Mov:ement: Commissario Montalbano oder der Charme von Sizilien

Mov:ement: Commissario Montalbano oder der Charme von Sizilien

Krimiserien sind allseits beliebt. Umsonst würden sich Serien wie der »Tatort«, »Rosenheim-Cops« oder »Navy CIS« nicht so lange im Fernsehen halten. Doch auf Dauer nur diese Sendungen zu konsumieren, wird langweilig. Wer also genug von SOKO irgendwas hat, der ist mit der »Commissario Montalbano«-Serie gut beholfen – und weiß danach auch, dass es nicht immer reine Methoden braucht, um kriminalistische Fälle zu lösen.

von Yvonne Mikschl

Um was geht es?

Wir befinden uns in der (fiktiven) sizilianischen Küstenstadt Vigàta. Dessen Kommissariat ist das Herrschaftsgebiet und der Arbeitsplatz von Commissario Salvo Montalbano (Luca Zingaretti), einem Mann Mitte 40. Seine Leidenschaften: Literatur sowie die sizilianische Küche. Und eine Schwäche für schöne Frauen. Trotzdem ist er in einer Fernbeziehung mit seiner Dauerverlobten Livia Burlando (Katharina Böhm).

Der Commissario löst (meist) zusammen mit seinem Team, bestehend aus seinem Vize Mimì Augello (Cesare Bocci) und Lieblingsmitarbeiter Giuseppe Fazio (Peppino Mazzotta), wie bei Krimiserien üblich Mordfälle oder klärt Überfälle und Verschwinden auf. Auffallend neben Salvos Natur, die durchaus als »es ist kompliziert« zu beschreiben wäre, ist sein Gespür für Zusammenhänge, die ihm die Lösung in komplexen Fällen ermöglichen, und sein teilweise unkonventionelles Vorgehen.

Basis, Soundtrack und Besetzung

Die Idee und Geschichten entstammen nicht dem Regisseur Alberto Sironi oder eines Drehbuchautorenteams, wie man* es erwarten könnte. Der italienische Autor Andrea Camilleri, der 2019 in Rom verstorben ist, schrieb den ersten Band der Reihe mit dem Titel »La forma dell’acqua« (»Die Form des Wassers«) bereits 1994. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Regie und Buchautor ist nicht von der Hand zu weisen: Die Bücher sind bis auf wenige Ausnahmen komplett filmisch umgesetzt worden. So erklärt sich neben den sieben Staffeln auch die Folgenlänge von ungefähr eineinhalb Stunden.

Franco Piersantis Soundtrack setzt auf die klassische Streicherbesetzung, die es durchaus schafft, die Spannung auch in musikalischer Form umzusetzen – hinzugefügt wurde nur ein Xylofon, dessen Einsatz den italienischen Charme der Serie noch zusätzlich unterstreicht. Der italienische Komponist konnte schon einigen Filmen mit seiner Musik seine Handschrift verleihen. So ist es kein Wunder, dass auch die Musik der Serie überzeugen kann.

Die Besetzung ist nicht hochkarätig. Einzige Ausnahme scheint auf den ersten Blick Katharina Böhm, die im deutschen Fernsehen die Titelfigur in der Serie »Die Chefin« verkörpert, jedoch gehört sie erstens mit acht Folgen nicht unbedingt zur Hauptbesetzung und ist zweitens mit ihrer Rolle als Salvos Dauerverlobte Livia nur für das private Umfeld der Commissarios wichtig. Doch der Blick täuscht: Luca Zingaretti gehört dank seiner schauspielerischen Aktion zu den gefragtesten Schauspielern Italiens und feierte mit der Serie seinen Durchbruch. Streamingfans dürfte Zingaretti übrigens im 2020 erschienenen Film »Die unglaubliche Geschichte der Roseninsel« aufgefallen sein.

Typische italienische Elemente inklusive

Kommen wir zurück zum angesprochenen sizilianischen Charme, der die Serie ausmacht. Natürlich spielt auch das Meer dabei eine Rolle: Nicht nur da es zum Morgenritual des Salvo Montalbano gehört, eine Runde schwimmen zu gehen, sondern auch weil das Haus des Kommissars direkt am Strand liegt. Auch kulinarisch lässt Italien grüßen – ob beim Mittagessen in Salvos Lieblingsrestaurant mit Meeresfrüchten und Fisch oder die Pasta zuhause. Die Naturaufnahmen sind übrigens im Osten der Mittelmeerinsel entstanden.

Die Fälle sind hingegen vielfältig und die Serie traut sich zu, Probleme im italienischen Staat anzusprechen. Dazu zählen neben Mafiakriegen, ausgelöst durch einzelne Morde, auch Politikerbestechung. Diese sind längst schon altbekannt, doch das Thema Immigration ist besonders seit der Flüchtlingskrise 2015 aus den Nachrichten schon nicht mehr weg zu denken. So ist es kein Wunder, dass illegale Einwanderer hier ebenso eine Rolle spielen wie die Prostitution oder Drogenhandel – trotz des Alters.

Persönliches Fazit

»Commissario Montalbano« ist eine Serie, die in manchen Teilen etwas langatmig erscheint, jedoch durch den sizilianischen Charme und die agierenden Persönlichkeiten sich deutlich von den deutschen Produktionen unterscheidet. Der Humor der Serie wird durch Salvo Montalbanos Persönlichkeit und seines Ermittlerumfelds noch zusätzlich unterstrichen. Empfehlenswert für jeden, der den »Tatort« zu langweilig und amerikanische Krimiserien zu brutal findet.

Ein kleiner Vorgeschmack:

In einer Folge träumt Commissario Montalbano von seiner eigenen Beerdigung – im Kommissariat (Italienisch mit englischen Untertiteln)

Beitragsbild: MamE

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