Feminis:muss: Über das Kinder kriegen

Feminis:muss: Über das Kinder kriegen

Besonders zur Weihnachtszeit hören junge Frauen der Familie häufiger: »Wann ist es denn bei euch soweit?« oder »Deine biologische Uhr tickt.« Doch vielen ist nicht bewusst, wie anmaßend diese Fragen und Bemerkungen sein können. Hier ein Auszug, warum wir es also lassen sollten.

– Linnea Janke

Ein Blick in die deutschen Statistiken zeigt: Eine deutsche Durchschnittsfamilie besteht aus einem verheirateten heterosexuellen Elternpaar mit 1,54 Kindern, wobei die Mutter in Teilzeit arbeitet und sich um Haushalt und Kindererziehung kümmert.

Besonders bei Familienzusammenkünften wie Weihnachten werden daher jungen Frauen in den Zwanzigern und Dreißigern oft bedeutende Blicke zugeworfen. Denn die biologische Uhr tickt und »man wird ja auch nicht jünger«.

Am liebsten würde ich bei solchen Bemerkungen mit den Augen rollen. Diese Ansicht, dass eine Frau mit dreißig ihr erstes Kind haben muss, ihre gesellschaftliche Pflicht erfüllen muss, ist doch längst überholt – oder?

Nein. 

Der Kinderwunsch wird in unserer Gesellschaft oft als gegeben gesehen. Er ist sozusagen jeder Frau angeboren und eine Frau, die diesen Wunsch nicht äußert, wird schnell als egoistisch oder verantwortungslos betitelt.

Dabei ist der Kinderwunsch allein nicht mehr ausschlaggebend genug, um tatsächlich Kinder zu bekommen. Heutzutage reicht ein Vollzeitjob nicht mehr aus, um eine Durchschnittsfamilie zu versorgen. Die Mieten sind immens hoch, wenn überhaupt ein Wohnraum gefunden werden kann in den überfüllten Städten. Zusätzlich muss ein freier Kitaplatz  verfügbar sein, eine Schule in der Nähe, Sportvereine und das Kind soll ja nicht hungern oder in Lumpen aus dem Haus gehen.

Kinder sind teuer und das Kindergeld deckt nicht einmal im Ansatz die Kosten, auf die (junge) Paare stoßen, wenn sie sich entscheiden, ein Kind zu bekommen.

Denn Kinder sind kein Nebenjob, der gekündigt werden kann, wenn einem selbst die Decke auf den Kopf fällt. Eltern sein ist ein Vollzeitjob, für den es meist mehr als eine Person benötigt.

Meine Mutter hat immer gesagt: »Jedes Paar kann Kinder bekommen, aber die wenigsten werden Eltern.« Wahrscheinlich hat sie den Spruch aus irgendeinem Buch oder Ratgeber und einige kennen ihn sicher. Denn er ist wahr.

Eltern sein ist verdammt schwer. Kinder bekommen ist da noch der einfache Part.

Dennoch bleibt diese hartnäckige Frage: »Wann ist es denn bei dir soweit?«

Und ehrlicherweise möchte ich antworten: »Nie.«

Denn ich will keine Kinder.

Ja, ich gehöre zu den sogenannten egoistischen und verantwortungslosen cis-Frauen, die sich bewusst gegen ihre gesellschaftliche Pflicht entscheiden und keine Kinder bekommen möchten. (Vielleicht aus Rebellion, vielleicht auch nicht).

Es gibt genügend Bemerkungen zu meiner persönlichen Entscheidung. Zu viele, als dass ich sie alle aufzählen könnte. Hier einige Ausschnitte:

»Du hast nur noch nicht den richtigen Mann gefunden.«

»Findest du das nicht unfair gegenüber denen, die keine Kinder bekommen können?«

»Warte noch ein paar Jahre, das kommt schon noch.«

Meine Wahrheit ist: Ich habe keine biologische Uhr, die in meinem Innern tickt und mir zuflüstert, dass ich mich beeilen soll. Ich fühle mich auch nicht leer oder unvollkommen deswegen. 

Oft werde ich dafür belächelt, denn mir wird nicht geglaubt, dass ich als Frau tatsächlich glücklich sein könnte ohne Kinder. Ich würde doch Kinder mögen, ich würde doch Lehrerin werden wollen.

Richtig.

Und ich bin froh, wenn ich die Kinder nach meinem Arbeitstag nicht auch noch zu Hause um mich habe, wenn ich bei einem Glas Wein entspannt die Füße hochlege oder Klausuren korrigiere. 

Sich gegen eigene Kinder zu entscheiden, hat nichts damit zu tun, ob Kinder gemocht werden. Es ist eine persönliche, private, gar intime Entscheidung. Genau wie die, Kinder zu bekommen.

Meine Gründe dafür sind deshalb für Außenstehende komplett unerheblich.

Für mich ist es die einzig richtige, die einzig vernünftige und die einzig verantwortungsvolle Entscheidung, zu sagen: »Ich will keine Kinder.«

Und das ist in Ordnung. Ohne eine Begründung.

Beitragsbild: © Rod Long | Unsplash

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