Feminis:muss: Einfach nur noch ins Bett

Feminis:muss: Einfach nur noch ins Bett

– ein Gastbeitrag von Fenja Siebels

»Was war das denn gestern?«, fragt mich die Freundin, mit der ich im Urlaub bin, beim Aufwachen am nächsten Morgen. Nach einem durchwachsenen Abend im drückend schwülen Florenz machen wir uns völlig geschafft vom Tag auf den Rückweg nach Hause – sprich zum Parkplatz an dem Park, wo wir unseren Bus geparkt haben, mit dem wir unterwegs sind. Zurück in den Öffis lernen wir ein Pärchen kennen und kommen mit ihnen ins Gespräch. Sie steigen an derselben Haltestelle aus wie wir und als wir die gleiche Richtung einschlagen, nutzen wir die Gelegenheit ihnen unser derzeitiges Zuhause zu zeigen. Kurze Zeit später verabschieden wir uns von den beiden und machen uns bettfertig, um in unsere Kissen zu sinken. Beim Zähneputzen hält ein Typ auf einem Fahrrad neben uns, seine Altersklasse entspricht unseren bisherigen Reisebekanntschaften: Ü50, männlich. Er bleibt stehen und stammelt etwas von »beautiful girls«. Als wir ihn höflich bitten zu gehen, bleibt er. Wir beachten ihn einfach erstmal nicht weiter und hoffen, dass unser Desinteresse noch deutlicher wird. Er kommentiert weiterhin unser Äußeres bzw. was wir machen und ringt sich irgendwann zu der Frage »Do you like fucking?« durch. Ich verstehe nicht auf Anhieb, was er gesagt hat. Im Nachhinein weiß ich nicht, ob es an seinem Akzent liegt oder daran, dass die Frage so unverblümt und aus dem Nichts kommt. Als wir realisieren, was er uns gerade gefragt hat, schicken wir ihn lautstark weg. Er geht. Das ungute Gefühl bleibt. So richtig sicher fühlen wir uns in der dunklen Seitenstraße des Parks nicht mehr.

Wie viele Frauen kennen dieses Gefühl der Machtlosigkeit angesichts solcher Situationen? Wie viele Frauen hatten nicht das Glück in dieser Situation einfach wegfahren zu können? 

Wir sind es so leid uns anhören zu müssen, dass es besser wäre, einen Jungen dabei zu haben. Ich denke an meinen ehemaligen Mitbewohner, der eigentlich mitkommen wollte, dann aber doch noch abgesprungen ist. Dabei werde ich den Gedankengang nicht los, dass uns das mit ihm wohl nicht passiert wäre …

Beitragsbild: ©Christina Deravedisian on Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.