Feminis:muss Ritterlichkeit? – Nein, danke!

Feminis:muss Ritterlichkeit? – Nein, danke!

Das Konzept des ambivalenten Sexismus umfasst die Kombination aus hostilem und benevolentem Sexismus. Was die Begriffe im einzelnen meinen und warum beide Erscheinungsformen problematisch sind, will ich in diesem Artikel erklären. Kurz zusammengefasst kann man sagen: Sexismus äußert sich nicht nur in feindlichen Aussagen, sondern kann sich auch hinter vermeintlich nett gemeinten Komplimenten verstecken. 

von Bianca Wilhelm

Hostiler Sexismus äußert sich durch feindliche Aussagen gegenüber dem anderen Geschlecht. Annahmen, wie zum Beispiel solche, dass alle männlich gelesenen Personen ihre Macht ausnutzen und ihre Stellung im patriarchalen System verteidigen wollen oder, dass weiblich gelesene Personen, die arbeiten, karrieregeil sind und mit Feminismus keine Gleichberechtigung sondern ein matriarchales System schaffen wollen, gehören dazu. In Bezug auf Frauen* greift diese Art von Sexismus vor allem jene an, die sich nicht entsprechend traditioneller Geschlechtervorstellungen verhalten. Vor allem Männer*, die sich durch Macht, Leistung und Härte definieren, sehen hier ihre Männlichkeit bedroht und verteidigen diese durch die Abwertung des anderen Geschlechts. 

Benevolenter Sexismus ist meist nicht so leicht zu entlarven. Er erscheint im Kostüm der Ritterlichkeit und geht häufig mit dem Satz »Das war doch nur nett gemeint!« einher. Wenn man die Metapher mit dem Kostüm weiterspinnen will, so kann der Ritter drei verschiedene Rüstungen tragen, denen jeweils andere Überzeugungen zugrunde liegen. Sein ersteres Kostüm ist verbunden mit der Annahme, dass Männer* Frauen* beschützen müssen und für ihre finanzielle Absicherung zuständig sind. Das zweite äußert sich in positiven Zuschreibungen für Frauen*, wenn diese nur für ihr Geschlecht verwendet werden. Letzteres bezieht sich auf heterosexuelle Beziehungen, bei der Frauen* als dekoratives Accessoire abgewertet werden.

Die Schwierigkeit, den benevolenten Sexismus zu entlarven, ergibt sich dadurch, dass natürlich nicht jede Hilfestellung und jedes Kompliment sexistisch ist. Erst einmal handelt es sich hierbei um Verhaltensweisen unseres sozialen Miteinanders, die durchaus positiv bewertet werden können. Problematisch werden sie erst dann, wenn sie nur für ein Geschlecht gelten. 

Diese Art von Sexismus erfahren häufig Frauen*, die sich entsprechend traditioneller Geschlechtervorstellungen verhalten – somit sei also für jede Art von Frau* ein passender Sexismus gefunden, na toll! Das patriarchale System wird durch die Co-Existenz beider Arten und deren Zusammenspiel weiterhin gestützt und die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern verhindert.

Die Studie »Insidious Dangers of Benevolent Sexism: Consequences for Women’s Performance« von B. Dardenne, M. Dumont und T. Bollier zeigt, warum benevolenter Sexismus nicht zu unterschätzen ist und oft viel mehr als »einfach nur nett« ist. Mithilfe von vier verschiedenen Experimenten fanden sie heraus, dass bei Frauen*, die benevolenten Sexismus erfahren, die kognitive Leistungsfähigkeit abnimmt. Ja, du hast schon richtig gelesen! Das Vorurteil, dass Frauen* nicht so kompetent wie Männer* sind, ruft (unbewusst) Selbstzweifel hervor, welche den kognitiven Verarbeitungsprozess schwächen.

Es wird Zeit, die letzten Reste der Ritterlichkeit in die Tonne zu kloppen. Das heißt ja nicht, dass wir uns keine Komplimente geben dürfen – im Gegenteil – wenn sie nicht sexistisch sind, dann ist ja alles schön und gut.

Beitragsbild: ©Gio Bartlett on Unsplash

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