„Kleine Dinge, die helfen“

Wenn große Katastrophen die Berichterstattung überfluten, steigt auch der Aufmerksamkeitspegel für Hilfsorganisationen. Dabei beschränkt sich deren Arbeit nicht nur auf die Dürre in Ostafrika, das Erdbeben in Haiti oder den Tsunami in Japan. Ein Gespräch mit dem INGEAR-Vorsitzenden Andreas Huber (26) über seinen Verein, dessen internationale Projekte und das Gefühl, etwas bewegen zu können.

Wie wichtig ist die Hilfe in den Entwicklungsländern?

Wir alle werden ständig mit der Not und der Armut in Entwicklungsländern konfrontiert, egal ob in den Printmedien, im Fernsehen oder im Internet. Man nimmt diese Missstände zwar zur Kenntnis, doch meist denkt man nicht weiter darüber nach und vergisst den Notstand im nächsten Augenblick wieder. Oft sind es aber schon kleine Dinge, die Hilfe bringen können. Damit sind nicht nur finanzielle Mittel gemeint, die die Not lindern sollen, sondern auch Bildungs- und Aufklärungsarbeit, die Organisation von Benefizveranstaltungen oder die Leitung von Infoständen. INGEAR will auf die Armut in den Entwicklungsländern hinweisen, darüber informieren und wertvolle Hilfe mit unseren Vorsätzen dort betreiben.

Was sind denn die Vorsätze und wie sieht euer Leitbild aus?

Unser Ziel ist es, Aufmerksamkeit in allen Bereichen zu gewinnen sowie Bildungsarbeit und Aufklärung zu leisten. Wir unterstützen nur Projekte, zu denen persönlicher Kontakt besteht und man dadurch auf Mängel, Elend und Probleme aufmerksam wurde. Nur so kann sicher gestellt werden, dass jeder Cent ankommt und sinnvoll verwendet wird. Außerdem fallen bei unserer überschaubaren Organisation keine Verwaltungsgebühren an, da sich jeder Mitarbeiter ehrenamtlich engagiert. Wir legen zudem hohen Wert auf Transparenz. Alle Finanzübersichten und Spendenausgaben sind einsehbar. Genau das erwarten wir auch von seinen einzelnen Projekten, die unter der Schirmherrschaft eines jeweiligen Projektbetreuers stehen, der dies alles genau überprüft.

Welche Aufgaben bewältigen die einzelnen Mitglieder genau?

INGEAR besteht aus etwa 30 aktiven sowie zahlreichen passiven Mitgliedern und ist eine Plattform für engagierte junge Menschen, in der jeder seine Interessen und Talente einbringen kann. Auch die jeweilige Form der Unterstützung kann individuell ausfallen. So gibt es beispielsweise passive Mitglieder, Firmen oder andere Vereine, die regelmäßig spenden. Wir bieten aber auch Konzerte, Feste, Vorträge und Informationsveranstaltungen an.

Jeder Beitrag ist uns willkommen. Bei den verschiedenen Veranstaltungen, darunter auch Open Airs und große Events wie das Regensburger Gassenfest 2010, haben schon insgesamt mehr als 400 Menschen mitgeholfen. Aber natürlich gibt es auch noch die Arbeit vor Ort, also direkt bei unseren Projekten im Ausland.

Was sind eure Projekte genau und wie sieht die Hilfe vor Ort konkret aus?

Wir unterstützen vier ausgewählte, unabhängige und eigenständige Hauptprojekte in Südafrika, Sri Lanka, Indien und Ruanda. Dabei geht es um Kinder, behinderte und kranke Menschen, denen langfristig geholfen werden soll. Unser Wirken soll immer als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden, denn das Ziel unserer dauerhaften Unterstützung ist, dass sich die Menschen später selbst helfen können. In all unseren Projekten geht es aber auch um Bildung. In unserem indischen Projekt unterstützen wir zum Beispiel die Ausbildung von Krankenschwestern. In Mandini, das ist in Südafrika, fördern wir unter anderem ein Aidswaisenhaus und in Sambodhi auf Sri Lanka wurde eine »lebenspraktische Schule“ gegründet, die so in Sri Lanka einmalig ist und Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen eine bessere Zukunft ermöglicht. In Ruanda werden behinderten Kindern im Centre Wikwiheba Mwana Essen und Medikamente gezahlt, außerdem finanzieren wir die Gehälter der Betreuerinnen und einer Physiotherapeutin. Aber neben der finanziellen Hilfe ist auch die Aufklärung sehr wichtig. Beispielsweise stellt zwar die südafrikanische Regierung kostenlose Aids-Medikamente in den Großstädten zur Verfügung, aber die einstündige Busfahrt in eine größere Stadt können oder wollen sich die Betroffenen nicht leisten, obwohl das dringend lebensnotwendig ist. Allmählich findet aber, dank der Aufklärungsarbeit vor Ort, ein Wandel im Bewusstsein der Kranken statt.

Was macht euch bei der Arbeit besonders stolz?

Es ist immer wieder schön mitzubekommen, wenn Einheimische ein Projekt nach und nach selbst tragen können. Vor allem wenn sie dabei ihr Wissen, das sie sich in der durch uns finanzierten Ausbildung aneignen konnten, weitergeben. Aber auch die Einzelschicksale, wenn Kinder die Schule abschließen oder dank eines Studentenfonds durch uns die Möglichkeit erhalten zu studieren, machen einen stolz und glücklich. In Ruanda konnte jetzt auch ein neues Heim gebaut werden, in dem nicht mehr 20 Kinder in einem Raum schlafen mussten, sondern nur noch vier bis fünf Kinder nach Altersgruppen getrennt in einem Zimmer untergebracht sind. Jede einzelne Hilfe, Spende und jeder Fortschritt zeigt uns, dass unser Engagement wichtig ist. Wir sind aber auch über die Spendenbereitschaft der Leute mehr als erstaunt und überwältigt. Wir konnten nämlich seit 2006 schon circa 150 000 Euro in die Projekte investieren, die durch unsere Benefizveranstaltungen und vor allem auch durch Spenden zusammengekommen sind. Das zeigt uns, wie viel Vertrauen und Achtung uns entgegengebracht wird.

Wie kann man euch näher kennenlernen, mehr über INGEAR erfahren und eventuell spenden?

Am besten kontaktiert man uns per E-Mail. Wir laden dann die Interessenten zu einem angenehmen Kennenlerntreffen sowie zu unseren Sitzungen ein, die im Vorfeld von Events stattfinden. Dazu ist jeder herzlich eingeladen. Wir suchen nämlich händeringend nach neuen Mitgliedern, denn viele aktive Beteiligte können aufgrund ihres beendeten Studiums nicht mehr in dem gleichen Maße mithelfen. Unsere Projekte brauchen auch weiterhin unsere Unterstützung. Wir konnten zwar schon neue aktive Mitglieder dazugewinnen, aber nur durch die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer kann so ein Verein wie INGEAR funktionieren.

Kann man auch direkt zu einem jeweiligen Projekt ins Ausland, um aktiv mitzuhelfen?

Ja, das ist auch möglich. Wir bieten vier Praktikumsplätze im Jahr an, um sich zu engagieren und internationale Erfahrungen zu sammeln. Es ist uns aber wichtig, dass wir keine Arbeitsplätze wegnehmen, sondern wir ermöglichen es anderen jungen Menschen, in enger Absprache mit unseren Projektleitern, in einem von uns betreuten Projekt mitzuarbeiten. In Sri Lanka können junge Menschen im sonderpädagogischen Bereich ein Praktikum absolvieren. In Indien sind die Plätze für Krankenschwestern, Mediziner und Pädagogen vorgesehen. Alle Praktikanten geben uns außerdem regelmäßig Rückmeldung über das Projekt, die Umsetzung der Spendengelder oder weiteren Bedarf an finanziellen Mitteln. 

Das Interview führte Steffen Trunk

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