Bildung für alle – aber nicht für jeden

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“ (John F. Kennedy)
Passend zu diesem Zitat hat die Universitätsleitung der Universität Regensburg zur sogenannten „Testphase“ einen Auslagenersatz für Sprachkurse eingeführt, die vom Zentrum für Sprache und Kommunikation angeboten werden. Das heißt, ab kommendem Semester ist es nicht die Landesregierung Bayern, die einen Teil der freiwilligen Fremdsprachenausbildung finanziert, sondern der Studierende selbst.

Der Auslagenersatz stand vor allem öffentlich in der Kritik, da er keine Rücksicht auf Studierende oder Härtefälle nimmt, die sozial benachteiligt sind und die Gebühr nicht bezahlen können. Auf diesen Vorwurf hin teilte die Universitätsleitung der Presse mit, es werde eine Härtefallregelung eingeführt werden; diese wird momentan jedoch noch ausgearbeitet.

Das neue, noch unvollständige Konzept stellt ein Exempel für die Kompetenz der Verantwortlichen dar – eine Universitätsleitung hat vor allem die Aufgabe, Verantwortung gegenüber den Studierenden zu übernehmen und sollte darauf verzichten, Entwürfe vorzustellen, die noch lange nicht zu Ende gedacht scheinen.

Doch nicht nur sozial schwächer gestellte Studenten könnte der Auslagenersatz künftig von einer fremdsprachlichen Ausbildung abschrecken. Vor allem Studierende, die nicht verpflichtet sind, Fremdsprachenkurse zu belegen, werden es sich künftig genauer überlegen, ob sie das Kursangebot wirklich in Anspruch nehmen.

Da Sprachkurse beziehungsweise eine fremdsprachliche Ausbildung nicht obligatorisch sind, ließe sich natürlich argumentieren, dass jeder selbst entscheiden kann, ob er für eine solche Ausbildung in den Geldbeutel greifen möchte. Wer jedoch ein UNIcert absolvieren muss, um Zulassungsvoraussetzungen für bestimmte weiterführende Studiengänge erfüllen zu können, muss die Gebühren nun aufbringen, ob er will oder nicht.

Weiterhin klagen viele Studenten schon lange über veraltete Lehrmethoden und Materialien, über eine hohe Diskrepanz zwischen dem Niveau des Lehrinhaltes und dem der Veranstaltungsprüfung – dafür künftig also bezahlen? Die Veränderung könnte in diesem Fall beide Seiten betreffen: Für eine verbesserte Organisation und verbesserte Ausrichtung der Kurse wäre das Geld noch nachvollziehbar investiert.

Die aktuelle Lösung verspricht jedoch nur eine einseitige Veränderung – zu Lasten der Studierenden. Der Auslagenersatz-Beschluss lässt teilweise sogar vermuten, die Universität beabsichtige, dass viele Studierende künftig nicht mehr auf das Angebot der SFA zurückkommen, um daraufhin das gesamte Angebot zu reduzieren und Geld zu sparen.

Insgesamt ist es eine negative Entwicklung für die Universität und den Freistaat Bayern als Verantwortliche für universitäre Förderung und frei zugängliche Bildung. Wurden kürzlich erst die Studiengebühren abgeschafft, versucht man das nun fehlende Geld unter anderen Namen (wie dem Auslagenersatz) einzutreiben. Für viele Studierende hinterlässt das jedoch nicht nur ein Loch im Geldbeutel, sondern auch einen bitteren Beigeschmack. Der Auslagenersatz betrifft vorerst nur das Fremdsprachen-Kursangebot; doch läge nicht die Vermutung nahe, dass künftig auch Kurse anderer Zusatzausbildungen zahlungspflichtig werden?

Bildung wird als unser höchstes Gut angesehen, täglich werden wir daran erinnert, die Zukunft Deutschlands zu sein; trotzdem setzt die Politik ihre Prioritäten wohl wo anderes als bei der fairen Gestaltung ihrer sogenannten Zukunft. Dem Student von heute wird oft vorgeworfen, sich unzulänglich weiterzubilden. Maßnahmen wie der Auslagenersatz verschärfen dieses Dilemma. Zwei Drittel aller Studierenden müssen ihr Studium unter anderem durch einen Nebenjob finanzieren – mit solch zusätzlich anfallenden Posten (wie den zahlpflichtigen Sprachkursen) verbringen wir Studierenden bald noch mehr Zeit hinter der Theke als in der Bibliothek oder im weiterbildenden Spanisch-Kurs.

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