Waschmarkenvorrat – der wahre Reichtum des Lebens

Nachdem nun wohl auch die Letzten unter uns die Heimat wieder hinter sich gelassen und mehr oder weniger ausufernd den Beginn des neuen Semester begossen haben, gibt es endlich wieder neues aus dem wohl katholischsten Wohnheim des Regensburger Ostens, wo sich der Haushalt trotzdem nicht auf himmlische Weise selbst erledigt – und schon gar nicht ohne das richtige Timing.

Von Regina Polster

Während ich diese Zeilen schreibe, stehe ich unter enormem Zeitdruck: In weniger als neun Minuten springt sie auf null. Dann hat mir das Schicksal weitere sieben Minuten zur Verfügung gestellt, bevor es endgültig vorbei ist. Und mit vorbei meine ich wirklich vorbei, zu spät, unwiderruflich verloren. Schon einmal habe ich ihn erlebt, den Moment, in dem die Uhr auf 00:00:00 steht und die Tür sich für immer (gefühlt) geschlossen hat. Hinter ihr befinden sich so manch essentielle Dinge des Lebens – Socken, Jeans – und manchmal auch der Badteppich. Wenn sich jedoch auch die Unterwäsche in der Trommel befindet, die man aus hygienischen Gründen dringend am nächsten Tag bräuchte, dann steigt Panik auf. Was tun? Einen Waschmarken-Vorrat besitzt der arme Studierende natürlich nicht und Schwester Burgi, die diese sicher in ihrem Büro verwahrt, hat uns zu einer solch unchristlichen Zeit des Tages ( die Kirchenglocken gegenüber schlagen bald acht) längst verlassen. Ablass kann nur ihr Bruder schaffen, der als Hausmeister und einziger Mann in diesem Hause nächtigen darf. Das hat auch auf mich zunächst sehr suspekt gewirkt, in Momenten wie diesen jedoch ist er unsere einzige Rettung (Sorry, Jesus). Denn er verfügt über die Gnade und Macht, uns eine weitere Waschmarke zu geben – und das ganz kostenlos! Es gab Zeiten, da hätte sich die Kirche ein Beispiel nehmen sollen.

Wenn dann die guten Stücke doch noch aus der Maschine befreit werden konnten, steht Frau vor dem nächsten Problem: Wohin damit? Jeder Zentimeter an der durch den Trockenraum gespannten Wäscheleine ist heiß begehrt. An der Tür werden Höflichkeit und Anstand zurückgelassen, um die eigene Wäsche möglichst noch mit unterzubringen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut? In Ordnung, aber von der Wäscheleine abhängen wird ja wohl ok sein – trocken oder nicht trocken, das ist der verzweifelten Studentin einerlei. Wundersamerweise hat bis jetzt noch kein Teil geschimmelt, das ich dann Tage später – wenn ich mich wieder in den Wäschekeller wage – unter Bergen von anderer Wäsche und völlig anders verteilt im Raum wieder hervorziehe. An dieser Stelle spielt das Gehirn mir jedes Mal einen demenzartigen Streich: Nie kann ich mich erinnern, welche Teile ich genau gewaschen habe und werde deshalb dieses unwohle Gefühl nicht los, etwas vergessen zu haben. Wahrscheinlich kommt mir mein Kleiderschrank deshalb nach dem Wäschewaschen immer so geräumig vor.

Mit dem neuen Semester hat sich uns Frischfleisch in Form von schreibwütigen Kolumnisten angeschlossen, die euch ähnlich gravierende Dramen und Abenteuer aus ihrem Leben schildern wollen. Lasst euch also überraschen, wer euch als Nächstes Einblick in seinen Wohnsinn gewährt.

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