Die Brücke zwischen Uni und Industrie

Zwischen all den Vorlesungen, Theorie und Klausuren fragt man sich ja schon hin und wieder mal, wie das ganze später mal in einen Beruf führen soll. An der Uni Regensburg finden sich aber auch allerhand kaum bekannte Möglichkeiten, schon mal die Zehenspitzen in die Tür zur Berufswelt zu stellen. Eine dieser Möglichkeiten ist die Biotechnologische Studenteninitiative (btS) Regensburg. Was diese Studierendengruppe genau macht und für wen sie eine wirkliche Chance für die Zeit nach dem Studium darstellen kann, darüber sprechen Kristina Schmidl und Michelle Geigenfeind im Interview mit der Lautschrift.

von Lotte Nachtmann

Lautschrift: An wen wendet sich die Biotechnologische Studenteninitiative (btS) Regensburg denn genau? Nur an BiologInnen?

Kristina Schmidl und Michelle Geigenfeind: Momentan sind wir zwar ziemlich viele BiologInnen, aber nein, erst einmal sind bei uns alle NaturwissenschaftlerInnen willkommen. Die einzige Voraussetzung: Man muss Studierende/r oder DoktorandIn sein. Ein Schwerpunkt liegt – gerade was die Kontakte und Themen unserer Veranstaltungen angeht – allerdings doch eher auf den Life Sciences. Für manche Studiengänge, wie Physik oder Mathematik, ist die btS also vielleicht nicht ganz so relevant. Kommen darf aber jede/r gerne. Und der Jahresbeitrag von 30 Euro ist auch recht überschaubar.

Welche Studiengänge zählen zu den »Life Sciences«?

Das sind alle Fächer, die mit Leben und Gesundheit zu tun haben: Biologie, Biochemie, Medizin, Pharmazie und so weiter.¹

Und was kann die btS konkret für Studierende der Life Sciences anbieten?

Die btS versteht sich letztlich als Brücke zwischen der Uni und der Industrie, vor allem im Pharmabereich. In Regensburg arbeiten wir unter anderem mit Thermo Fisher Scientific und Lophius Biosciences zusammen. Die Nähe zum BioPark, wo auch viele Startups sitzen, ist natürlich ein großer Vorteil unseres Standortes. Außerdem haben wir auch Kontakte zur RIGeL (Regensburg International Graduate School of Life Sciences) und BIOMEDIGS, der Biomedizinische Internationale Graduiertenschule der Medizin-Fakultät an der Uni.  

Wir organisieren dann zum Beispiel Exkursionen. Kürzlich waren wir im Kinderwunschzentrum in Regensburg; dort erhielten die Teilnehmenden Einblick in die verschiedenen Abteilungen und konnten Kontakte zu ÄrztInnen, LabormitarbeiterInnen knüpfen. Andere Angebote sind Bewerbungstrainings: Neben Angeboten zu Bewerbungsunterlagen und -gesprächen, bieten wir auch Karriere-Speed-Datings an. Die sind sehr beliebt, da auch dort das Knüpfen von Kontakten im Vordergrund steht. Bei den Karriere-Speed-Datings sind auch häufig Alumnis dabei. Diese Veranstaltungen sind alle kostenlos und man muss nicht einmal Mitglied bei der btS Regensburg sein. 

Ein besonders attraktives Angebot sind die Good Manufacturing Practice (GMP) Kurse, die man über die btS wesentlich günstiger machen kann. GMP sind Richtlinien zur Sauberkeit im Labor und die Zertifikate sind für viele Berufe der Life Sciences Pflicht. Das Problem ist nur, dass die Kurse sehr teuer sind, um die 1000 Euro. Da wir mit der Pharmaakademie zusammenarbeiten, kostet das ganze über uns nur 185 Euro.

Wenn Ihr über Vernetzung sprecht, dann steht Ihr doch auch bestimmt mit anderen Hochschulen in Kontakt?

Ja, wir haben in ganz Deutschland Geschäftsstellen mit insgesamt 1100 Mitgliedern an 25 Hochschulstandorten, zwei sind zur Zeit noch im Aufbau. Diese Geschäftsstellen arbeiten eng zusammen und bilden aus ihren Mitgliedern einen Bundesvorstand. Die Vereine an den einzelnen Unis können natürlich selbstständig agieren und Projekte planen. Sie sind aber auch in verschiedenen regionalen Clustern zusammengeschlossen, in denen ein regenmäßiger Austausch via Telefonkonferenzen und Clustertreffen gepflegt wird. Der Bundesvorstand verfügt über sehr viele Kontakte in die Industrie, auch dank der Alumnivereine. Dieses Netzwerk an AnsprechpartnerInnen ist für natürlich goldwert, wenn wir Exkursionen organisieren. Der bundesweite Verein stellt aber auch selbst Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Firmenkontaktmesse ScieCon, auf die Beine. Für solche Events können sich immer die einzelnen Hochschulvereine melden und bei der Organisation mithelfen.

Welche Events sind bei Euch in der Planung?

In näherer Zukunft haben wir zwei Events geplant: zum einen wieder ein Karriere-Speed-Dating und zum anderen einen Workshop zum Thema Nachhaltigkeit in Zusammenarbeit mit dem Füllgut, dem Unverpacktladen in Regensburg. Die Teilnehmenden werden zum Beispiel die Möglichkeit haben, selber nachhaltige Shampoos und Duschgele herzustellen. Die Inhaberin wird den Workshop begleiten. Längerfristig planen wir noch einen GMP Kurs.²


Die btS Regensburg wurde im Frühjahr 2017 gegründet; zur Zeit sind um die sieben bis acht Studierende aktiv dabei. Die Initiative sucht neue Mitglieder aus allen Naturwissenschaften. Wenn Ihr also Interesse an der Mitwirkung bei der btS Regensburg habt oder auch an Veranstaltungen teilnehmen möchtet, findet Ihr alle Infos und Kontaktdaten über Instagram und Facebook.

¹Anmerkung der Redaktion: Bei den Life Sciences handelt es sich, laut Süddeutscher Zeitung, genauer gesagt um »jeden Forschungszweig der Natur- und Ingenieurwissenschaften, der sich mit Strukturen und Verhalten lebender Organismen beschäftigt«. Im Deutschen sagt man auch Lebenswissenschaften oder Biowissenschaften. Laut Wikipedia wurde der Begriff in Abgrenzung zur Biologie etabliert, um auch Forschungszweige mit einzubeziehen, die sich selbst nicht als Biologie bezeichnen wollen oder können, sich aber dennoch mit biologischen Fragestellungen beschäftigen. Nur eben aus der Sicht ihrer wissenschaftlichen Disziplin. Fasst man den Begriff noch weiter, so inkludiert er auch Fächer wie Psychologie oder künstliche Intelligenz (Quelle: Wikipedia). Gerade im Vergleich zwischen dem englisch- und deutschsprachigen Raum gibt es jedoch keine deckungsgleichen Definitionen (Quelle Wikipedia).

²Aufgrund der aktuell unsicheren Situation im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, von der alle studentischen Vereine betroffen sind, kann die btS noch keine Angaben zu genauen Daten für die Veranstaltungen geben.

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