»Engel ohne Flügel – Wir feiern den internationalen Tag des Ehrenamts«

»Engel ohne Flügel – Wir feiern den internationalen Tag des Ehrenamts«

Heute, am 05. Dezember, versteckt sich etwas ganz besonderes hinter unser aller Adventskalendertürchen: es ist International Volunteer Day for Economic and Social Development (Internationaler Tag des Ehrenamts), ein Aktions- und Gedenktag, der ehrenamtliches Engagement anerkennen und würdigen soll. Doch wie kommt man eigentlich an eine ehrenamtliche Tätigkeit, welche Bereiche bieten sich dafür an und was können Studierende vielleicht sogar von zuhause aus tun?

von Carina Aigner

Laut einer Erhebung des IfD Allensbach engagieren sich zum gegebenen Zeitpunkt mehr als 17 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich – leider. Warum leider? Klingt doch eigentlich nach einer guten und wichtigen Sache. Naja, es ist so: Vergleicht man die Zahlen mit denen aus dem Jahr 2019, zeigt sich, dass sich die Anzahl Ehrenamtlicher beinahe halbiert hat. Vor vier Jahren – so das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMSFJ) – engagierten sich in Deutschland noch 39,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren ehrenamtlich. Dies entspricht ungefähr 28,8 Millionen Menschen, die sich in diversen Bereichen einbringen und einen wichtigen Bestandteil der Gesellschaft darstellen. Um an dieser Stelle einmal Thomas Godoj zu zitieren: »Es werden wieder Helden gesucht.« – und wie ihr Helden werden könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel. 

Viele Ehrenämter und so wenig Zeit – welche Bereiche gibt es?

Ehrenämter sind genau so vielfältig und facettenreich wie ihre Ausübenden, doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie leisten einen wichtigen Teil für die Gesellschaft. Sie erweitern nicht nur unser Angebot, wenn es um unsere Freizeitgestaltung geht; manche von ihnen sind sogar systemrelevant. Insgesamt kann man alle Ehrenämter in sieben große Bereiche unterteilen, angefangen mit dem Komplex ‚Migration und Zusammenleben‘. Hierbei können sich Menschen ehrenamtlich im Bereich der Flüchtlingshilfe, einem Sprachtandem oder der allgemeinen Unterstützung hinsichtlich alltäglich-bürokratischer Aufgaben einbringen. In den Bereichen ‚Familie‘ und ‚Freizeit‘ ist es möglich, sich durch Kund:innenbetreuung, Trainerschaften in Turn- und Sportvereinen, Hausaufgabenbetreuung, oder im Rahmen der Telefonseelsorge zu engagieren. Natürlich ist es auch möglich sich in der Senior:innenbetreuung einzusetzen oder im Rahmen des Unfall- und Rettungsdienstes; denn auch Feuerwehr, technisches Hilfswerk und Sanitäter:innen sind ehrenamtlich beschäftigt. Zuletzt seien noch die Bereiche des Tier- und Umweltschutzes, wie auch die Politik zu nennen: zwischen der Unterstützung als Wahlhelfer:in oder ehrenamtliche:r Gassigerher:in im Tierheim ist auch hier alles geboten. 

Welche Möglichkeiten sind Studierenden im Raum Regensburg geboten? 

Auch in Regensburg gibt es diverse Möglichkeiten für Studierende sich ehrenamtlich zu engagieren – und für manche von ihnen muss man nicht mal das Haus verlassen. Ich selbst bringe mich zum Beispiel selbst schon länger in unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich ein und kenne daher einige Anlaufstellen für Interessierte. Das Tierheim in Lappersdorf (Tierheim Regensburg und Umgebung e.V.) sucht beispielsweise regelmäßig Gassigeher:innen, Katzenschmuser:innen und vieles mehr, da hier aufgrund des gering bemessenen Budgets Ehrenamtliche an allen Ecken und Enden gebraucht werden. Genauere Informationen findet ihr auf der Internetseite des Tierheims. Wer für sein Ehrenamt nicht so weit reisen möchte kann sich natürlich auch direkt an der Universität und OTH über Campus Regensburg e.V. engagieren – was wäre unser Campusfest nur ohne unseren fleißigen Helfer:innen. Auch Campus Asyl oder Aias Regensburg freuen sich immer über neue Mitglieder. 

Ehrenamtliches Engagement ist jedoch nicht nur für jüngere Menschen oder Kinder bedeutend, auch ältere oder erkrankte Personengruppen profitieren davon. Im Rahmen der Recherche für einen Artikel für die Printausgabe habe ich mit Frau Anna-Maria Thurow gesprochen, einer der Vorsitzenden der Leukämiehilfe Ostbayern e.V.. Sie hat mich darauf hingewiesen, dass man sich auch bei der Organisation des Leukämielaufs – einem Regensburger Benefizlauf – hinter den Kulissen auf ehrenamtlicher Basis einbringen kann, sei es beim Kuchenverkauf oder im Zuge der Startnummernverteilung. Weitere wichtige Links zu den ehrenamtlichen Vereinen und Organisationen in Regensburg findet ihr am Ende des Artikels. 

Muss man für ein Ehrenamt spezielle Voraussetzungen erfüllen? 

An erster Stelle steht hierbei natürlich der Wille, etwas Gutes tun zu wollen. Auch der zeitliche Faktor ist nicht außer Acht zu lassen, ehrenamtliche Tätigkeiten können je nach Bereich einige Stunden pro Woche in Anspruch nehmen. Des Weiteren muss man für manche Ehrenämter zuvor eine Art Ausbildung durchlaufen – dies ist vor allem für diejenigen freiwilligen Beschäftigung bedeutend, die im Zusammenhang mit mental-erkrankten oder todkranken Personengruppen zu tun haben. Hierunter fällt beispielsweise die Telefonseelsorge oder die ehrenamtliche Hospizbegleitung. Da ich aktuell anstrebe letzteres selbst ab dem kommenden Jahr auszuüben, kann ich an dieser Stelle kurz einen Einblick gewähren, wie eine Ausbildung in diesem Bereich aussehen kann. 

Zunächst sollte klar sein: für ein solches Ehrenamt benötigt man keine dreijährige ‚reguläre‘ Ausbildung. Das Ganze läuft nebenberuflich und beansprucht einen bis zwei Abende pro Woche und vielleicht ein paar Wochenenden. Der Hospizverein Pentling strebt eine Ausbildung an, welche ein halbes Jahr andauert und einen Abend pro Woche, drei Samstage und zwei komplette Wochenenden umfasst. Im Rahmen dieses Vorbereitungskurses setzt man sich primär mit sich selbst, eigenen Erfahrungen und dem, was einen im Ehrenamt erwarten kann, auseinander. Man bekommt sozusagen Techniken an die Hand, die einem den Umgang mit todkranken Menschen erleichtern sollen. Daran anschließend findet ein 20-stündiges Praktikum statt, in dem man sich zum ersten Mal an den Umgang mit sterbenden Menschen herantastet. Man wird hierbei jedoch auch nicht allein gelassen: Es erfolgen regelmäßig Supervisionen und eine enge Zusammenarbeit mit dem Hospizverein.

Und zu guter Letzt gibt’s es auch Ehrenämter für die man weder eine Ausbildung braucht, noch das Haus verlassen muss – Stichwort: Post mit Herz, eine ehrenamtliche Aktion, die jeden Dezember stattfindet. Wie der Name bereits verrät, geht es darum, Postkarten an Seniorenheime zu versenden. Gerade dort befinden sich während der Feiertage viele alleinstehende Personen, die ohne warme Worte durch die kalte Weihnachtszeit gehen müssen. Ein paar Vokale und Konsonanten hat doch jede:r von uns übrig. Also lasst uns doch einen neuen Vorsatz fürs neue Jahr fassen: Gemeinsam Ehrenmänner und Ehrenfrauen werden, wie wärs?


Hilfreiche Links und Anlaufstellen:


Beitragsbild: ©Rod Long auf Unsplash 

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