Zeiten ändern sich?

2.900 bei 2.000 benötigten Unterschriften in nicht einmal zwei Wochen konnte die Hochschulgruppe »Bunte Liste« mit ihrer Petition sammeln, die die Rücknahme der angekündigten verkürzten Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek fordert. Gestern wurde die Petition der Universitätsleitung übergeben.

2.900 Studierende wollen die geplante Kürzung der Bibliottheksöffnungszeiten und damit einen deutlichen Eingriff in ihr studentisches Leben nicht tatenlos hinnehmen, sondern ein Zeichen setzen. Die Reaktion der Studierenden fällt dabei noch stärker aus als erwartet. »Das macht deutlich, dass die Universitätsleitung den Bogen in diesem Fall überspannt hat«, sagt Matthias Ernst von der Bunten Liste. Grund für die kürzeren Öffnungszeiten der Bibliotheken ist der Wegfall zweier Vollzeitstellen, die nicht neu besetzt werden. Dies ist für Ernst ein Paradebeispiel für die unausgewogene Verteilung finanzieller Mittel an der Universität: Er kritisiert, dass die Universitätsleitung die verfügbaren Gelder lieber in prestigeträchtige Leuchtturmprojekte investiere. Weniger populäre, für ein uneingeschränktes Studium aber unerlässliche Investitionen kämen hingegen meistens zu kurz, wie eben länger geöffnete Lesesäle. Zwar verfügt die Universitätsbibliothek über einen eigenen Etat, der kann allerdings nur für Bücher verwendet werden. Auf die Neuschaffung oder Streichung von Arbeitsstellen hat die Bibliothek hingegen keinen Einfluss.

Ein Beispiel dafür, dass Kürzungen nicht zwangsläufig sein müssen, liegt nur einige hundert Meter den Galgenberg hinunter: An der OTH läuft derzeit eine Testphase, in der die Öffnungszeiten der Bibliothek ausgeweitet werden, unter der Woche sogar bis 2 Uhr morgens. Diese Zeiten gelten vorerst bis zum 31. Juli. Natürlich kann man als Gegenargument anführen, dass die Anzahl der Lesesaalgäste in den späten Abendstunden relativ überschaubar ist, das ergeben auch Zählungen, zu denen das Aufsichtspersonal angehalten ist. Ein anderes Bild zeigt sich jedoch während der Klausurenphasen, wo man sich nach 8 Uhr morgens häufig schwertut, überhaupt noch einen Platz zu finden. Außerdem sind viele Studierende aufgrund fehlender Zeit unter der Woche gezwungen, die Bibliothek am Wochenende aufzusuchen, um ihre Aufgaben zu erledigen. Wenn ab dem 1. Juni die Wochenendöffnungszeiten gekürzt oder sogar ganz gestrichen werden, können die Studierenden zwar in andere Teilbibliotheken ausweichen, haben dort allerdings keinen Zugang zu Fachliteratur für ihr Studium. Auch die Fernleihe ist keine Alternative, diese Option entfällt, wenn das entsprechende Werk eigentlich im Lesesaal vorhanden ist.Vera Forstmeier, ebenfalls Mitglied der Bunten Liste, befürchtet, dass die erfolgreiche Kürzung der Öffnungszeiten ohne Protest seitens der Studierenden einen Präzedenzfall für zukünftige Vorhaben darstellen könnte. Die Petition soll daher kein Strohfeuer des Protests sein: Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Universitätsleitung bei Anliegen der Studierenden schnell blockiere und schwierige Situationen häufig aussitze, so Ernst. Das erschwert eine gemeinsame, konstruktive Problemlösung, wie es etwa an der OTH beim Kompromiss zwischen Hochschulleitung und Studierendenvertretung der Fall war.

Wie es nun in der Debatte um die Öffnungszeiten weitergeht, ist noch offen. Zurücknehmen wird die Universitätsleitung ihre Entscheidung vermutlich vorerst nicht, zu kurzfristig kam die Ankündigung und die entsprechende Reaktion darauf. Dennoch sprechen die fast 3.000 Unterschriften eine klare Sprache. Das kann auch von der Universitätsleitung kaum ignoriert werden.

 

Beitragsbild: Sarah Marcinkowski

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