Wohnsinn-Kolumne: Alle Jahre wieder. Oder: Welche Funktion hat der November?

Wohnsinn-Kolumne: Alle Jahre wieder. Oder: Welche Funktion hat der November?

Es gibt nur eine Handvoll Monate im Jahr, die ich so wenig mag wie den November. Die bunten Blätter und die letzten Sonnenstrahlen, die den Oktober so golden gemacht haben, sind verschwunden, stattdessen macht Regensburg seinem Namen alle Ehre. Auch im Dezember, Januar oder Februar ist es nicht besser um das Wetter bestellt. Im Dezember steht aber wenigstens Weihnachten vor der Tür. Den Januar sehe ich durch die rosarote Brille meiner Neujahreseuphorie, und für den Februar spricht immerhin, dass er der kürzeste Monat im Jahr ist.

von Hannah Ickes

Im November dagegen frage ich mich, ob Kürbissuppe schon wieder out und Lebkuchen und Glühwein in sind. Ich bin hin- und hergerissen, ob ich jetzt doch noch meine vier Wände herbstlich dekoriere oder mir die Arbeit spare und noch einen Monat warte, um dann das bisschen Weihnachtsdekoration rauszuholen, das sich irgendwo in den Untiefen meines Schranks befindet. Und ich überlege ständig, ob vielleicht jetzt der passende Zeitpunkt sei, die ersten Weihnachtslieder zu hören, oder ob das die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ich sie schon vor Heiligabend wieder satt habe. Der November ist dieser blöde Monat, den wir immer vergessen, wenn wir an den Herbst denken, der aber in Wahrheit viel authentischer für den Übergang zwischen Sommer und Winter steht. Das einzige Highlight – zumindest lassen mich das die Spotify-Push-Nachrichten der letzten Tage glauben – ist der Spotify-Jahresrückblick. Obwohl es den ja auch erst am Monatsende gibt.

Allerdings ist es eben dieser Jahresrückblick, der mich auf eine Idee gebracht hat, mein Fazit über den November noch einmal zu überdenken. So wie die Playlist, die Spotify mit meinen meistgehörten Liedern erstellt, mich die High– und Lowlights meines Jahres nochmal durchleben lässt und mich zwangsläufig zum Reflektieren über so manche Gefühle und Erlebnisse bringt, so bietet der November mit seiner unaufgeregten und manchmal langweiligen Schlichtheit Raum zum Nachdenken. 

Denn tatsächlich: Wenn ich so darüber nachdenke, ist das Wetter im November zwar bescheiden und der Monat geprägt davon, dass ich meine Liebe für Weihnachten zügeln muss, aber auch irgendwie eine Konstante. Denn in der Regel bin ich im November immer dort, wo ich im Vorjahr war. Es gibt keine Festtage oder Semesterferien, die meinen Freund:innenkreis und mich verstreuen, und keine großen Veränderungen wie die, die meistens im Sommer anstehen. 

Im November bin ich dort, wo ich im Vorjahr war, nur ein bisschen älter und um ein paar Erfahrungen reifer (oder auch nicht). Und so denke ich in meinen grauen, langweiligen November-Routinen an die Hannah von vor einem Jahr und sage mir, dass hast du gut gemacht oder das wirst du in einem Jahr besser gemacht haben. Und das funktioniert (zumindest bei mir) am besten im November. 

 

Nächste Woche gibt es dann wieder einen Wohnsinn von Justine.

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