Am Dienstag im Studikino: »Drei Schritte zu Dir«

Am Dienstag im Studikino: »Drei Schritte zu Dir«

Eine Berührung scheint etwas so Einfaches und Selbstverständliches zu sein, dass man gar nicht weiter darüber nachdenkt – und sie erst vermisst, wenn sie nicht mehr möglich ist.

von Verena Gerbl

So auch in der Romanze »Drei Schritte zu dir« von Justin Baldoni. Für Will und Stella bedeutet die körperliche Annäherung ein immenses Gesundheitsrisiko. Beide sind an der Lungenkrankheit Mukoviszidose erkrankt und müssen daher vier Schritte Abstand voneinander halten, um zu vermeiden, dass das gefährliche Bakterium, das Wills lebensbedrohliche Krankheit mit jedem Tag verschlimmert, nicht auf Stella übergeht. In diesem Fall wäre Stellas Überlebenschance zunichte und ihr Schicksal – das auch in diesem Fall »ein mieser Verräter ist« – besiegelt. Im Laufe des Films beschließt Stella aber, den Sicherheitsabstand auf drei Schritte zu verringern, um dadurch wieder ein Stück Selbstbestimmung in ihrem vom Krankenhaus bestimmten Alltag zurückzuerobern. Diese Entscheidung zieht jedoch Konsequenzen mit sich und am Ende wird natürlich alles noch viel schlimmer, als befürchtet …

Die Handlung erinnert ein wenig an »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«. Thematik, Zielgruppe und sogar der Soundtrack sind sich sehr ähnlich. Wie in der Verfilmung John Greens Roman sind auch hier ein Junge und ein Mädchen von einer lebensbedrohlichen Krankheit betroffen. Sie verlieben sich ineinander, können aber nicht zusammen sein. Trotz dieser ernsthaften Thematik werden die KinobesucherInnen aber nicht nur zu Tränen gerührt, sondern auch durch die charmante und humorvolle Art des Filmes mitgerissen. Im Gegensatz zu »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« liegt hier aber kein Roman zugrunde. Die Verfilmung von »Drei Schritte zu dir« erfolgt lediglich auf Grundlage des Drehbuchs.

Wie in vielen vergleichbaren Figurenkonstellationen gestaltet sich die Annäherung auch hier zunächst noch etwas schwierig. Stella und Will könnten unterschiedlicher nicht sein und müssen sich ihre gegenseitige Sympathie erst noch gewinnen. Will resigniert mit seiner Erkrankung und scheint sein Schicksal sowie sein baldiges Lebensende hinzunehmen. Stella hingegen wartet auf eine Spenderlunge und ist mit ihrem Kontrollzwang und unablässigen Lebenswillen das genaue Gegenteil zu Will.

Es ist wirklich berührend, wie Will versucht, Stellas Herz zu erobern – immer mit dem vorgeschriebenen Abstand natürlich. Und genau dieser Abstand rührt im Verlauf der Geschichte immer wieder zu Tränen – es erscheint unerträglich, wenn Will Stella in den Arm nehmen möchte, um sie zu trösten oder er ihr sagt, wie wunderschön er sie findet, sie aber nicht berühren darf.

Zunächst findet man sich schwer in die Charaktere und die Handlung ein, da das Setting sich lediglich auf das Krankenhaus beschränkt und deswegen wenig Abwechslung in der Dramaturgie möglich ist. Ist die Anfangsphase aber überwunden, wird das Zusammenspiel von Will (Cole Sprouse) und Stella (Haley Lu Richardson) immer dichter und die emotionalen Momente häufen sich. Als Zuschauer ist man teilweise fast dankbar, wenn Will durch seinen Humor die oftmals unerträgliche und angespannte Situation durchbricht. Auch die Nebenrollen mit der resoluten Krankenschwester Barb (Kimberley Herbert Gregory) sowie Stellas bestem, homosexuellen Freund Poe (Moises Arias) tragen zur Auflockerung der schweren Thematik bei und sorgen für den ein oder anderen Lacher.

Der Film ist eine klare Empfehlung für alle, die keine Angst vor großen Gefühlen haben! Natürlich kommt man nicht aus dem Film, ohne wenigsten ein Tränchen verdrückt zu haben. Und es ist wohl die einzige Romanze der Welt, bei der man denkt: Nein, bitte küsst euch nicht!

 

Wie jede Woche beginnt die Vorstellung um 20 Uhr, in H16. Einlass ist bereits ab 19:30 Uhr; der Eintrittspreis beläuft sich wie immer auf erschwingliche 1,50 €, Tränchen inklusive.

 

Beitragsbild von der Website des Studikinos.

 

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