Linear ist fad

Das Debüt-Album der Regensburger Mundart-Pop-Band Fuadadeimuada lässt mit harschem Gitarren-Gegniedel und atemlosen Genre-Hopping Symptome eines ausgewachsenen Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms durchblitzen.

fuadadeimuada

Lineares ist fad, toll ist das Gegensätzliche: Wie ein Mantra liest sich dieses Resümee, das wir bereits vor einem Jahr aus unserer Begegnung mit den Regensburgern von Fuadadeimuada ziehen konnten. Damals veröffentlichte die Band gerade ihre erste EP „Koa Strand“. An der Idee änderte sich bis heute wenig und so ist es kaum verwunderlich, dass auch das Debüt der Band, das am 25. April 2013 erscheint, wie die Allegorie eines ADHS-Kandidaten mit zusätzlicher Hyperaktivität daher kommt.

Mit mal schelmisch-spitzbübischen Na-Na-Na-Chören in der schmissigen Rock-Nummer „Sie existiert ned“, einem mal Surfrock’schen Nichtstun-Commercial in „Cola“ oder der halb-soften Pop-Rock-Nummer „Sooner oder Later“ zelebriert die Band das Chaos. Im metallastigen „Bua geh ned in’d Schui“ wird sogar ein gefakter Radio-Beitrag-eingespielt. Das ist so vielleicht durch Falkos weirden Song „Jeanny“ oder Queens Of The Stone Ages Konzeptalbum „Songs For The Deaf“ bekannt – nur dass Fuadadeimuadas Debüt im Gegensatz zu Josh Hommes grandioser Bagage scheinbar gar kein Leitkonzept hat.

Bayernhymne auf Englisch

Das wird klanglich pointiert mit einer Mixtur, die irgendwo zwischen Grunge-, Calypso- und lockerem Surf-Sound, dem Lebensgefühl der Spider Murphy Gang und dem exzessiven Overdrive-Gebrauch ála Soundgarden und üblicher Verdächtiger anzusiedeln ist. Dabei kokettiert die Band hier – oft in ein und demselben Song – mit verschiedenen Vortragssprachen. Freilich wird zumeist mit bayerischer Mundart geliebäugelt, das verrät bereits der Bandname; dennoch sind die Musiker auch der englischen und spanischen Sprache nicht abgeneigt. Und ausgerechnet der Song „The Bottomless Blue“, ein mit eilig treibenden, dumpfen Gitarren-Akkorden gepimptes Remake Konrad Max Kunzs Bayernhymne, ist auf Englisch vorgetragen. Hm.

fuadadeimuada-album
Art Work des Albumcovers

Es ist gerade dieser Clue der Planlosigkeit, mit dem die Band bewusst hausieren geht und der sie so sympathisch macht. Die fünf Musiker schreiben sich das Wort „Vergnügungssucht“ auf die Fahne (oder Flagge, wenn man nach dem Art Work geht) und entschuldigen sich für ihren mangelnden Fokus auf, nun ja, irgendetwas vorab. Der Spaß suchenden Gesellschaft, zu der sich die Musiker vermutlich auch selbst zählen, wird somit gegeben, was sie verlangt. Mit einer Homebase in einer Studentenstadt wie Regensburg finden sich die richtigen Rezipienten. „Die Freuden des Verzichts“ könnte sich mit den Zeilen „I hob an 5 Euro Haarschnitt und a Loch im Bauch und i überleg, wos i ois Nächstes verkauf“ gar zum salonfähigen Soundtrack der Studenten- oder Musikerschaft mausern.

Eine letzte Sache darf jedoch nicht außen vor gelassen werden. Hinter dem vermeintlich heillosen Durcheinander verbergen sich sauberes Gitarren– und Schlagzeugspiel, fünf talentierte Musiker und mit Markus Beer ein geeigneter Bandkopf und Chef-Songschreiber, wenn auch nicht Leadsänger. Den Part übernimmt neben Beer und Andreas Januschke doch am häufigsten der stimmlich ausdrucksstarke Sebastian Kretz.

Dank dieser Mischung aus Technik, Galgenhumor, fantastischen Spinnereien und teils doch deprimierender Themenfindung sind die Titel immer eins: in all ihrer Ironie tanz- oder schunkelbar. Vielleicht hätte man hier doch noch einen Leitfaden gefunden.

Fuadadeimuada erfüllen ihre eigenen Ansprüche, den der tollen Gegensätze und den der Unterhaltung, am Ende also tatsächlich. Es wäre jedoch ratsam für den Zuhörer, in Zerstreuungslaune zu sein.

Fuadadeimuada hören?

Auf der Webseite von Fuadadeimuada kann man sich ab Donnerstag das Album als Stream anhören.

Fuadadeimuada live?

Die Band präsentiert ihr Debüt am 25. April im Regensburger W1.

Text: Cathrin Schmiegel

Foto: Julia Pellizzari

Illustration: Fuadadeimuada

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