Arm gegen ärmer in Rio de Janeiro. Ein Filmabend an der Uni

Als Jair Bolsonaro im letzten Jahr zum brasilianischen Präsidenten gewählt wurde, verschaffte das dem Land eine mediale Aufmerksamkeit, die es zuletzt wohl bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 oder den Olympischen Sommerspielen 2016 erfahren hatte. Für die Sportereignisse versuchten die Veranstalter die Favelas zu befrieden, doch seitdem die Kameras verschwunden sind, sind dort auch die Probleme zurückgekehrt. Der Film Tropa de Elite von José Padilha nimmt einen mit auf einen waghalsigen Trip durch den Sumpf aus Korruption, Drogen und Gewalt in den Elendsvierteln von Rio de Janeiro und ist Teil eines Themenabends zur Ungleichheit in Brasilien mit anschließender Diskussionsrunde.

Von Fabian Westermeyer

Wie dem portugiesischen Namen des Films schon zu entnehmen ist, handelt dieser von einer
Elitetruppe, genauer noch der Spezialeinheit »Batalhão de Operações Policiais Especiais«,
kurz BOPE. Diese Einsatzkräfte der Militärpolizei von Rio de Janeiro rücken dann an, wenn
es für die normale Polizei zu gefährlich wird. Regelmäßig werden sie in die Favelas zur
Bekämpfung von Drogenkartellen und anderen Schwerkriminellen gerufen. In dem Streifen
aus dem Jahre 2007 findet die Spezialeinheit ihre Feinde dabei auf beiden Seiten des Gesetzes
und wird im Laufe der Handlung immer weiter in eine Spirale aus Bandenkriminalität und
Korruption hineingezogen. Die Protagonisten bringt das in kontinuierlich gefährlichere
Situationen.

Ursprünglich plante Padilha eine Dokumentation, nachdem aber viele der Einsatzkräfte nicht
offen vor der Kamera sprechen wollten, hat sich der brasilianische Regisseur für einen
dokumentarisch angehauchten Spielfilm entschieden. Für die Dreharbeiten war das Team in
den Vororten der Stadt unterwegs und hat eindrucksvolle Bilder aufgenommen, welche die
desaströsen Zustände und die alltägliche Gewalt vor Ort verdeutlichen. Unter anderem für
diese Leistung wurde Tropa de Elite auf der Berlinale 2008 als bester Film ausgezeichnet.
Daneben erfreut sich der Film besonders in seiner Heimat Brasilien großer Beliebtheit und hat
sich zu einem regelrechten kulturellen Meilenstein entwickelt. Wenngleich auch so manche
Kontroverse damit einherging, etwa was das Vorgehen der Elitetruppe betrifft.

Die Aufführung bildet dabei den bildgewaltigen Einstieg für den Themenabend »Arm gegen
ärmer. Ungleichheit in Brasilien«, der von Studierenden des Praxisseminars
»Projektmanagement für Politikwissenschaftler« des Lehrstuhls für Politische Philosophie
und Ideengeschichte zusammen mit dem Studikino Regensburg veranstaltet wird. Im Rahmen
der »Brasilien Kontext«-Reihe sollen außerdem auch Einheimische zu Wort kommen,
weshalb die Zuschauer im Anschluss die Möglichkeit haben, mit Prof. Dr. Gerson Brea von
der Universität Brasília über den Film und die Situation in seinem Heimatland zu sprechen.
Neben dem Streifen selbst sollte auch die aktuelle politische Lage genügend Diskussionsstoff
bieten.

Die anschließende Unterhaltung wird ebenso wie die Vorführung auf Deutsch stattfinden. Ort
und Zeit weichen dabei vom klassischen Studikino-Termin am Dienstag in H16 ab.
Stattdessen läuft der Film abseits vom Standardprogramm und wird am Montag, den 29.
April, um 18.00 Uhr in H2 gezeigt. Dort sollten dann sowohl Filmfans als auch Brasilien-
Interessierte bestens aufgehoben sein. Der Eintritt beläuft sich auf 1€ und kommt komplett einer gemeinnützigen Organisation zugute. Für Snacks und Getränke sorgt, wie sonst auch, das Studikino.

Schreibe einen Kommentar