 2013 aktiv), in die er als Keyboarder 2005 kam und fortan mit der Sängerin Jaël zusammenarbeitete. Liveauftritte gibt es von Monnier selten, zumindest nicht in dem Kontext als Solokünstler. Monnier unterstützt seit inzwischen fast zwei Jahren die »Klangwelten«-Konzerte von SCHILLER an verschiedenen Synthesizern; zuletzt war er auf dem »Lichtsommer«-Konzert in Mannheim auf der Bühne zu sehen.

Ein Album zwischen der Natur und der inneren Gefühlswelt

»Mélodies d’un film perdu« ist Monniers Debutalbum als Solokünstler. Ein reines Klavierinstrumentalalbum, im Hintergrund mag man vielleicht noch eine Gitarre oder andere Soundeffekte erkennen. Entstanden ist das Werk in der Nähe der ungezähmten Atlantikküste in der Bretagne. Die Titelliste ist Französisch, das Klavier dominant. Fragile Stücke zwischen traumwandlerischer, cineastischer Szenerie und sanfter, natürlicher Reinheit, wie es Monnier auf seiner Website schreibt:

»I recorded my piano compositions in a remote estate in Brittany near the untamed Atlantic coast. In the process, fragile, sensual piano pieces were created, meandering between somnambulistic, cinematic scenery and gentle, natural pureness.«

Cédric Monnier
Das Cover zum Album. © Amazon

Übersetzt bedeutet der Albumtitel »Melodien eines vergessenen Films« – und das hört man* auch. Monnier selbst beschreibt das Album als eine Reise in seine innere Gefühlswelt, ein Tagebuch ausgedrückt durch Musik. Zwischen der Natur mit »Papillon bleu« (blauer Schmetterling) und »Mademoiselle Oiseau« (Fräulein Vogel) und Städten (»Berlin valse«, »Paris dance«, »Tehran Jan«). Oder man* schweigt im Kloster, gedenkt der Verstorbenen und genießt die Stille in »Au couvent«. Die Stücke sind vielseitig – genauso wie die Gefühlswelt, die das Leben bietet. So gesehen kann das Album auch der Soundtrack des eigenen Lebens werden, zwischen Hoffnung, Liebe und den kleinen, schönen Dingen wie der Schmetterling.

Fazit:  Wenn man* beim Hören die Augen schließt und sich vom Klaviers tragen lässt, gleitet man* automatisch in die Fantasie ab, wo der Film im Kopf spielt – und Cédric Monnier liefert den Soundtrack zur eigenen persönlichen Reise. Da braucht es keinen Film mehr, den man* vertonen muss.

Homepage von Cédric Monnier: https://cedricmonnier.com/

Songbeispiel:

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