Rezension: Le nozze di Figaro

Rezension: Le nozze di Figaro

Eigentlich bin ich ja gar nicht so sehr opernbegeistert. Dennoch ließ ich mich vom Komponisten begeistern. Die Kompositionen Mozarts führen nämlich seit Studienbeginn meine Playlists an, die ich für die Prüfungsphasen in der Bib konzipiert hatte, da sie mir immer so schön bei der Konzentration helfen. Wie schon erwartet, konnte mich dann auch die Inszenierung von »Le nozze di Figaro« des Regensburger Theaters, deren Premiere am 18. September stattfand, in den Bann ziehen.

von Verena Gerbl

 

»Le nozze di Figaro« (»Die Hochzeit des Figaro«) ist eine Opera Buffalo in vier Akten und stammt aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Dichtung ist auf Italienisch von Lorenzo Da Ponte mit deutschen Übertiteln. Im Gegensatz zu einer klassischen Theateraufführung fällt das Textverständnis bei einer Oper teilweise schwer. Dennoch begeistern das Bühnenbild, der Gesang und die Emotionen der Schauspieler*innen. Obwohl man* nicht jedes Wort versteht, und ja ich habe mich im Vorfeld schon über die Handlung informiert, wurde ich doch mitgerissen vom Inhalt und der Erzählungsweise des Stückes.

In »Le nozze di Figaro« geht es um einen Tag im Leben einer Gruppe Menschen. Im Laufe der Handlung überschlagen sich die Ereignisse immer mehr und mit den immer zunehmenden Verwicklungen wird einem*r als Zuschauer*in immer stärker bewusst, was das Mensch-Sein ausmacht: Nämlich, dass wir Fehler machen und wir vor allem durch die Liebe in unserem Leben geprägt werden. Die Liebe schafft es, uns und unsere Sicht auf die Dinge zu verändern. Diese Veränderungen, die die Liebe an uns vollführt, stehen im Mittelpunkt des Stückes von Mozart.

Susanna (Anna Pisareva/Eva Zalenga) und Figaro (Frederic Mörth/Oliver Weidinger), beide Bedienstete im Hause des Grafen Almaviva (Seymur Karimov), planen ihre Hochzeit. Doch der Graf selbst hat ein Auge auf die Braut seines Dieners geworfen und will den beiden nun den doch eigentlich schönsten Tag in ihrem Leben verderben. Als Zuschauer*in erlebt man*, wie sich die gescheiterte Ehe zwischen Almaviva und Rosina (Seymur Karimov) entwickelt hat, vor welchen Herausforderungen die beiden nun stehen und wie das Ehepaar nach der gegenseitigen Entfremdung dann wieder zueinanderfinden kann.

Durch die Inszenierung der Regisseurin und Choreografin Arila Siegert werden Körpersprache, Gesang und Musik so miteinander verwebt, dass man* die Beweggründe des menschlichen Handelns, die zentralen Motive des Zusammenlebens, des Vertrauens und der eigenen Identität nachvollziehen kann. Mozart und Da Ponte lassen in ihrem Werk einen tiefen Blick unter die Oberfläche gesellschaftlicher Strukturen zu und setzen das Menschliche, das uns alle ausmacht, auf ein Podest.

Das ist vor allem erstaunlich und beeindruckend, wenn man* die rigiden gesellschaftlichen Vorgaben zur Zeit der Entstehung betrachtet. »Die Hochzeit des Figaro« wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts geschrieben und komponiert. In den Jahren um die Uraufführung des Stückes war die Gesellschaft im politischen Wandel: Die vorgefertigten Privilegien des Bürgertums wurden nicht mehr unumstritten anerkannt, sondern mussten fortan erarbeitet werden. Die bisher geltenden Ordnungen wurden dadurch gehörig durcheinandergewirbelt und modernisiert, weswegen Mozart und Da Ponte mit den Themen den Nerv der Zeit beim neu erstarkenden Bürgertum absolut trafen. Das neu erwachte Selbstbewusstsein der Bürgerlichen ließ zu, dass man* bisher in Stein gemeißelte gesellschaftliche Strukturen neu durchleuchtete und mit anderen Augen betrachtete.

Mein erster Besuch einer Oper war demnach ein voller Erfolg und ich habe mir nun fest vorgenommen, diesem Genre fortan ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Erzählweise einer Oper ist durchaus anders als bei einem Theater, aber die Darstellung spricht die Gefühlsebene umso mehr an, da man* sich, um die Handlung zu verstehen, so sehr auf die Körpersprache, den Gesang, den Tanz und die Mimik der Schauspieler*innen konzentrieren muss. Ein Besuch der Opera buffa »Le nozze di Figaro« lohnt daher allemal. Traut euch und schaut doch einmal vorbei!

 

Tickets für »Le nozze di Figaro« gibt es auf der Webseite des Theaters Regensburg.

 

Beitragsbild: Frederic Mörth als Figaro und Eva Zalenga als Susanna ©Jochen Quast

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