Am Dienstag im Studikino | Begabt

 

Sollte man einem Kind ermöglichen, seine Fähigkeiten zu nutzen und weiterzuentwickeln – gerade wenn es große Freude dabei verspürt? Oder ist doch eine »normale« Kindheit das Beste? Ein Filmdrama von Regisseur Mark Webb.

von Jana Arnold

Die siebenjährige Mary steht im Mittelpunkt eines Interessenkonflikts zwischen ihrem Onkel und ihrer Großmutter. Mary ist hochbegabt und hat das Faible für Mathematik ihrer Mutter geerbt. Doch diese hielt dem Druck nicht stand und nahm sich kurz nach Marys Geburt das Leben, welche daraufhin bei ihrem Onkel Frank aufwächst.

Frank, selbst ehemaliger Philosophieprofessor, wünscht sich für seine Nichte ein normales Leben, jenseits von Geniewahn und Leistungsdruck. Großmutter Evelyn hat jedoch andere Pläne für Mary. Sie soll ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden und eine Schule für Hochbegabte besuchen. Es beginnt ein Streit um das Sorgerecht.

Während diesem scheinen die Sympathien klar verteilt zu sein. Es ist deutlich wie sehr Mary ihren Onkel liebt und bei ihm leben möchte. Dem gegenüber steht die steife Großmutter, für die die Karriere über allem zu stehen scheint. Gleichzeitig steht jedoch die Grundsatzfrage im Raum, was für das Mädchen das Richtige ist. Sollte man einem Kind nicht ermöglichen, seine Fähigkeiten zu nutzen und weiterzuentwickeln – gerade wenn es große Freude dabei verspürt? Oder ist doch eine »normale« Kindheit das Beste?

Regisseur Marc Webb gelingt es, ein schwieriges Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten und regt auch zum kritischen Hinterfragen an. Durch den Wechsel von amüsanten Szenen und traurigen Episoden fesselt und berührt der Film den Zuschauer. Auch die einzelnen Charaktere mit ihren individuellen Hintergründen machen die Handlung greifbar. Sei es das eigensinnige kleine Mädchen, das seinen Platz zwischen kindlichem Spielen und hoher Mathematik sucht, dem liebenswerten, durch die Vergangenheit gezeichneten Onkel oder der ehrgeizigen Großmutter, welche sich für Tochter und Enkelin das wünscht, was ihr selbst verwehrt blieb.

Fazit: Ein Film, der den Zuschauer mit einem guten Gefühl zurücklässt und gleichzeitig zum Denken anregt.

 

Das Studikino zeigt »Ghost in the Shell« am Dienstag, 23.01.2018, ab 20 Uhr im Hörsaal H16 (Wirtschaftsgebäude).

Grafik: Anna Jopp

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