Zwischen Hoffen und Bangen

Die Besetzung des Regensburger Doms schlägt hohe Wellen unter den Regensburger Bürgern. Zwei unserer Redakteure haben sich die Situation vor Ort angesehen und mit den Betroffenen und Helfern gesprochen.


von Helene Dötsch und Wladimir Fuhrmann

13625042_1123562934352160_704265754_nSeit Dienstag leben im Regensburger Domschatz 45 von der Abschiebung bedrohte Geflüchtete. Die Kirche dient als sichere Zwischenstation, da die Polizei hier nicht eingreift – eine unausgesprochene Vereinbarung. Die Familien kommen aus Asylheimen in Regensburg, Ingolstadt und Ulm. Die meisten kommen aus dem Westbalkan und haben sich zusammengefunden, um sich vor der Abschiebung ins eigene, unsichere Land zu schützen. Mehrere Organisationen und auch einzelne Helfer unterstützen die Menschen vor Ort. Die Zwischenzeit wird für Verhandlungen und rechtliche Einsprüche gegen die eigene Abschiebung genutzt.

Albana ist eine der Betroffenen. Wir haben uns mit ihr unterhalten und nach Gründen, Sorgen und Wünschen gefragt:

Albana spricht fließendes Deutsch, sie vermittelt zwischen Helfern, Geflüchteten und politischen Instanzen. Die 27-jährige ist schon einmal abgeschoben worden – die in Deutschland Geborene wurde bereits im Alter von zwölf Jahren in den Kosovo zurückgeschickt. Zwar hat sie ihre Kindheit und einen Teil ihrer Jugend hier verbracht – doch ihre Familie erhielt damals kein permanentes Bleiberecht, so dass sie Deutschland verlassen musste.

Da ihr Mann im Kosovo durch die Volksarmee verfolgt wurde, unternahm die junge Frau mit ihren drei Kindern und ihrem Ehemann einen erneuten Fluchtversuch. Das war nun vor 16 Monaten. Vor ein paar Wochen kam dann das Rechtsurteil: der Kosovo ist ein sicheres Herkunftsland, es gibt keine Möglichkeit  auf Asyl. Die Suche nach Schutz in der Kirche war die letzte Möglichkeit für die junge Familie hier zu bleiben. Denn Albana will nicht zurück: »Der Kosovo ist kein sicheres Herkunftsland. Jeder weiß es, doch keiner hier will es öffentlich aussprechen. Wo man verfolgt wird, wo einem mit der Todesstrafe gedroht wird, das kann nicht sicher sein.« Albanas größte Wünsche sind eine medizinische Versorgung und eine schulische Ausbildung für ihre Kinder. Viele der Domflüchtlinge sind aus gesundheitlichen Gründen hier, denn in ihren Herkunftsländern gibt es nur teilweise oder sehr teure medizinische Hilfe. Unter den Geflüchteten sind etwa 20 Kinder – Kinder, die seit mehreren Monaten in Deutschland leben aber nicht einmal die deutsche Schule besuchen dürfen.
Trotzdem können viele Deutsch, Albana hat ihre Kinder schon immer zweisprachig erzogen.  

Dass das Ganze nur eine Zwischenlösung darstellt, ist den Beteiligten bewusst. »Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass unsere Herkunftsländer nicht sicher sind und dass wir Schutz suchen und das mit allen Mitteln der Öffentlichkeit zeigen möchten.« Mit der Protestaktion soll vor allem auf die problematische Lage der Abzuschiebenden aufmerksam gemacht werden. Was danach passiert, ist ungewiss. Die Menschen hoffen auf eine zweite Verhandlung – bis dahin wird noch eine lange Diskussion geführt werden müssen, doch sie geben die Hoffnung nicht auf.

Es ist jede Hilfe willkommen, ob Nahrung, ein Ohr zum Zuhören oder Spielzeug: Jede Kleinigkeit kann ein paar Gesichter zum Strahlen bringen!

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Menschen statt Grenzen schützen!

Fotos: Wladimir Fuhrmann und Helene Dötsch

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