Feminis:muss Frauen an die Führung!?

Feminis:muss Frauen an die Führung!?

2020 waren in Deutschland nur 28 Prozent der Führungskräfte weiblich; so das Statistische Bundesamt. Nicht überraschend ist die Quote der Frauen in Führungspositionen in skandinavischen Ländern wie Lettland (47 Prozent) oder Schweden (42 Prozent). Aber sogar das nicht gerade für seine feministische Regierung bekannte Polen (44 Prozent) ist da schon um einiges weiter, was die Emanzipation in der Arbeitswelt angeht. Verglichen mit anderen EU-Staaten liegt Deutschland bezüglich der Anzahl an Frauen in Führungspositionen im unteren Drittel. Das man hier keinesfalls von vollendeter Gleichberechtigung sprechen kann, ist glasklar. 

ein Gästinnenbeitrag von Pauline Fell

Es ist noch immer so, dass die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf Frauen daran hindert, sich vollkommen auf ihre Karriere zu konzentrieren. (Wobei frau, die sich gegen eigene Kinder entscheidet, deswegen natürlich nicht als Ausgleich ehrgeizig in ihrem Berufsleben sein muss.)


Unsere derzeitige Außenministerin Annalena Baerbock war mal erfolgreiche Trampolinspringerin, hat ein abgeschlossenes Studium und ist schon seit Jahren Grünen-Politikerin. Als sie sich 2021 als Kanzlerkandidatin aufstellen ließ, stellten sich viele jedoch nur folgende Frage: Wie kann eine Mutter von zwei jungen Kindern gleichzeitig Spitzenpolitikerin sein? So jemand muss doch eine herzlose Rabenmutter sein – so unterschwellig der Vorwurf. Ich bin mir sicher, bei einem männlichen Kandidaten in derselben familiären Situation wäre das für die Öffentlichkeit nie Thema gewesen.


Damit die Zahl der Frauen, die in Unternehmungsführungen sitzen, steigt, muss sich noch einiges an der politischen Situation und unserer Denkweise ändern. In letzter Zeit stoße ich zunehmend auf Artikel, die für Betriebe sogar Vorteile darin sehen, einen höheren Anteil an Frauen in der Führungsetage zu haben. So absolvieren beispielsweise in einigen europäischen Ländern inzwischen mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss, sie sind somit gut, ja, sogar besser ausgebildet. Erstmal auf eine leitende Position zu kommen, ist für Arbeitnehmerinnen wesentlich hürdenreicher. Eine Frau, die die berühmt-berüchtigte gläserne Decke durchbricht, muss folglich mindestens genauso qualifiziert für die Führungsposition sein, wie ihre männlichen Kollegen. Befragungen in Unternehmen vor und während der Pandemie zeigten, dass Frauen gerade in Krisen als die besseren Führungskräfte angesehen werden. Eine in der Harvard Business Review veröffentliche Studie besagte, dass Frauen in den folgenden Führungskompetenzen besser bewertet werden als Männer: Eigeninitiative, Belastbarkeit, Selbstentwicklung, Ergebnisorientierung, Integrität und Ehrlichkeit. Festgestellt wurde allerdings auch eine im Schnitt wesentlich höhere Tendenz zur Selbstkritik bei weiblichen Führungskräften, während die männlichen Kollegen ihre Kenntnisse und Leistungen eher überschätzen. Und oft gelten Frauen ganz einfach als empathischer und kollegialer, was zu weniger Konflikten und höherer Arbeitsmotivation führt. Es mag ein Klischee sein, aber häufig stellen Frauen in leitenden Positionen ihr Ego auch einfach mal nicht an erste Stelle und konzentrieren sich wirklich auf ihre Arbeit: ein Team zu führen.


Bei der ganzen Thematik stellt sich die in den Gender Studies altbekannte Frage, ob Frauen denn nun wirklich an sich rein biologisch anders ticken als Männer oder ob die Unterschiede im Verhalten nur aufgrund von sozialen Prägungen entstanden sind. Sind Frauen wirklich die besseren Führungskräfte oder handelt es sich nur um typische Rollenzuschreibungen? Das lässt sich auf die Schnelle nicht beantworten. Ausprobieren sollte man es auf jeden Fall.

Beitragsbild: © Annie Spratt | Unsplash

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