Wohnsinn-Kolume: Nachts, halb drei in Kumpfmühl

Wohnsinn-Kolume: Nachts, halb drei in Kumpfmühl

Da liegt man einer schönen, ruhigen Nachts in seinem Bett, freut sich auf einen erholsamen Schlaf nach einer anstrengenden Woche und denkt sich nichts böses. Bis es plötzlich an der Haustür poltert. Turns out: Besagte Nacht wurde zu einer der schlechtesten seit langem, lieferte dafür aber auch Stoff für spannende Erzählungen am WG-Frühstückstisch. Und für diesen Wohnsinn.

von Lotte Nachtmann

Wieder einmal trug sich die folgende Geschichte nicht in meiner WG, sondern in der meines Freundes zu, der mit seinen Mitbewohner:innen in einem ziemlich coolen Haus in Kumpfmühl lebt. In dieser eingangs erwähnten Nacht von Freitag auf Samstag war alles ruhig im Haus; alle waren ausgeflogen; und auch mein Freund und ich kamen erst sehr spät vom Bouldern. Mit müden Körpern und geschundenen Händen fielen wir ins Bett. Obwohl ich einfach nur noch schlafen wollte, tauchten in meinen Gedanken doch immer wieder die Boulder auf, die ich vor einer Stunde noch verzweifelt versucht hatte zu toppen. Der Start in die Nacht war also schon einmal semi-erfolgreich. 

Nach langem Hin- und Herwälzen musste ich allerdings doch eingeschlafen sein, denn gegen halb drei riss mich ein energisches Sturmklingeln aus dem gerade erst gewonnenen Schlaf. Mein Freund und ich schreckten völlig verwirrt auf: »Wer zur Hölle klingelt denn um diese Uhrzeit Sturm? Ein Klingelstreich? Hatte die Mitbewohnerin ihren Schlüssel vergessen?« Ziemlich schnell machte die fragende Verwirrung jedoch nervöser Unruhe Platz. Denn der:die Unbekannte vor der Haustür fing an, sich am Schloss zu schaffen zu machen. Es polterte und kratzte. Die erste Vermutung: Ein:e Einbrecher:in! Naheliegend: Kumpfmühl ist beliebt für Hauseinbrüche. Die Autobahn ist nah und in der Nachbarschaft stehen so einige Hütten rum, in denen keine WGs, sondern Anwälte und Architektinnen wohnen. 

Aber welche:r Einbrecher:in ist so doof, sich direkt nach dem Klingelcheck am Schloss zu schaffen zu machen, ohne abzuwarten, ob jemensch zu Hause ist? Und noch dazu in dieser Lautstärke. Ein Schloss aufzubrechen, ist ja normalerweise ein recht feinfühliges und vor allem leises Unternehmen. Während diese Gedanken durch unsere Köpfe tapperten, suchte mein Freund geistesgegenwärtig sein Pfefferspray (das natürlich nie zum Einsatz kommen soll, sondern eher zur persönlichen Beruhigung da ist). Damit »bewaffnet« schlich er sich in den Hausflur, um der Sache nachzugehen. Ich blieb am Fenster, das zur Straße rausgeht, um zu spähen, ob eine verdächtige Person wegläuft. Mein Freund fragte derweil, wer denn da sein. Der Verdacht auf eine:n Einbrecher:in war dann eigentlich in dem Moment endgültig aus dem Möglichkeitsspektrum gestrichen, als der Mann vor der Tür einen Vornamen stammelte. Währenddessen wurde aber kräftig weitergepoltert. Auf die Frage meines Freundes »Und weiter?« kam dann nichts mehr. 

Also beschlossen wir, durch den Hintereingang rauszugehen, um nachzuschauen, wer dort ist. Mittlerweile waren wir der Überzeugung, dass irgendein Besoffener wohl die Haustür verwechselt haben muss. Aber sicher ist sicher. Da unser bisheriger Einsatz in Unterhosen stattgefunden hatte, musste wir uns allerdings erst einmal etwas überziehen. Halbwegs bekleidet schlich sich mein Freund raus; ich sollte die Stellung am Eingang halten. Als mein Freund in meinen Augen viel zu lange nicht zurückgekommen war, eilte ich ihm nach und wir trafen uns vorne an der Straße, wo er natürlich keinen Menschen mehr angetroffen hatte. »Komisch,« dachten wir, »wir waren doch so schnell draußen.« Aber vermutlich bekommt man in der ungesunden Mischung aus Schlaftrunkenheit und plötzlichem Adrenalin-Kick ein merkwürdiges Verhältnis zu Zeit. 

Sicherheitshalber überprüfte mein Freund auch noch den Garten und später dann auch das ganze Haus. Nicht, dass sich der Typ, als wir auf der Straße standen, ins Haus geschlichen hatten, um uns heimtückisch zu meucheln. Ja, so kranke Gedanken hatten wir alle beide. Nachdem wir sicher gestellt hatten, nicht im zweiten Anlauf Schlaf ermordet zu werden, gingen wir wieder ins Bett. An schnelles Einschlafen war natürlich nicht zu denken nach dieser Aufregung. Aber auch dieses Mal musste uns die Müdigkeit irgendwann übermannt haben. Denn anderthalb Stunden später, schreckte ich wieder aus einem unruhigen und leichten Schlaf auf. Schon wieder hörte ich irgendwas an der Tür, das nicht gerade sehr geschickt klang. »Da ist schon wieder wer an der Tür,« weckte ich meinen Freund. Wieder in Unterhosen und mit Pfefferspray ausgerüstet, schlich er in den Hausflur. Dieses Mal hatte es die Person allerdings ins Haus geschafft. Vorsichtig fragte mein Freund durch die Zwischentür im Flur die Namen seiner Mitbewohner:innen ab. Aber die dieses Mal weibliche Stimme gehörte zu keiner der beiden. Es stellt sich aber glücklicherweise heraus, dass es sich nicht um die Komplizin des Meuchelmöders von vorhin handelte, sondern um die Freundin einer Mitbewohnerin, die schon einmal vorgegangen war.

Erleichtert konnten wir nun endlich schlafen gehen. Die zweite Weckung hatte dann sogar etwas Gutes: Immerhin waren wir nun nicht mehr alleine im Haus und konnten uns seltsame Geräusche erklären. Völlig gerädert klärten wir die Mitbewohnerin und ihre Gästin am nächsten Morgen am Frühstückstisch über den etwas merkwürdigen Auftritt meines Freundes auf. Gut, dass er nicht bin in den Hausflur vorgerückt war. Es wäre schon eine ziemlich merkwürdige Situation gewesen, in einer fremden WG von einem Mann in Unterhosen mit Pfefferspray begrüßt zu werden.

 

Einen hoffentlich ausgeschlafeneren Wohnsinn gibt es dann nächste Woche von Laura.

 

Beitragsbild: Pawel Czerwinski | Unsplash

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