Feminis:muss: Wo ist Peng Shuai?

Feminis:muss: Wo ist Peng Shuai?

Die Olympischen Winterspiele in Peking sind in vollem Gange. Doch neben den zahlreichen Kritiken am Austragungsland China aufgrund seiner Menschenrechtsverletzungen und der alles andere als nachhaltigen Bauweise für die Spiele, steht ein Thema aktuell weniger im Fokus: die Tennisspielerin Peng Shuai. Aus diesem Grund: ein Gedicht.

von Julian Bichler

Wo ist Peng Shuai?, hieß es wochenlang,

durch alle Kontinente die Frage sich drang.

Hier ist sie: An den Fäden der großen Hand.

Die Fäden an ihrem Rücken sind festgespannt.

Die Wirbel sich krümmen und biegen und beugen,

von den Übergriffen auf sie gebe es keine Zeugen.

Die Marionette soll werden viel kleiner und kleiner,

dann geht es den Obersten im Land schnell viel feiner.

Wo ist Peng Shuai?, hieß es tagelang,

durch die meisten Länder die Frage sich drang.

Hier ist sie: An den Fäden der großen Hand.

Die Fäden an ihren Händen sind festgespannt.

Die knöchernen Finger liegen am Körper so an,

dass nichts von der Gestik nach außen dringen kann.

Die Marionette soll still sich verhalten, zeigen auf keinen,

die Vorwürfe an ihm tunlichst verneinen.

Wo ist Peng Shuai?, hieß es stundenlang,

durch viele Bezirke die Frage sich drang.

Hier ist sie: An den Fäden der großen Hand.

Die Fäden an ihren Füßen sind festgespannt.

Sie gleitet die Schritte gekonnt tänzelnd zurück,

die Tat an ihr bleibt nur als Erinnerungsstück.

So als wäre nichts gewesen, schlängelt die Marionette hinfort.

Alles nimmt weiter seinen gewohnten Lauf an diesem Ort.

Wo ist Peng Shuai?, hieß es minutenlang,

durch ein Paar Städte die Frage sich drang.

Hier ist sie: An den Fäden der großen Hand.

Die Fäden an ihrem Kopf sind festgespannt.

Die Marionette blickt vermeintlich ahnungslos zur Seit´,

will plötzlich nichts gesagt haben von dem ihr angetanen Leid,

soll wegschauen von der begangenen Schand´,

sie ist gewiss kein einsames Kind in diesem Land.

Wo ist Peng Shuai?, hieß es sekundenlang,

durch wenige Dörfer die Frage sich drang.

Hier ist sie: An den Fäden der großen Hand.

Die Fäden an ihrem Mund sind festgespannt.

Die Lippen der Marionette stark aneinandergepresst,

Hauptsache die Außenwelt ist von den Vorwürfen ungestresst.

Soll Lächeln in Interviews, in die man sie gesteckt,

soll halten sich mit Kritik am System verdeckt.

Wo ist Peng Shuai?, die Stimmen, sie ruh´n.

Wo sind sie nun?

Beitragsbild: ©Agni11 | Unsplash

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