Wohnsinn-Kolumne: Chance statt Risiko

Corona(virus), SARS-CoV-2 und COVID-19 – jeden Tag hört man diese Begriffe mehrmals. Seit fast zwei Wochen gelten in Bayern Ausgangsbeschränkungen und diese werden vorerst auch nicht gelockert. Wie bei vielen spielt sich mein Leben momentan hauptsächlich in den eigenen vier Wänden ab – Lagerkoller vorprogrammiert? Doch vielleicht kann man aus dieser Krise letztendlich auch ein paar positive Dinge ziehen.

von Laura Hiendl

Eigentlich hatte ich für meine erste Wohnsinn-Kolumne (Hi, ich bin’s – eine Neue :)) geplant, ein paar mehr oder weniger lustige und mich verzweifeln lassende Stories zu erzählen, die ich in den letzten Jahren in meiner eigenen Wohnung so sammeln konnte. Da sich in den letzten Wochen allerdings alles anders als normal gestaltet, fand ich einen, den aktuellen Umständen etwas angepassten Einblick in meinen Wohnsinn doch passender. Daher möchte ich Euch heute einen kleinen Auszug aus meinem Leben Zuhause geben.

Eigentlich befinde ich mich derzeit im Praktikum, doch mittlerweile wurde auch das in Home Office verwandelt, weshalb ich mich momentan entweder in meiner Wohnung oder in der meines Freundes aufhalte und nur noch zum Einkaufen und Spazieren rausgehe. Lotte hatte euch ja bereits vor zwei Wochen Grüße aus ihrer (zu diesem Zeitpunkt noch) selbstauferlegten Quarantäne geschickt und Ideen geliefert, was man Zuhause denn so alles mit sich selbst anfangen und machen kann. Dementsprechend inspiriert kam bei mir nach Feierabend und am Wochenende vorerst mal keine Langeweile auf. Zwar bin ich gerne Zuhause (ich hab mir schließlich echt viel Mühe beim Einrichten und Dekorieren gegeben) und war auch vorher am Abend oder Wochenende nicht ständig unterwegs. Der Unterschied jetzt ist nur: Man soll bzw. muss nun einfach in seinem eigenen kleinen Reich bleiben; vorher hatten wir zumindest die Option, viele andere Dinge zu tun. Ich schnitt meinem Freund also die Haare (das Ergebnis sah sogar gut aus!), beschwerte mich über ignorante Menschen im Supermarkt (was ist so schwer daran, etwas Abstand zu halten?!), wagte mich an Home-Workouts via YouTube (wow, das sah immer so viel einfacher aus) und kommunizierte mit meinen Nachbarn von gegenüber mittels Post-Its (süße Osterhasen inklusive).

Aber ich hatte in den letzten Tagen auch sehr viel Zeit zum Nachdenken und Überdenken – mit dem Ergebnis, (zumindest erst mal) Dinge anders zu sehen und in Zukunft einiges anders machen zu wollen. Ich habe wieder gemerkt, wie schnell die Zeit sonst vergeht und wie viele, eigentlich unwichtige Dinge man immer »unbedingt« zu tun hat. Oft genug erwische ich mich selbst dabei, dass ich »Sorry, ich hab‘ keine Zeit« als Entschuldigung bringe. Jetzt – Zuhause, auf meinem Sofa, vor dem Fernseher – merke ich, wie viele Stunden ein Tag eigentlich hat und was man an einem Tag alles schaffen kann (nur chillen und nix tun war irgendwann doch langweilig).

Daher wurden lange schon auf meiner »irgendwann«-to-do-Liste stehende und immer wieder aufgeschobene Sachen nun endlich mal angegriffen: Ich habe gefühlt meine ganze Wohnung ausgemistet, meinen Schreibtisch und über die Jahre meines Studiums angesammelte Unterlagen aussortiert, meinem zugegebenermaßen recht vollen Kleiderschrank etwas Luft verschafft und auch die längst fälligen kleinen Handwerkerarbeiten wurden erledigt (an dieser Stelle danke an meinen Freund). Mann, das Gefühl, all das endlich mal geschafft zu haben, war echt gut. Und jedes Teil weniger wirkte so befreiend, dass ich für kurze Zeit sogar tatsächlich Spaß daran fand. Wenn ich mich dann mal raus in die Welt gewagt hatte, ließ ich meine eigentlich so gewohnte Umgebung mal viel aufmerksamer auf mich wirken – wirklich erstaunlich, was einem alles zum ersten Mal auffällt, wenn man mal mehr Zeit hat, um die Umgebung und das schöne Regensburg zu betrachten und die Innenstadt nicht dem Inneren einer Sardinenbüchse gleicht. Wie oft bin ich davor gestresst durch die Stadt gelaufen, weil ich noch »schnell« etwas erledigen musste. Und außerdem (shame on me) habe ich mich bei einigen Leuten seit (viel zu) langer Zeit mal wieder gemeldet und am Tag so viele Nachrichten erhalten und verschickt wie schon ewig nicht mehr. Selbst mein Papa ist nun ein Fan der lange abgelehnten Videoanrufe geworden und will das jetzt sogar meiner Oma beibringen!

Lange Rede, kurzer Sinn – worauf ich nun eigentlich hinaus will: Vielleicht kann man diese Krise – so schlimm und nie dagewesen sie ist – auch anders, nämlich als eine Chance, sehen, um mal wieder Zeit zu haben und diese auch (sinnvoll) zu nutzen. Wie oft sitzt man sonst (beispielsweise im Büro) einfach rum und wartet bis die Zeit vergeht? Zeit ist etwas Kostbares, das wir nicht einfach kaufen können, falls wir mal zu wenig davon haben sollten. Viel zu oft wissen wir es nicht zu schätzen, Zeit zu haben. Deshalb sollten wir die (Aus-)Zeit, die wir jetzt zwangsweise haben, vielleicht auch als eine Chance ansehen. Als Chance, unser Leben zu decluttern, wieder zu erkennen, was wichtig ist, und zu lernen, dass nicht immer alles nach Plan läuft – bevor wir alle in unseren alltäglichen Automatismus zurückkehren und alles wieder seinen gewohnten Lauf nimmt.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich für die nächste Zeit. Bleibt gesund und vor allem Zuhause!

Bis bald,
Eure Laura

P.S.: Nächste Woche berichtet Olivia wieder von ihrem Leben 🙂

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