Ein Smartmob für mehr Zukunft

Am Samstag fand in der Regensburger Innenstadt der Smartmob „Bewegung in Bildung“ Regensburg statt. Mit fast 300 Teilnehmern versuchte er, die Bevölkerung zu sensibilisieren und ein klares Zeichen zu setzen – vor allem gegen die Kürzungen von Lehrerstellen.

Am Ende blieben nur noch viele, bunte Kreidespuren auf dem Boden des Neupfarrplatzes.
Am Ende blieben nur noch viele, bunte Kreidespuren auf dem Boden des Neupfarrplatzes.

Es ist 15 Uhr, als Patricia mit roter Tafelkreide einen kurzen Strich auf den Boden des Neupfarrplatzes zieht. Es fangen Leute an, sich hinter diesem Strich aufzustellen; erst Patricia selbst, dann Johannes, gefolgt von vielen anderen jungen Leuten, die meisten wohl Studierende. 5 Minuten lang stehen sie völlig stumm da, gefilmt und fotografiert von den Medienvertretern, beobachtet und bestaunt von den Passanten. Schließlich lässt Patricia ein Stück Kreide auf den Boden fallen, zertritt es und verlässt den Platz – die restlichen Teilnehmer folgen ihr, einer nach dem anderen. Nach 15 Minuten ist alles wieder vorbei, und die Menge hat sich aufgelöst. Die bunten Kreidespuren auf dem Neupfarrplatz jedoch bleiben.

Was an diesem Samstag in Regensburg passierte, geschah bereits eine Woche davor in München. Unter dem Namen „Bewegung in Bildung“ wurde ein Flashmob veranstaltet, der auf die Kürzung der Referendariatsstellen aufmerksam machte: von 800 Gymnasialreferendaren und -referendarinnen, die im Februar  ihre Ausbildung beenden, werden lediglich 170 übernommen. Doch auch immer mehr Realschulreferendare werden von Stellenstreichungen bedroht.

Kein Jammern, sondern ein Protest gegen das Bildungssystem

Eigentlich sind die beiden Aktionen gar keine Flashmobs, wie Johannes im Vorabinterview erklärt, sondern sogenannte „Smartmobs“, die eine Aussagekraft haben und nicht nur dem Spaß und der Unterhaltung dienen. Durch die vorangegangene Aktion in München besitzt diese Form des Protests – stillschweigendes Dastehen, ein versinnbildlichter „Einstellungsstopp“ und das Zertreten der Kreide, die der Großteil der Lehramtsstudierenden in Zukunft wohl gar nicht brauchen wird – nun einen gewissen Wiedererkennungswert. Das erleichterte auch die Organisation, wie Patricia erklärt: „Wir haben da wirklich offene Türen eingerannt.“ Nun müsse die Bevölkerung für das Problem sensibilisiert werden. Vor allem Eltern von Schülern könnten etwas bewegen und beispielsweise durch Wahlen das Ergebnis mitbeeinflussen. Schließlich betreffen die gestrichenen Lehrstellen auch Schüler, denen durch den halbjährlichen Wechsel der Referendare eine gewisse Kontinuität in ihrer schulischen Bildung verloren geht.

Fast 300 Teilnehmer wollen auf die Lage der Referendare in Bayern aufmerksam machen
Fast 300 Teilnehmer machen auf die Lage der Referendare in Bayern aufmerksam.

Zugleich stellen Johannes und Patricia, die die Aktion als eine Facebook-Veranstaltung veröffentlicht haben, klar, dass der Smartmob keine Form des Jammerns momentaner und zukünftiger Referendare sei. Vielmehr diene es als eine Form der Aufmerksamkeitserregung und des Protests gegen die Wahlversprechen, die nicht gehalten wurden. So würde die Stellenstreichung im Freistaat eindeutig gegen das Wahlprogramm sein, das sich deutlich dagegen ausspricht. Außerdem prangern die beiden die Ausnutzung der Referendare an: „Sie bewältigen fast drei Viertel des Arbeitspensums, bekommen jedoch durchschnittlich gerade einmal ein Drittel des Gehalts eines festangestellten Lehrers.“ Mittels des Smartmobs wollen sie und die anderen Teilnehmer auf das bayerische Bildungssystem aufmerksam machen, in dem so einiges schief zu laufen scheint. Im Gegensatz zu Demonstrationen oder Kundgebungen ist das eine relativ spontane Aktion –  so wurde die Veranstaltung bei Facebook gerade einmal mit einer Woche Vorlaufzeit veröffentlicht.

Überwiegend positive Resonanz

Die Angst, die Patricia und Johannes noch kurz vor der Veranstaltung hatten – dass nicht genug Leute kommen würden – stellte sich schnell als unbegründet heraus. Die Zahl von über 300 Teilnehmern, die bei Facebook zugesagt hatten, haben sie zwar wohl nicht ganz erreicht, jedoch kamen trotzdem genug Menschen, um die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zu lenken. Die Resonanz derer reicht von einem „Schade, dass sie nicht noch Musik haben und tanzen“ bis zu einer Einschätzung als „super Aktion.“  Die Reaktionen der Teilnehmer sprechen auch für sich. Obwohl sich der ein oder andere noch weitere Teilnehmer, vor allem Lehramtsstudierende, gewünscht hätte, hielten alle das Ganze offensichtlich für eine tolle Idee. Kein Wunder also, dass weitere bayerische Städte, wie Nürnberg, Rosenheim oder Bamberg dem Vorbild von München und Regensburg nun folgen wollen.

Patricia, 25, und Johannes, 26, sind beide Lehramtsstudierende, die ihr erstes Staatsexamen schon hinter sich gebracht haben und den Flashmob über Facebook veröffentlicht haben.

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