Lautstark: Schnipo Schranke

An einem Abend mit FreundInnen lief mal das Lied »Cluburlaub« von Schnipo Schranke. Erst einmal fand ich es ein bisschen seltsam, aber der Witz dahinter hat sich irgendwo in meinem Kopf festgesetzt und es hat sich für mich gelohnt, nochmal reinzuhören.

von Franziska Baghestani

Mich überzeugt es meistens, wenn sich KünstlerInnen offensichtlich richtig Gedanken über ihre Texte machen und mit Sätzen um die Ecke kommen, die man so nicht erwartet – gerade weil ich dann das Gefühl habe, die machen nicht Musik, um Popstar zu werden, sondern weil ihnen wirklich was daran liegt. Bei Schnipo Schranke habe ich mich mal einen ganzen Abend lang über die Zeile »Ich find dich erste Sahne, du findest mich Banane, ich bin nicht in deinem Obstsalat, ich finde, das ist Hochverrat« beömmelt und finde sie aus irgendeinem Grund auch heute noch wirklich witzig. 

Die beiden Sängerinnen und gleichzeitig die einzigen zwei Mitglieder der Band bezeichnen ihre Musik selbst als »HipHop-Chanson-Fuck« und diese Fuck-Haltung findet sich in einigen Songs auch wieder. Beide haben an der Musikhochschule studiert, wollten dann aber mehr Kreativität und haben daher ihr Duo gegründet. Mit ihren beiden Alben hatten sie Erfolg, obwohl oder vielleicht gerade weil einige Medien ihre Texte als »obszön«, »vulgär« oder »trotzig« beschreiben. Genau das ist übrigens das, was das Ganze meiner Meinung nach so lustig macht und auch nachvollziehbar. Die halbwegs einheitliche Chartmusik find ich zwar auch zum Teil echt gut, aber Songtitel wie »Haschproleten« oder »Pisse« finden sich da halt doch eher nicht. Und Lieder darüber, dass man an fremden Orten ein öffentliches Klo sucht, sucht man auf Bayern3 auch vergeblich. Komisch eigentlich, weil diese Situation doch wahrscheinlich alle kennen.

Schnipo Schranke haben mit »In der Fremde« auch darüber ein Lied geschrieben. Sie benennen die Sachen, wie sie sind, ohne geschöntes Vokabular und radiotaugliche Umschreibungen. Und sie haben eben auch diesen Witz, der Schnipo Schranke ausmacht, weil sich die Ironie der Texte irgendwie auch in der Musik wiederfindet. Es gibt übrigens auch einen Song über Harry Potter (mit einem super Video), damit hat man mich sowieso schon, auch wenn Hufflepuff darin leider nicht sehr gut wegkommt.


Die Band hat sich zwar Ende 2019 aufgelöst, aber mit den bestehenden Liedern kann man glücklicherweise schon mal Einiges anfangen.

Beitragsbild: © Simone Scardovelli

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