Große Namen – Große Texte: Matthias Brandt und Jens Thomas

Große Namen – Große Texte: Matthias Brandt und Jens Thomas

Mit ihrer Wort-Musik-Collage »Krankenakte Robert Schumann« nehmen die beiden Freunde die Zuschauer:innen mit auf eine emotionale Reise durch die letzten Jahre des berühmten deutschen Komponisten. 

von Julian Tassev

Am Sonntag, den 13. März, wusste ich so gar nicht, was mich abends in dieser ganz besonderen Veranstaltung erwarten würde. Auf der Bühne befinden sich ein Flügel und ein Stuhl, zwei Mikrofone sowie eine Flasche Wasser. Selbst als Matthias Brandt – Schauspieler und Autor – und Jens Thomas – Singer-Songwriter und Jazzpianist – die Bühne betreten, kann ich noch nicht erkennen, was sich über die nächsten 90 Minuten hier im großen Saal des Theaters Regensburg abspielen wird. Was folgt ist eine Mischung aus Hörspiel, Lesung und dynamisch improvisierter Musik. Brandt liest aus Peter Härtlings biografischen Drama »Schumanns Schatten: Variationen über mehrere Personen«, ein Werk, welches mit einer gewissen künstlerischen Freiheit vom Leben und Sterben des zerrissenen Komponisten erzählt. 

Die Handlung des Romans spielt sich auf zwei Ebenen ab: Einmal erleben wir Schumanns letzte Monate in einer Heilanstalt in Endenich bei Bonn durch die Augen seines Pflegers Klingelfeld, und dazwischen wird von Schumanns Kindheit in Zwickau, seinem Studium, seiner Arbeit und seinen Begegnungen mit Heine, Wagner, Mendelssohn und Brahms erzählt. Auch seine große Liebe, Clara Wieck, beschäftigt Romanfigur Schumann noch in seinen wirrsten, traurigsten letzten Tagen. Der Stoff bewegt und prägt, doch es sind Brandts Art zu lesen und das Zusammenspiel mit Thomas´ Klavier und seiner Stimme, die mich gegen Ende tatsächlich den Tränen nah bringen können. Vor allem Jens Thomas´ meist eher kurzen Einlagen aus Musik, Gesang und teilweise auch undefinierbaren Lauten – sowie einer starken Passage, wo er das Klavier als Trommel nutzt – stoßen mich anfangs noch mit ihrer Wucht vor den Kopf, lassen sich schlecht einordnen. Zum Ende hin fügen sich aber auch diese Momente in das Ganze ein, zeugen sie doch von genau der zerrissenen Psyche Schumanns, um die es schließlich geht. 

Definitiv ein einzigartiger Abend, der mir noch lange im Kopf bleiben wird. Wer das Gastspiel verpasst hat, nun aber ein gewecktes Interesse gefunden hat, der muss den beiden Künstlern leider hinterher reisen. Sie treten gemeinsam dieses Jahr noch in Karlsruhe (30.04.), in Mettlach (01.05.) und in der Oper Bonn (30.10.) auf.    

 

Beitragsbild: Matthias Brandt und Jens Thomas © Mathias Bothor

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