Lautstark: Einen Sommer lang nur tanzen mit Fiva

Die Musik von Fiva war ein Zufallsfund für mich. Ich erinnere mich, dass in einem Kinder-Lokal-Magazin vor ewigen Jahren mal ein Interview mit ihr geführt wurde und auch sonst tauchte ihr Name hin und wieder mal irgendwo auf, aber sie ist mir trotzdem lange entgangen. Irgendwann habe ich dann aber mal gelangweilt durch Facebook gescrollt und irgendeinen vom Algorithmus vorgeschlagenen Artikel mit Liedern gefunden, die von München handeln. Einige kannte ich, in andere habe ich mal reingehört und Fivas »Frühling« wurde erstmal meine neue Dauerschleife.

von Franziska Baghestani

Fiva heißt eigentlich Nina und ist Münchnerin. Sie rappt seit über 20 Jahren auf Deutsch und ist auch Moderatorin, u. a. bei ZDF Kultur. Ihr erstes Album »Spiegelschrift« erschien 2002, ihr aktuelles Album »Nina« im letzten Jahr, es gibt Alben mit ihrem Phantomorchester und der Jazzrausch Bigband. Genau heute, einige Stunden nachdem ich diesen Text schreibe, hätte ich eigentlich in einer engen stickigen Konzerthalle mit zu vielen anderen Menschen zu einem Live-Konzert von Fiva getanzt, aber Corona hat ihr einen Strich durch einen Teil ihrer Jubiläumstour und ihrem Publikum durch einen schönen Konzertabend gemacht. 

Wenn ich in den letzten Wochen einkaufen war, irgendwo mit Abstand und Atemmaske anstehen musste und in genervte Gesichter geschaut habe, die die ewig lang wirkende Schlange vor dem Spargelstand gemustert haben, habe ich den zugehörigen Leuten zu den genervten Gesichtern immer die erste Zeile aus Fivas Lied »Einen Sommer lang nur tanzen« auf die Zunge gelegt: »Ich will nicht mehr Schlange steh’n für uns’re Zukunftsangst«. Aber ich habe den Satz immer schnell wieder weggeschoben, denn natürlich ist der Refrain »Ich will einen Sommer lang nur tanzen« viel schöner, das Tanzen wurde uns durch Corona ja nicht genommen.

Was ich an Fivas Musik so gerne mag, sind ihre Texte, die mit Wortspielen arbeiten. Und oft haut sie Zeilen raus, die das in Worte packen, was wahrscheinlich viele von uns auch erleben, aber eben ohne dabei klischeehaft nach Jim Pandzkos Erfolgshit »Menschen Leben Tanzen Welt« zu klingen.
Was ich noch mag, ist, dass sie eine Frau im Hiphop ist, die auf abwechslungsreichen Alben aus ihrem Leben erzählt, immer ein bisschen das, was gerade so aktuell für sie ist. Die Geschlechterrollen verschwimmen vielleicht auch in diesem Genre nach und nach, trotzdem könnten jetzt wahrscheinlich alle von uns aus dem Stand einige sexistische Texte der letzten Jahre aufzählen. Musik kann verbinden, sagt Nina: »Wir sind erst mal alle hier zusammen. Das ist alles unsere Ecke, unsere Stadt, unser Viertel, unser Land, das wir irgendwie cool zusammen hinkriegen müssen.« 
Ihr Song »Wunderland« handelt vom Feminismus, »erwachsen sein und trotzdem Spaß haben ist ihr Credo«, schrieb die tz. Könnte auch ein bisschen das Motto der StudentInnen Deutschlands sein. So wie ihr Text »Abends ungern nüchtern«

Und jetzt in diesem strangen Frühling ist »Einen Sommer lang nur tanzen« in jedem Fall eine ebenso gute Aussicht wie ein Nachholkonzert von Fiva, wenn der ganze Spuk vorbei ist.

 

Beitragsbild: © Instragam – fivaoffiziell

Schreibe einen Kommentar