G’sichter hinter der Regensburger Gastro: Die Couch

Toby ist der Inhaber des Cafés Die Couch. Mit seinem individuellen, einladenden Charme, getreu dem Motto »Kaffee und Kanapee«, zählt seine Bar definitiv als Herzstück Regensburgs. Kaum auszudenken wäre eine Altstadt ohne Die Couch

von Verena Gerbl

Wer schon etwas länger in Regensburg zu Hause ist, kennt auch noch Tobys ehemaliges Zweit-Café, das Sofa, damals dort zu finden, wo heute das Mira ist. Das Sofa musste vor drei Jahren dann aber aus privaten Gründen schließen. Die Geburt seiner drei Kinder und auch sein Hauptberuf als Graphiker zwangen Toby dazu, beruflich ein wenig kürzer zu treten. Die Konzepte beider Bars ähnelten sich aber stark: Gemütliche Retro-Sessel angeordnet in Sitzgruppen laden super zum Verweilen bei einem Bierchen unter FreundInnen ein. Ein sehr individueller Stil, den es sonst im gastronomisch eher »altbackenen Regensburg« kein zweites Mal gibt. 

Diese »eingestaubte Denkweise« ist Tobys großer Kritikpunkt an der Regensburger Stadtverwaltung: »Die strengen Richtlinien schränken uns als GastronomInnen stark ein. Es kann nicht sein, dass alle Kneipen dieselben Stühle für die Außensitzbereiche verwenden müssen. Zum Glück weht seit kurzem ein neuer Wind im Rathaus. Bürgermeisterin Frau Maltz-Schwarzfischer hört sich unsere Sorgen als GastronomInnen an und wirkt sehr offen.« 

Vielleicht konnten zudem die Demonstrationen am Haid-Platz den Beamtenstaub ein wenig lüften: Für Toby besteht nämlich kein Zweifel daran, dass vor allem die Gastronomie ein systemrelevantes Gewerbe für die Stadt ist. »Regensburg lebt von den TouristInnen. Durch die Corona-Pandemie werden nun Existenzen bedroht. Viele Kneipen werden von Familien geführt und befinden sich seit Wochen in einem gefährlichen Leerlauf. Die komplette Schließung der Lokale war eine Zerreißprobe für uns und wird es die kommenden Monate noch verstärkt bleiben. Vor allem da mögliche finanzielle Hilfen von Seiten der Stadtverwaltung oftmals noch in der Schwebe stehen.« 

 

»Unter uns GastronomInnen schafft Corona sehr viel Zusammenhalt«

Toby, Innhaber des Cafés Die Couch

 

Neben all den Strapazen, denen sich unsere GastronomInnen momentan stellen müssen, hat Corona aber auch eine positive Seite: Viele KneipenbesitzerInnen aus Regensburg schließen sich zusammen und unterstützen sich. Sie wollen mehr Aufmerksamkeit für ihre Anliegen schaffen. Dafür kämpfen sie gemeinsam für ihre Rechte vor der Stadtverwaltung. Von dieser fühlen sie sich nämlich trotz aller Zugeständnisse noch ziemlich vernachlässigt. Vielleicht zeigt die Stadt in Zukunft dann mehr Wertschätzung gegenüber ihrer Gastronomie. Ohne Bars, Kneipen und Hotels sähe die Fußgängerzone zumindest ziemlich leer aus und würde bedeutend weniger TouristInnen anlocken.

Da Hoffen alleine aber bekanntlich nicht viel hilft, hatte Toby zusammen mit seinen MitarbeiterInnen noch eine zusätzliche Idee, um die Corona-verkümmerten Einkünfte aufzupolieren: Ab sofort kann man sich nämlich neben Kaffee-Köstlichkeiten und alkoholischen Schmankerln auch noch super-schicke T-Shirts zum studentenfreundlichen Preis von 20 Euro im Café besorgen. Die werden schon jetzt mit Begeisterung von der Kundschaft getragen. Also: Schnell zugreifen, wer noch keines hat. Nur so lange der Vorrat reicht, versteht sich!  

Wer nicht zu den großen Trend-Settern des Frühlings 2020 zählen möchte, kann Die Couch aber natürlich auch mit seiner reinen Anwesenheit unterstützen. Tobys Appell richtet sich vor allem an uns StudentInnen: »Support your Locals« ist das Motto der Stunde. Also anstatt sich das nächste Mal ein Bier zum Mitnehmen abzuholen und es als Müll an der Donau abzuladen, lieber direkt die Kneipe besuchen und vor allem »mit den Lockerungen mitgehen« anstatt sich verunsichern zu lassen. »Regensburg lebt nun einmal von seinen kleinen Lokalen«, findet Toby. Und auch ich möchte Die Couch als eines meiner Lieblingscafés nach der Corona-Krise nicht missen. 

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