Lautstark: Jósean Log – Musikalische Klänge Mexikos gegen Fernweh

Jeder kennt sie. Die Lieder, die uns in weniger als einem Wimpernschlag an jeden erdenklichen Ort unserer Vergangenheit zurückversetzen können. Beispielsweise die »Venga Boys«, die aus den Lautsprechern plärren und uns an die schrägen Outfits unserer Kindheit der 90er Jahre erinnern. Oder die Lieder, die uns in ganz andere Länder träumen lassen. Schwupps, sieht man wieder sein 19-jähriges Ich vor Augen, beim Staunen über buddhistische Tempel auf Bali. Oder die Lieder, die uns einfach nur an einen warmen Sommerabend bei einem Bier an der Donau mit unseren Besten denken lassen.

von Verena Gerbl

Wahrscheinlich treffe ich meine heutige Musikempfehlung aus einem ähnlichen Grund: Jósean Log ist mir mit seiner Ukulele, den Texten über die Liebe, das Leben und seiner einzigartigen Stimme seit meiner Reise nach Südamerika im letzten Sommer ans Herz gewachsen. In Kolumbien lernte ich schnell, dass dort eher selten die europäische Chart-Musik auf den Playlists der Radiosender steht. Stattdessen: Salsa- und Bachata-Musik in all ihren schillernden Variationen, den ganzen lieben Tag lang. Das ungeübte europäische Ohr stößt dabei zwar schnell an seine Grenzen und weiß nach einer halben Stunde schon kaum mehr das eine vom anderen Lied zu unterscheiden. Dennoch wurde ich schnell in den Bann der rhythmischen Musik gezogen, zu der sich auf Partys einfach super bis spät in die Nacht tanzen lässt. 

Ein wenig aus der Reihe schlägt jedoch Jósean Logs Musik, um den es heute gehen soll: Er bricht mit dem üblichen, schnell-rhythmischen Latino-Genre und verzaubert mit den sanften Klängen seiner Ukulele. Aber auch seine Songtexte, die, wenn man das Spanische entweder versteht oder übersetzt, durchaus mit Poesie und Tiefsinn bestechen können. Seitdem ich seine Musik das erste Mal auf einer Dachterrasse mit Blick auf das nächtlich erleuchtete Medellín gehört habe, führen mich mittlerweile meine Gedanken immer wieder zurück an diesen schönen Ort. Gerade in der momentanen Situation der anhaltenden Reisewarnungen ist mir solch eine Ablenkung herzlich willkommen. Die Musik des Mexikaners aus Cholulo in Puebla lässt sofort an die bunten Farben südamerikanischer Großstädte, die umgebende Natur in Überfluss und die lebensfrohen Menschen Lateinamerikas denken.

 

Mich leiten die Vögel der Berge am schönen Horizont und das Wasser der Flüsse, in denen ich gerne schwimme. Mir gefällt die Farbe der grünen, hohen Pflanzen und ein Zittern unterbricht meinen Gang.” (Songtext, Tierra)

 

Beim Aufwallen unkontrollierbarer Reiselust und Fernweh in den kommenden Sommermonaten, die womöglich im heimischen Regensburg verbracht werden müssen, kann ich Jósean Logs Musik daher wärmstens empfehlen. Seiner Instagram-Bio (@joseanlog) zufolge, bezeichnet er sich selbst als »Freigeist« und »Feminist«. Er schreibt von sich, er hätte die Welt gerne umweltfreundlicher und bunter. Genauso sehen nicht nur seine Posts aus, sondern klingen auch seine drei Alben »El futuro no existe«, »Háblame de tú« und »Háblate de mi«, die mit den jeweils vier Songs erfrischend kurzweilig und ebenso einzigartig sind. Wer einmal in seine Alben reinhören möchte, kann das ganz einfach auf seiner Instagram-Seite dank seiner geteilten Erinnerungen tun. Seine Lieder – wie etwa »Tierra« oder »Beso« – erzählen von leidenschaftlicher Liebe. Er singt aber nicht nur von der Liebe zweier Menschen zueinander, sondern bestaunt auch die Natur Mexikos, die mit all seiner Schönheit und Buntheit seine Heimat ist. Mein Favorit ist und bleibt aber die Akustik-Version von »Chachachá« mit der simplen Melodie-Begleitung seiner Ukulele, die weder auf einer kolumbianischen Dachterrasse noch an einem deutschen Lagerfeuer fehlen darf. Jósean Logs Musik genießt man zweifelsohne am allerschönsten mit Sternenhimmel.

 

Also am besten einfach reinhören und sich vom musikalischen Mexiko verzaubern lassen:

Beitragsbild: © Jósean Log auf soundcloud.com

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