Ich denke, also wähl‘ ich!

… aber wen? Um euch einen Überblick zu geben, wer bei den Hochschulwahlen um die Vertretung welcher Interessen kämpft, haben wir mit Kandidaten aller Parteien gesprochen. Weiter gehts mit drei Kandidaten der LHG, Michael Abler, Philipp Besendorfer und Johannes Keil, dem Spitzenduo der Jusos, Leon Struve und Lea Karamizadeh, und einem Vertreter der PARTEI, Jonas Grimm.

Lautschrift: Was ist eurer Meinung nach aktuell das größte Problem an der Uni?

LHG: »Die Digitalisierung wird verschlafen! Die Uni bleibt da weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sei es das Streaming von Vorlesungen, z.B. weil viele nur einmal pro Jahr stattfinden, oder die ewige Suche nach Steckdosen: Verschiedene Lerntypen würden durch die Digitalisierung gefördert und auch das Tempo wäre ein anderes, wenn man sich Veranstaltungen noch einmal ansehen oder anhören könnte.«

Jusos: »Primär sehen wir da die fehlende Barrierefreiheit als Problem, beispielweise im Bio-Neubau, wo es nicht einmal Schalter zum Öffnen der Eingangstüren gibt. Außerdem die schrittweise Kommerzialisierung der Uni: Die LHG spricht von Humboldt an der Uni, wir möchten ihn verwirklichen, das heißt weg vom Bologna-Zwang und hin zu mehr Freiheit im Studium.«

PARTEI: »Dass das WiWi-Gebäude so nah an PT steht und nicht klar getrennt ist.«

Lea Karamizadeh steht bei den Jusos auf Listenplatz 1
Lea Karamizadeh studiert Jura und kandidiert für die Jusos, um sich für den Erhalt der Uni als freiheitlichen Raum ohne Diskriminierungen und inhaltliche Aspekte wie das Kulturticket einzusetzen.

Was könnte der Konvent oder der gesamtuniversitäre Senat dagegen unternehmen?

LHG: »Erstmal könnten wir dort ein Bewusstsein für das Problem des Ausbleibens der Digitalisierung sowohl bei den entsprechenden Stellen der Uni als auch den Studenten schaffen. Wir sind uns darüber im Klaren, dass unsere Befugnisse beschränkt sind, es geht also darum, eine Debatte zu eröffnen und nicht um das Durchdrücken von Forderungen.«

Jusos: »Im Konvent können Anträge gestellt werden, die dann an den ASTA gehen und von dort weiter an die Unileitung. Die Vertreter im ASTA können sich auch auf Landesebene direkt an Politiker richten und ihre Anliegen vortragen.«

PARTEI: »Wir könnten den Bau einer Mauer initiieren, die das WiWi-Gebäude umgibt, natürlich bezahlt von der WiWi-Fakultät. Das würde den Campus verschönern.«

Welche drei Dinge möchtet ihr persönlich unbedingt auf dem Campus ändern?

Philipp Besendorfer findet ihr auch Platz 2, Michael Abler auf Platz 1 und Johannes Keil auf Platz 3 der LHG-Liste
Philipp Besendorfer (Politikwissenschaft) Michael Abler (Erziehungswissenschaft) und Johannes Keil (Nanoscience) haben sich als LHG zusammengetan, um die fehlende liberale Stimme in der Hochschulpolitik zu stellen und mit einer pragmatischen Herangehensweise ein Bindeglied zwischen Studenten und Uni zu werden.

LHG: »Wir möchten ganz konkret eine App für die Bib mit Informationen zur aktuellen Belegung der Plätze und Schließfächer, etwa in Form einer Ampel. Außerdem sind wir für mehr Wettbewerb auf dem Campus, die Grundversorgung und das Preisminimum sind durch die Mensa schließlich gesichert, das Preisgefälle zum Unikat [Pizzeria auf dem Campus, Anm. d. Red.] aber zu hoch. Zudem möchten wir ein Auflockern der möglichen Kombinationen im Bachelor vorantreiben. Die echte Welt existiert schließlich auch nicht in einzelnen Fächern.«

Jusos: »Die Entkommerzialisierung der Uni liegt uns am Herzen, Werbung sollte mehr studentischer Kultur weichen. Dafür fordern wir im Übrigen auch das Kulturticket! Außerdem fehlen vor den Fakultäten, zum Beispiel vor dem Chemie-Gebäude, Sitzgelegenheiten. Wir denken da an die mobilen Doppelsitze, wie man sie jetzt auch in der Stadt verteilt findet. Drittens ist uns mehr veganes Essen in der Mensa ein wichtiges Ziel, oft gibt es nur Nudeln mit Tomatensoße als einzige Alternative zu Fleischgerichten.«

PARTEI: »Neben dem Problem mit den WiWis, stören uns vor allem andere Parteien, die nach wie vor unbefriedigende Steigbügelhalter auf dem Weg zur Machtergreifung darstellen, sowie die übertriebene Wahlwerbung der Möchtegern-Alternativen zur PARTEI.«

Warum sollte man überhaupt wählen gehen, wo die Studierendenvertreter doch leider eher wenig entscheiden dürfen?

LHG: »Das Argument der universitären Stellen bleibt sonst immer dasselbe. Ihr seid im Konvent nur von ein paar wenigen Prozent gewählt? Wie sprecht ihr dann für alle? Mit einer breiteren Basis wird es viel einfacher, selbstbewusst an die entsprechenden Zuständigkeiten heranzutreten.«

Jusos: »Weil Macht trotzdem Macht ist, auch wenn sie gering ist. Das, was uns an Mitbestimmung zusteht, sollten wir auch wahrnehmen.«

PARTEI: »Weil man die PARTEI wählen kann und dadurch aktiv zur Überwindung von Inhalten auch am Campus beiträgt.«

Michael, Philipp und Johannes (LHG), ihr werbt mit Döner an der Uni – ist das wirklich umsetzbar?

»Es gibt ja auch Pizza! Wir haben den Vorschlag einfach in den Ring geworfen und wenn er gut ankommt, schlägt sich das eventuell auch im Wahlergebnis nieder. Dann können wir auch bei den zuständigen Stellen der Uni anklopfen. Ein Erfolg wäre aber bereits schon mehr Wettbewerb. Es geht uns eben um den Protektionsimus, der hier an der Uni betrieben wird. Mehr Cafés oder etwa ein Foodtruck mit Dönerverkauf – wir finden das nicht abstrus.«

Leon Struve steht bei den Jusos auf Listenplatz 2 für den Senat
Leon Struve studiert PoWi und Geschichte. Als SPD-Mitglied kandidiert er für die Jusos, weil ihm vor allem soziale Themen wichtig sind.

Lea und Leon (Jusos), warum möchtet ihr, dass alle ein Semesterticket bezahlen?

»Es ist die fairste und gerechteste Art, den ÖPNV für alle an der Uni erschwinglich zu machen. Bei einem anderen Modell, das nur von denjenigen bezahlt würde, die auch Bus oder Zug fahren, würden die Kosten immens steigen.«

Jonas (PARTEI), warum macht ihr eigentlich keine Wahlwerbung?

»Wie man im letzten Jahr bereits bei unserer Aktion mit 20 Plakaten an der Treppe des Studentenhauses sehen konnte, sind wir gegen penetrante Wahlwerbung. Und um frei nach Merkel im TV-Duell gegen Steinbrück zu sprechen: Sie kennen uns.«

Die Interviews führte Ludwig Spitaler.

 

Beitragsfoto: Thomas Wittmann

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