100 gegen Lucke

„Rechtspopulisten enttarnen!“ – unter diesem Titel hatte der örtliche Kreisverband der Falken für Freitag eine Demonstration in Regensburg angemeldet. Anlass dafür: der Besuch des AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke in der RT-Halle.

Die Demo "Rechtspopulisten enttarnen!" an ihrem Startpunkt Ernst-Reuter-Platz

Es sind nicht nur junge Menschen und Studierende, die sich gegen halb vier nach und nach am Treffpunkt Ernst-Reuter-Platz einfinden. Dort werden sie von  SJD-Mitgliedern mit Flyern, Bannern und einem Megaphon empfangen. Sie alle wollen mit der Demonstration ein Zeichen setzen, ein Zeichen gegen den Rechtspopulismus, wie er derzeit von der Alternative für Deutschland (AfD) betrieben wird. Ein Sprecher der Falken verkündet durch das Megaphon, was auch auf den Flugzetteln steht: Die Demo richte sich vor allem gegen den Besuch Luckes hier in Regensburg und die AfD im Generellen, die rechtspopulistisches Gedankengut verbreite, von dem das Programm zur Europawahl „nur die Spitze des Eisbergs“ sei. Kurzum, man will „der AfD in der RT-Halle keine Bühne für ihre Hetze bieten!“

Unter einem unverhältnismäßig hohen Polizeiaufgebot machen sich die knapp 100 Demonstranten über den Neupfarr- und Arnulfsplatz auf den Weg über die Donau zur RT-Halle am Oberen Wöhrd. Rhythmische Schlachtrufe wie „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“, „AfD, Nazischeiß, wir machen euch die Hölle heiß“ oder „Lucke vertreiben, Flüchtlinge bleiben“, laute Trillerpfeifen und die Megaphondurchsagen an die Regensburger  ziehen die Aufmerksamkeit von Passanten und Schaulustigen in der Altstadt auf den Menschenzug – und bewegen sogar den ein oder anderen, die Demonstration ein Stück lang zu begleiten.

Der Demonstrationszug am Neupfarrplatz

Doch hinter dem Eisernen Steg (der übrigens nicht im Gleichschritt überquert werden darf, da sonst die Stabilität der Brücke gefährdet ist, wie gleich zu Anfang mitgeteilt wurde) ist recht schnell Schluss. Der Zugang zur RT-Halle ist auf der Höhe der Osteria Siciliana von einer ganzen Reihe Polizisten blockiert, und so verhallen die erneuten Kundgebungen der Demonstranten zur rechten Einstellung der AfD. Wirklich viel erreicht wurde bis zum offiziellen Ende der Demonstration gegen viertel vor fünf nicht. Gegenreaktionen von AfD-Anhängern blieben bis dahin aus, weshalb sich der Großteil der Demonstranten recht schnell wieder verläuft. Die Banner werden eingerollt, das Megaphon ausgeschaltet, und die Trillerpfeifen verstummen wieder.

Der inoffizielle Teil wird erst danach beginnen, in Form einer Sitzblockade auf dem Pfaffensteiner Steg; später wird es zu Festnahmen durch die Polizei kommen. Doch weder die offizielle Demo noch die Sitzblockade wird den ursprünglich geplanten Erfolg haben – Bernd Lucke wird mit 30 Minuten Verspätung in der RT-Halle eine Bühne für die Verbreitung der Programmpunkte der AfD bekommen.  Wie die MZ am Freitagabend schreiben wird, bezeichnet Lucke die Proteste, die wiederholt vor AfD-Veranstaltungen stattfinden, als eine „Schande für unser Land.“ Am Ende seiner Rede, so die MZ, bekommt er minutenlange Standing Ovations.

Die Alternative für Deutschland ist erst im Frühjahr 2013 gegründet worden. Wegen ihres europakritischen Verhaltens und der Ablehnung des Euros, aber auch der homophoben und fremdenfeindlichen Äußerungen und Wahlslogans wirkt sie auf die deutsche Medienlandschaft nicht nur konservativ, sondern rechtspopulistisch. In einem am 1. Mai veröffentlichten Interview griff die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer die AfD scharf an und warf ihr vor, an der Grenze zur Verfassungswidrigkeit zu stehen. 

 

 

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