Wo ist da die Grenze? Vom Marketing-Gag zum Selbst(ver)läufer

Vor knapp zwei Wochen war die Grenzzaun-Halbe noch in aller Munde. Zumindest im übertragenen Sinne, denn inzwischen ist das Straubinger Bier aus dem Hause der Röhrlbräu GmbH aus sämtlichen Getränkemärkten verschwunden. Der Grund: Von etlichen Seiten hagelte es heftige Kritik, vor allem am Namen des Bieres in Kombination mit seinem braunen Etikett. Im Interview befragte die Lautschrift Frank Sillner, Geschäftsführer von Röhrlbräu, was es nun mit der Grenzzaun-Halben auf sich hatte.

Herr Sillner, Ihr neues Produkt, die Grenzzaun-Halbe, hat in den vergangenen Tagen für reichlich Wirbel gesorgt. Wie erklären Sie sich diesen?

Sie haben zweifelsfrei Recht, dass vieles missverständlich aufgenommen und dadurch bedauerlicherweise viel Staub aufgewirbelt wurde. Hinzu kamen recht unglückliche Zufälle, wie das von uns kaum zu beeinflussende Ablaufdatum oder der von einzelnen Händlern gewählte Verkaufspreis. [In den Hausler-Getränkemärkten wurde das Bier für 88 Cent pro Flasche verkauft, das Ablaufdatum war der 9. November, Anm. d. Red.]

Laut einer Stellungnahme auf Ihrer Homepage sei Ihnen die Idee zur Grenzzaun-Halben bei einem Feierabendbier im Wirtshaus gekommen. Wie waren die Reaktionen innerhalb Ihres Betriebs, kam niemand auf die Idee, der Name in Kombination mit dem Design des Etiketts könnte auf Widerstand stoßen?

Wie das mit Ideen oftmals so ist, war auch diese recht spontan. Es war keinerlei politische oder tendenzieller Hintergrund gegeben, sondern handelte sich um eine schlichte Marketing-Idee, die gänzlich falsch interpretiert wurde. Wir bedauern dies sehr.

Das Bier sei dafür gedacht gewesen, darauf aufmerksam zu machen, dass man »bei aller Hilfe und Unterstützung für Menschen in Not die Werte und Traditionen, die Bayern ausmachen, nicht vergessen darf.« Inwiefern steht ein Grenzzaun in einer Reihe mit bayerischen Werten und Traditionen?

Der Begriff ist entstanden, als wir darüber nachgedacht haben, das Bier Bayern-Halbe zu nennen, was aber aufgrund marketingtechnischer Bedingungen nicht möglich war. Es sollte einfach ein heimatlicher Bezug her.

Der Kreisverband der AfD Deggendorf erfreute sich auf Twitter an der Grenzzaun-Halben. Haben Sie bei der Vermarktung des neuen Bieres auf dieses Klientel gesetzt?

Zur AfD oder anderen politischen Gruppierungen und deren Stellungnahmen haben wir keinerlei Bezug und distanzieren uns. Wir sind ein mittelständisches, wirtschaftliches Unternehmen, kein politisches.

Was hat es mit dem »Grenzzaunöffner« auf sich?

Mit jeder Bierkiste sollte ein Flaschenöffner mit dem Aufdruck »Grenzzaun-Öffner«, passend zum Branding der Flasche, ausgeliefert werden. Das ganze war als Marketing-Gag gedacht.

Der SprecherInnenrat der Universität Regensburg möchte die gesamte Produktpalette der Röhrlbräu GmbH vom Campus entfernen und den Abnahmevertrag auflösen. Dazu gehören auch Labertaler-Produkte. Das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz unterstützt diese Forderung und will zunächst keine Nachbestellungen mehr tätigen. Wie reagieren Sie darauf? Ist eine Aussöhnung mit der Universität/ den Studierenden angedacht?

Ich bedaure die Entscheidung des SprecherInnenrats sehr. Gegebenenfalls hätte ein persönliches Gespräch dazu führen können, dass die Entscheidungsträger zu einer anderen Auffassung unseres Produkts gelangen.

[Rückfragen, inwieweit Herr Sillner als Geschäftsführer sowohl von Röhrlbräu als auch von den Hausler-Getränkemärkten keinen Einfluss auf den Preis oder das Ablaufdatum nehmen dürfe, wurden nicht mehr beantwortet.]

Das Interview führte Ludwig Spitaler.

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