Wohnsinn-Kolumne: Die kleinen Momente

Wohnsinn-Kolumne: Die kleinen Momente

Bevor ich für mein Auslandssemester nach Frankreich gefahren bin, haben mir alle möglichen Leute, die ebenfalls längere Zeit im Ausland gelebt haben, immer wieder gesagt: »Du wirst so viel lernen!«. Manchmal wurde mir dies enthusiastisch und voller Inbrunst zugerufen, manchmal mit glänzenden Augen und in einem verschwörerischen Tonfall zugeflüstert. Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich habe lange nicht verstanden, worauf all diese Menschen hinauswollten. Sprachkenntnisse? Selbständigkeit? Jedes Detail, das es über die französische Kultur zu wissen gibt? Nach fast drei Monaten in Nizza begreife ich langsam: Es geht um viel, viel mehr.

von Paula Kühn

 

Es geht darum, wie ich mein Leben leben möchte. Darum, wie und wer ich sein will, darum, wie ich die Welt und die Menschen in ihr sehe und mit ihnen umgehe. Zu Hause macht man sich kaum, oder viel zu selten, Gedanken um die Frage, wie man eigentlich sein Leben gestalten möchte. 

Man ist immer ein bisschen gefangen im Alltag, im Trott, hat nicht die Möglichkeit von außen auf alles zu blicken. Gefangen in subjektiver Wahrnehmung, fällt es schwer das große Ganze zu beurteilen. Weit weg jedoch, von all den Menschen und den Orten, die man liebt, gewinnt man den erforderlichen Abstand. 

Natürlich sind die Erkenntnisse, die man daraus zieht, für jede:n komplett anders. Trotzdem würde ich euch gerne kurz erzählen, was für mich das Wichtigste ist, das ich in den letzten drei Monaten gelernt habe, auch wenn das vielleicht wie von zerkratzten Postkarten aus dem Schreibwarenladen um die Ecke klingt:

Es geht darum, jeden einzelnen, noch so kleinen Augenblick, so unbedeutend er auch scheint, in all seinen Einzelheiten zu genießen und wertzuschätzen – denn irgendwie ist doch alles ständig in Veränderung. Im Rückblick sind es doch immer und immer wieder die kleinsten Momente, die dich am glücklichsten machen. Ich versuche also, alles in mich aufzusaugen, egal ob es nur der tägliche Weg zur Uni am Meer entlang ist oder das Konzert in einer verwinkelten Bar mit meinen neuen Freund:innen neben mir, und verankere sie fest in Herz und Kopf. 

Diese kleinen Momente, die trotzdem eine Ewigkeit sind. Die man sich ganz genau einprägen möchte ebenso wie das Gefühl, das man dabei hatte.

 

Wer euch nächste Woche mit einem neuen Wohnsinn versorgt bleibt eine Überraschung 🙂

Beitragsbild: Fuu JUnsplash

 

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