»Das Internet ist für uns alle Neuland«

Dieser Satz von Angela Merkel aus dem Jahre 2013 gilt wohl nicht nur für die Kanzlerin, sondern auch für so manchen Internetanbieter, wie ich leider selbst erfahren musste. So teilte ich mir vorübergehend eine Standardleitung mit mehreren Hundert Nutzern, wodurch selbst das Öffnen von E-Mails zu einer Herausforderung wurde. Auch eine Fülle von ungewollten Offline-Sessions musste ich durchleiden. Dennoch habe ich die Suche nach schnellem und vor allem stabilem Internet in Regensburg noch nicht aufgegeben.

von Fabian Westermeyer

Meine Internet-Odyssee beginnt in einem alten Wohnheim in der Innenstadt. Wer die Kolumne verfolgt, weiß schon von den chaotischen Zuständen vor Ort. Die Verwaltung lies den Internetvertrag zum Jahresende auslaufen, obwohl die Mietverträge von mir und den restlichen Bewohnern noch einige Monate länger dauerten. Um nicht in die vordigitale Zeit zurückzufallen, fanden wir uns zu deshalb zu einer Krisensitzung im Gemeinschaftsraum zusammen. Mehrere Optionen wurden diskutiert, ehe wir uns darauf einigten einen gemeinsamen Router für die verbleibende Zeit anzuschaffen. Eine Person sollte unsere neue Internetquelle kaufen, während der Rest sich an den Kosten beteiligen würde. In der versammelten Runde hielt sich die Begeisterung für den Posten in Grenzen, weshalb am Ende der Lostopf entschied. Diese Klippe konnte ich glücklicherweise umschiffen und für die letzten Monate entspannt im World Wide Web surfen. Das Vergnügen war aber nur von kurzer Dauer, denn auch im neuen Wohnheim sollte mir das Netz keine Ruhe lassen. Dort angekommen wurde mir das Internet wieder vom Vermieter gestellt, was mich erstmal erleichterte – ebenso wie der unschlagbare Preis von einem Euro pro Monat. Zuerst betrachtete ich das Angebot skeptisch, aber vorerst bereitet mir der Anschluss keine Probleme. Die Überraschung kam dann abends in der ersten Woche. Mein Ladebalken stockte erst und kam letztlich ganz zum Stillstand. Beim ersten Mal dachte ich mir noch nicht viel dabei, jedoch wiederholte sich das Spiel am nächsten Tag erneut. Bei einem zweiten Blick auf den Internetvertrag sah ich den Haken. Statt von einem privaten Anbieter wurde meine Leitung vom Universitätsnetz versorgt und damit zusammenhängend galt ein tägliches Datenlimit von 10 GB. Wer die Menge überschritt, der musste sich einen Ersatzkanal mit allen anderen Personen teilen, die bereits ihr schnelles Internet für den Tag verbraucht hatten. Angesichts der Geschwindigkeit dieser Leitung war ich wohl nicht der einzige web-affine Mieter, denn das Netz sah sich einer permanenten Überlastung ausgesetzt. An eine normale Internetnutzung war dann nicht mehr zu denken.

Ab sofort galt es meine Daten zu rationieren, wenn ich nicht das Schicksal eines Internetnutzers zweiter Klasse fristen wollte, wie es vielen Handybesitzern am Ende des Monats ergeht. Automatische Downloads und Updates fielen dem als erstes zum Opfer. Auch das Prokrastinieren auf Netflix gestaltet sich für mich als schwieriger, wenn der Stream kurz vor dem Staffelfinale aufhört und mir damit einen weiteren Cliffhanger beschert. Anfangs streckte ich größere Datenmengen wie Programme oder Spiele auf mehrere Tage, später ging ich dazu über, die Inhalte anderswo runterzuladen. Das führte zu der bizarren Situation, dass ich bei mir Zuhause auf dem Land ein besseres Internet als hier in der Stadt hatte. Zumindest in meinem Fall hatte sich damit das normale Stadt-Land-Gefälle in Sachen Internet umgekehrt.
Als ich mich inzwischen mit den Besonderheiten meines Anschlusses arrangiert hatte, machte mir das World Wide Web mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Der alte Internetanbieter wich einem neuen, was die typischen Startschwierigkeiten mit sich brachte. Während im gesamten Wohnheim Router verteilt wurden, kam es immer wieder zu kürzen Aussetzern. Leider setzen sich die Probleme auch in den Wochen danach fort. Besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben sind mir die Ausfälle am Anfang des Wochenendes, denn dann dauerte die Internetflaute meist bis zum Montagmorgen. Da halfen auch die Störungsmeldungen nicht viel, die meine Mitbewohner und ich fleißig auf unseren Handys schrieben. Mit der Zeit verbesserte sich die Situation schließlich. Mittlerweile bin ich sogar wieder in der Lage einen Serienmarathon einzulegen, ohne davor die entsprechenden DVDs aus der Bibliothek auszuleihen.

Allerdings hatten in den letzten Semesterferien auch die Bauarbeiter neben meiner Wohnung noch ein Wörtchen bei meiner Freizeitgestaltung mitzureden. So wurde versehentlich ein falsches Kabel durchgeschnitten – natürlich ausgerechnet die Internetleitung. Nach einigen Tagen war auch dieses Problem wieder behoben und ich hoffe, dass damit auch meine Suche nach gutem Internet erfolgreich beendet ist. Zumindest einen Vorteil hatten die Ausfälle. Seitdem kann mich langsames Internet nicht mehr stressen. Außerdem habe ich gelernt, Dinge entspannter zu sehen. Oder vielleicht auch nicht, wenn ich bedenke, dass ich dieser Pannenserie nun sogar einen eigenen Artikel gewidmet habe – selbstverständlich online.

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