Am Dienstag im Studikino | Packend und ehrlich: Spotlight

Im Jahr 2001 stößt ein Team aus Journalisten des »Boston Globe« auf einen Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche und versucht mit aller Macht die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das mit einem Oscar für den besten Film ausgezeichnete Drama »Spotlight« erzählt von diesem schwierigen Weg, packend und zurückhaltend zugleich.

FilmrezensionMissbrauch innerhalb der katholischen Kirche, ein schwieriges und zugleich erschreckend aktuelles Thema, das schockiert und polarisiert. Kein leichter Stoff für einen Film. Fatal, wenn eine solche Geschichte falsch erzählt wird und umso einprägsamer, wenn man es – wie Tom McCarthy, der Regisseur von Spotlight – richtig anstellt. Der 2015 erschienene Film behandelt den Vorfall von 2001, bei dem 90 Priester in und um Boston über 1000 Kinder und Jugendliche missbrauchten und statt angeklagt zu werden, von der katholischen Kirche kurzerhand einfach in andere Gemeinden versetzt wurden. Spotlight ist keines dieser nach Aufmerksamkeit lechzenden Enthüllungsdramen, sondern stellt die Tatsachen nüchtern und beinahe schon zurückhaltend dar. Keine dramatische Orchester-Musik, die die Gewichtigkeit der einzelnen Szenen unterstreichen soll, stattdessen hört man leises Klavier-Spiel, schlicht und schön, das von den Geschehnissen im Film nicht ablenkt und auch nach dem Abspann noch im Kopf bleibt. Der Film verzichtet außerdem auf eine heldenhafte Darstellung des Spotlight-Teams, sondern legt den Fokus auf ihre journalistische Arbeit – von der aufwendigen, präzisen Recherche zwischen Aktenordnern über Gespräche mit Opfern und Anwälten bis hin zum Druck des Artikels. Dass ein Vorfall wie dieser auch großen Einfluss auf die Journalisten selbst hat und ihre Sicht auf die Kirche als Institution verändert, zeigt McCarthy zum Beispiel mit Sasha Pfeiffer, einer der Journalistinnen des Spotlight-Teams, die anfänglich noch regelmäßig mit ihrer Mutter die Messe besucht, sich dann allerdings mit laufender Recherchearbeit mehr und mehr von der Kirche distanziert. Spotlight entwickelt genau den richtigen Erzählton, nie langatmig und immer ehrlich, zollt den Opfern Respekt und spielt gleichzeitig auf die immense Macht der katholischen Kirche an, die in einer durch und durch katholischen Stadt wie Boston viele Anhänger zählen kann.
Spotlight, das ist investigativer Journalismus von beispielloser Ehrlichkeit, praktiziert von einem Team, das den Fall mit Präzision, Verbissenheit und Sensibilität fast ein Jahr untersucht und damit den Fokus der Öffentlichkeit auf Skandale wie diesen legt und das Ausmaß sowie die Dringlichkeit, sich damit auseinanderzusetzen, zur Sprache bringt.

 

Das Studikino zeigt »Spotlight« am Dienstag, 08. November 2016, ab 20 Uhr im Hörsaal H16 (Wirtschaftsgebäude)

Grafik: Anna Jopp

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