Filmtipp zum Pride-Month: »Die glitzernden Garnelen« – Sichtbarkeit ist alles

Filmtipp zum Pride-Month: »Die glitzernden Garnelen« – Sichtbarkeit ist alles

Es ist bereits die letzte Juni-Woche und der Pride-Month neigt sich dem Ende zu. Grund genug, mal einen Film zu rezensieren, der sich perfekt zur Feier der LGBTQ+-Community eignet: »Die glitzernden Garnelen« – ein Roadtrip mit einer Wasserballmannschaft. Redakteurin Yvonne Mikschl hat den Film gesehen.

von Yvonne Mikschl

Ich muss zugeben: Ich bin kein Queerio. Und werde es höchstwahrscheinlich auch nicht werden. Aber selbst ich muss mal diese für mich noch sehr fremde Welt mal in irgendeiner Form zu erkunden – es reicht nicht, nur Calum Scott oder Sam Smith zu hören… Deswegen musste ein Film her. Doch welcher? Filme mit dem Thema Pride gibt es mittlerweile viele, aber gute mögen wenige dabei sein, so mein erster Gedankengang.

Dank meiner lesbischen Freundin Julia fiel mir die Entscheidung sehr leicht. Besonders da ich was für Komödien übrig habe. Alleine das Cover machte mich schon neugierig: interessante Schriftart, Sonnenuntergang. Dann der Filmtitel: »Die glitzernden Garnelen«. Könnte lustig werden – und das wurde es auch. Nicht umsonst lockte der Streifen von Maxime Govare und Cédric Le Gallo aus dem Jahr 2019 500.000 Zuschauer:innen ins Kino…

Eines vorweg: Der Film ist auf Französisch, wurde nicht auf Deutsch synchronisiert und kommt nur mit deutschen Untertiteln ums Eck. Doch das hält ihn nicht vom Humor ab – dass französische Filme durchaus humorvoll sind, beweist ja alleine »Willkommen bei den Sch’tis« aus dem Jahre 2008, der als einer der erfolgreichsten Filme Frankreichs gilt…

Abb. 1: Die Mannschaft vor den Meisterschaften

Die Handlung: vom homophoben Schwimmer zum offenen Trainer?

Doch zurück zum heutigen Filmthema: Matthias Le Goff (Nicolas Gob) befindet sich am Ende seiner Schwimmerkarriere: Seine bisherige Laufbahn ist mit Weltmeistertiteln und Olympiasiegen zugepflastert. Es läuft für ihn mehr als nur gut, doch dann äußert er sich in einem Interview homophob: »Lass mich in Ruhe, Schwuchtel« – doof nur, dass sein Interviewpartner selbst schwul ist. Sein Verband beschließt daraufhin, dass seine Teilnahme an der nächsten Weltmeisterschaft gekoppelt sei an dem Training der Glitzernden Garnelen. Die Mitglieder der Wasserballmannschaft, alles homosexuelle Männer, sind natürlich zuerst wenig begeistert von ihrem neuen Trainer. Doch damit nicht genug: Matthias muss sie trainieren, damit sie sich für die Gay Games in Kroatien qualifizieren und letztendlich teilnehmen dürfen. Dabei muss Matthias seine Weltanschauung überdenken und beweisen, dass seine Äußerung nur ein Versehen war…

Zeichen setzen in der Welt

Warum ist dieser Film so empfehlenswert für Menschen, die sich mit der LGBTQ-Szene auseinandersetzen möchten? Zum einen, da Humor immer vermittelt. Zum anderen, da er im Rahmen der rbb QUEER-Filmreihe 2021 gezeigt wurde, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Vielfältigkeit zu zeigen. Auch 2022 zeigt der rbb im fünften Jahr wieder Filme jenseits der Heteronorm – hier geht’s zum Programm: https://www.rbb-online.de/film/themen/rbbQUEER.html.

Des Weiteren hat der Film ernste Hintergründe: Den Garnelen geht es nämlich gar nicht darum, die Gay Games zu gewinnen. Ihnen geht es darum, Sichtbarkeit zu zeigen: Einigkeit und Existenz der Welt zu demonstrieren in einer Welt, in der Homosexualität immer noch in einigen Ländern unter Strafe gestellt ist.

Abb. 2: LGBTQ+ Freundlichkeit der Länder der Welt 2022

Deutlich macht das auch eine Grafik des Statistikportals Statista vom 22. Juni 2022. Diese zeigt gut, welche Länder am LGBTQ+-freundlichsten sind. Kanada, Malta, Portugal und Spanien wurden am höchsten eingestuft, während besonders arabische Länder wie Saudi-Arabien, Somalia und der Iran auf den unteren Plätzen landen. Einigkeit und Existenz ist also immer noch relevant. Und auch der CSD in Regensburg 2022 stand am Samstag unter dem Motto »Sichtbarkeit schafft Sicherheit«, überschattet von den Schüssen in dem »meistbesuchtesten schwulen Ort« Oslos von Freitagnacht.

Queerer Humor auf Französisch

Abb. 3: Auf Roadtrip durch Europa

Zurück zum Film: Für jemanden, der sich mit dem Thema Pride das erste Mal beschäftigt, ist der Film »Die Glitzernden Garnelen« der perfekte Film. Er bedient sich zwar einigen Klischees, allerdings bringt er auch Humor vom allerfeinsten mit. Bestes Beispiel ist der Teamname der Garnelen, der so erklärt wird: »Der beste Teil der Garnelen ist der Schwanz.« – für eine homosexuelle Wasserballmannschaft sehr passend. Die Figur des Trainers Matthias erinnert an den Typ Teamkapitän, der seine Mannschaft nicht unter Kontrolle hat, verkörpert aber gleichzeitig noch den heterosexuellen Vater, der seine Tochter wieder zurückgewinnen möchte. Dass bei dem Roadtrip von Paris nach Kroatien ausgerechnet die Bayern als homophobstes Volk dargestellt werden, ist das einzige Manko, das der Streifen aus meiner Sicht zu bieten hat.

Fazit: Für mich eine Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit zu einem Thema, das heutzutage aktueller und wichtiger ist denn je zuvor.

Hier der Trailer zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=KUP5uBBhEO0

Bildquellen:

Titelbild: : https://www.filmstarts.de/kritiken/268351/bilder/?cmediafile=21673689, last seen 26.06.2022

Abb. 1: https://www.filmstarts.de/kritiken/268351/bilder/?cmediafile=21586312, last seen 26.06.22

Abb. 2 : https://www.statista.com/chart/25159/world-map-best-countries-for-lgbt-travelers/, last seen 26.06.2022

Abb. 3: https://www.filmstarts.de/kritiken/268351/bilder/?cmediafile=21586304, last seen 26.06.2022

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