Star Wars VII – Der Zauber der Nostalgie

Da ist er also, der siebte Teil der wohl größten Kinosaga aller Zeiten. Mit geradezu ekstatischer Vorfreude wurde er von den Fans erwartet und mit Vorschusslorbeeren überschüttet wie kein anderer Film der letzten Jahre. Aber wird der Auftakt zu einer neuen Trilogie in einer weit, weit entfernten Galaxis dem Hype wirklich gerecht? Ist »Das Erwachen der Macht« eine würdige Fortsetzung des Epos?

Von Maximilian Stoib

»Chewie, we’re home!« Mit diesen Worten und der gleichzeitigen Einblendung eines seit seinem letzten Auftritt im Krieg der Sterne sichtlich gealterten Harrison Ford als Han Solo an der Seite von Chewbacca endet der zweite Trailer von »Star Wars Episode VII«. Gut ein halbes Jahr ist es her, dass Disney ihn veröffentlicht hat. Die Reaktionen, die in den darauffolgenden Tagen, ähnlich wie schon nach der Veröffentlichung des ersten Trailers,  alle sozialen Medien fluteten, ließen bereits erahnen, dass »Das Erwachen der Macht« nicht einfach nur irgendein Kino-Blockbuster werden würde.

Denn Star Wars war schon immer mehr als nur ein Kino-Franchise: Keine andere Filmreihe hat sich so in der gegenwärtigen Popkultur festgesetzt wie die epische Story um Jedi-Ritter, Sith-Lords, das Imperium und die heldenhafte Rebellion.

Nichts Neues im Kampf zwischen Gut und Böse

Dabei ist Star Wars im Prinzip nichts anderes als der ewige Kampf zwischen Gut und Böse. Auch Episode VII macht hier, so viel sei vorweggenommen, kein neues Fass auf: Mutige Recken müssen etliche Strapazen und weite Reisen auf sich nehmen, sich vermeintlich übermächtigen Schurken entgegenstellen und über sich selbst hinauswachsen bis das Gute am Ende über das Böse triumphieren kann. – Nach diesem Muster funktionierten schon antike Legenden und mittelalterliche Sagen.

Was ist es also, das die Menschen in Scharen in die Kinos strömen lässt, was begeistert sie so an Star Wars? Die Vielfalt und Fülle an Charakteren und fantastischen Schauplätzen oder die Tragik um den jungen Skywalker, der dem Bösen verfällt? Die Macht, diese irgendwie alles und jeden durchdringende Energie, die gleich einer göttlichen Kraft über dem Geschehen steht und doch, um Goethes Faust zu bemühen, »die Welt im Innersten zusammenhält«? – Es lässt sich schwer sagen, was die Magie von Star Wars ausmacht, aber spätestens, wenn man im Kinosessel sitzt, fühlt man sie: Wenn es im Saal endlich dunkel wird, der Vorhang sich öffnet und die Worte »A long time ago in galaxy far, far away…«  zu John Williams legendärer Titelmelodie auf der Leinwand erscheinen, dann steigt die Vorfreude auf die nächsten zwei Stunden bei den Kinogängern unweigerlich in die Höhe.

Freilich, bei all der Euphorie rund um die Ankündigung der neuen Trilogie gab es auch immer solche Stimmen, die es den Machern einfach nicht zutrauten, der Saga eine würdige Fortsetzung bescheren zu können: Der Aufschrei war groß, als bekannt wurde, dass Disney die Rechte am Franchise gekauft hatte.

Eine würdige Fortsetzung?

Groß war auch die Angst, dass »Das Erwachen der Macht« viel von dem wiederholt, was Episode I, II und III in den Augen einer nicht gerade kleinen Gruppe von Star Wars-Fans falsch gemacht haben: Zu viel CGI, zu wenig Herzblut, zu modern, zu anders. Eben irgendwie nicht so, wie es diejenigen in Erinnerung hatten, die den ersten Krieg der Sterne noch selbst im Kino gesehen haben.

Man muss an dieser Stelle aber auch eingestehen, dass die Last, die sich die Macher von Episode VII aufbürden, nicht eben klein ist. Bei all den Millionen Dollar, die der Film in den nächsten Wochen ohne Zweifel einspielen wird, die Gefahr mit diesem Film anzuecken ist hoch. Zu vielschichtig sind die Emotionen, die der Einzelne mit der Serie verbindet, zu unterschiedlich die Erwartungen an die eine perfekte Fortsetzung des Epos. Ein neues Star Wars zu drehen, das ausnahmslos alle Fans zufrieden stellt, ist aussichtslos. Ebenso ist es aber auch wenig wünschenswert, möchte man nicht, dass der Film zu einem einzigen Zitat seiner Vorgänger verkommt.

Vielleicht um das zu vermeiden, mit Sicherheit aber um sich die nötige künstlerische Freiheit zu verschaffen, ignoriert »Das Erwachen der Macht« auch das sogenannte »Expanded Universe«, also jene Vielzahl an Geschichten und Handlungssträngen, die um das Geschehen der bisherigen sechs Filme bereits existieren. Stattdessen starten der Regisseur J. J. Abrams und sein Team mit neuen, gänzlich unbekannten Charakteren in eine neue Handlung: Mit der Zerstörung des zweiten Todessterns am Ende von Episode VII aus dem Jahr 1983 schien das Imperium besiegt, der Imperator wurde vernichtet, Darth Vader wandte sich kurz vor seinem eigenen Ende von der dunklen Seite der Macht ab.

Analog zur Realität sind seit diesen Geschehnissen in der weit, weit entfernten Galaxis etwa 30 Jahre vergangen, in denen die Rebellion sich nicht vollständig durchsetzen konnte und mittlerweile gegen eine Nachfolgeorganisation des galaktischen Imperiums, die »First Order« kämpft.

Die »First Order« ist stark – Skywalker verschwunden

Die »First Order« ist stark, so stark, dass der Widerstand unter der Führung von Prinzessin Leia Organa (Carrie Fisher) alles daran setzt den verschwunden Jediritter Luke Skywalker (Mark Hamill) zu finden um das Gleichgewicht der Macht wieder herzustellen. Der Schlüssel zu Skywalkers Versteck wird in Form eines Kartenausschnittes  dem kleinen Droiden BB-8 anvertraut, der zufällig der Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) auf dem Wüstenplaneten Jakku über den Weg läuft.

Zuvor wird der Stormtrooper FN-2187, kurz Finn (John Boyega) Zeuge, wie Soldaten der »First Order« unter der Führung von Kylo Ren (Adam Driver) Unschuldige auf Jakku töten, worauf er beschließt zu desertieren. Zusammen mit Poe Dameron (Oscar Isaac), einem Piloten des Widerstandes, gelingt ihm die Flucht von einem Sternenzerstörer der »First Order«, die jedoch mit einer Bruchlandung auf Jakku endet. Dort kreuzen sich schließlich die Wege von Rey und Finn, mit BB-8 im Schlepptau versuchen sie den Schergen der dunklen Seite zu entkommen und treffen auf dabei auf einen schlagfertigen alten Schmuggler und seinen haarigen Freund…

Ein neues Kapitel im altbekannten Buch

Die Story von »Das Erwachen der Macht«, sie versteht sich darauf, diese neuen Charaktere einzuführen und auf das vorzubereiten, was sie mit ihnen vorhat. Gerade in seiner Anfangsphase bietet der Film erzählerisch einige Höhepunkte, nicht etwa dadurch, dass er mit plötzlichen Wendungen überrascht, sondern dadurch, dass er ein neues Kapitel aus einem altbekannten Buch mit den richtigen Dialogen und Bildern vor dem Zuschauer ausbreitet. Im weiteren Verlauf kann Episode VII das Niveau ihres fulminanten Auftakts aber nicht ganz halten, einfach weil dieses erste Drittel des Films nur so vor Star Wars-Momenten strotzt, nach denen man sich als Fan der ersten Trilogie gesehnt hat: Das Kreischen der TIE-Fighter, der Flug des Millennium-Falcon, das charakteristische Surren eines Laserschwerts. Für all diese Momente konnte es in dieser neuen Trilogie nur ein erstes Auftreten geben. J. J. Abrams wusste genau, wo und wie er sie inszenieren musste um die Herzen der Fans zu erobern. Auch der Star Wars-typische Humor kommt nicht zu kurz und wirkt, anders als vielleicht mancherorts in Episode I bis III zu keinem Zeitpunkt fehl am Platz oder aufgesetzt.

Später bleibt die Story oft vorhersehbar, sie verliert sich ein wenig zu sehr in Zitaten von Episode IV bis VI und lässt den Mut zu mehr Eigenständigkeit an vielen Stellen vermissen: An die Stelle von Darth Vader und dem Imperator sind Kylo Ren und der mysteriöse »Supreme Leader« getreten, die Rolle der beiden früheren Todessterne nimmt eine noch tödlichere Variante ein, die ihre Energie aus dem Inneren einer Sonne zieht – aber selbstverständlich nicht ohne verwundbaren Schwachpunkt auskommen darf.

Die Charaktere nehmen den Zuschauer bei der Hand, laden ihn ein auf ihre Reise

Durchweg überzeugend sind dagegen die Charaktere von »Das Erwachen der Macht«:  Allen voran Daisy Ridley und John Boyega beweisen auf eindrucksvolle Weise, dass ihnen die Fußstapfen von Harrison Ford und Co nicht eine Nummer zu groß sind. Sie nehmen den Zuschauer anfangs bei der Hand, laden ihn ein mitzukommen auf ihre Reise. Man folgt ihnen zu gern, lässt sich von den Dialogen vereinnahmen, freut sich mit ihnen, wenn sie den Millennium-Falcon zum Laufen bringen, zittert mit ihnen, wenn sie der dunklen Seite gegenübertreten. Aber auch Harrison Ford darf man an dieser Stelle nicht vergessen: Der Moment, in dem er als Han Solo zum ersten Mal wieder in das Cockpit seines alten Raumschiffes steigt, zaubert ein zutiefst nostalgisches und zufriedenes Lächeln auf das Gesicht des Schauspielers, man merkt, dass ihm seine Rolle immer noch große Freude bereitet.

Nostalgie – fern von CGI-Orgien

Diese Nostalgie ist es auch, die den Look und die Atmosphäre des gesamten Films trägt. Bewusst wurde auf ausufernden Einsatz computergenerierter Effekte, Charaktere und Schauplätze verzichtet und stattdessen soweit möglich auf echte Explosionen, Masken und Kostüme gesetzt. Das wirkt aber zu keiner Zeit albern oder altbacken: Im Gegenteil, wenn sich in einem verschneiten Wald die Lichtschwerter kreuzen und ihr fast magisches Leuchten alles ist, was die schummrige Dämmerung erhellt, gehört das trotz seiner vermeintlichen Schlichtheit sicher mit zum optisch beeindruckendsten, was das Kinojahr zu bieten hatte.

Es tut wahrlich gut, so etwas in einem Film aus einer Gegenwart zu sehen, in der die üblichen Blockbuster sich in einer Origie aus CGI-Explosionen, Verfolgungsjagden und Zerstörung gegenseitig überbieten wollen und dabei das eigentliche Schauspiel allzu oft in den Hintergrund gedrängt wird. Die Hobbit-Trilogie sei hier nur als eines der Beispiele genannt, welche diesen Weg gegangen sind und genau deshalb teils so weit hinter den Erwartungen zurückblieben.

Ist sie also gelungen, die Fortsetzung der Saga? Wird Episode VII den unendlich hohen Ansprüchen gerecht? Diese Frage abschließend in wenigen Worten beantworten zu wollen, ist anmaßend. Zu unterschiedlich sind die Erinnerungen und Emotionen des Einzelnen verbunden mit den alten und zu groß die Erwartungen an die neue Episode der Saga. Dennoch, »Das Erwachen der Macht« ist eine herrliche Hommage an die erste Trilogie, die nicht durch das Erzählerische, aber ganz gewiss durch die Optik und die Atmosphäre, die sie erzeugt, überzeugen kann.

Grafik: Anna Jopp

 

Schreibe einen Kommentar