Lohnen sich Online-Umfragen? – Ein Erfahrungsbericht

Lohnen sich Online-Umfragen? – Ein Erfahrungsbericht

Welche Studierenden machen sich keine Gedanken, wie sie generell etwas dazuverdienen können? Welche Nebenjobs es gibt? Bis vor kurzem war es ja noch sehr schwierig, überhaupt Stellenangebote zu finden. Mit dem Kellnern im Gasthaus nebenan wurde es erstmal nichts. Auch wenn sich die Situation inzwischen wieder etwas entspannt hat, trau(t)en sich viele Studierende verständlicherweise nicht, eine Tätigkeit anzutreten, weil ihnen das Risiko einer Infektion einfach zu groß war beziehungsweise ist. Deswegen habe ich mir die Frage gestellt, ob es nicht auch einfache Alternativen online gibt, um zumindest etwas Geld in die Kasse zu spülen, wo doch ohnehin der Lebensmittelpunkt der meisten Studierenden momentan im Internet liegt. Eine mögliche Option habe ich in Umfragewebseiten gefunden. Dort erhalten Mitglieder in Geld umwandelbare Plattform-Punkte, indem sie Fragebögen zu Marktforschungszwecken für Unternehmen ausfüllen. Da die Registrierung kostenlos ist und weder eines Qualifikationsnachweises noch einer Bewerbung bedarf, habe ich während der vergangenen Monate einige dieser Anbieter getestet.

von Christoph Wutz

Es ist empfehlenswert, vor der endgültigen Entscheidung, sich kostenlos als Mitglied einer Umfragenanstalt zu registrieren, Ratgeberseiten zu durchstöbern, am besten mit Rezensionen, die einen besseren Überblick darüber verschaffen, welche der Survey-Arbeitgeber wirklich lohnenswert oder wenigstens fair sind. Vorab: Reichtümer habe ich im Zuge meiner Recherche nicht angesammelt.

Selbstversuch bei mehreren Portalen

Wie dem auch sei, habe ich mich bei den Seiten LifePoints, LoopsterPanel, meinungsort, mingle.respondi und swagbucks registriert. Ja, ganz schön viele. Aber diese Anzahl ist auch wirklich nötig, um herauszufiltern, welche einfache Online-Option für einen Studierendenjob taugt.

Beginnend mit LifePoints: Im Forum werden alle verfügbaren Umfragen samt voraussichtlicher Dauer und entsprechender Punktezahl angezeigt. Positiv zu erwähnen gilt es hierbei, dass wirklich viele verfügbar sind und das Kontingent auch regelmäßig aufgefrischt wird. Allerdings kommt es hin und wieder vor, dass ich eine Umfrage beginne, bereits einige Minuten investiert habe – und dann doch noch abgelehnt werde. In diesem Fall werde ich im besten Fall mit zwei Punkten vergütet, stehe meistens jedoch mit leeren Händen da. Eine Geld-Auszahlung via PayPal ist ab einem Punktestand von 600 (entspricht fünf Euro) möglich und erfolgt in der Regel problemlos und nach wenigen Tagen. Für Unverständnis sorgt bei mir jedoch an dieser Stelle, dass ich jedes Mal aufs Neue eine Lieferanschrift angeben muss, wenn ich mir das Geld überweisen lassen möchte. Alternativ zu einem Eurobetrag besteht auch die Möglichkeit, sich in Form von Gutscheinen, beispielsweise für Amazon, iTunes oder IKEA, entlohnen zu lassen. Besonders hervorzuheben ist hier, dass anstelle einer Auszahlung die Special Olympics per Spende unterstützt werden können. 

Wertung: 7/10

Relativ viele Umfragen finde ich bei LoopsterPanel vor. Auch hier wird darauf hingewiesen, wie viel Zeit und Punkte jeweils einzuplanen sind. Jedoch fällt mir regelmäßig auf, dass Zeitaufwand und Ertrag nicht übereinstimmen. Hinzu kommt, dass eine Auszahlung erst ab einem Punktestand im Wert von zehn Euro verfügbar ist und ich diese Funktion deshalb nach einigen Wochen, in denen ich wohlgemerkt sporadisch den einen oder anderen Fragebogen durchlaufen habe, immer noch nicht in Anspruch nehmen konnte. Leider – das gehört auch zur Wahrheit – bin ich hier schon gerne mal mitten in oder gar am Ende einer Befragung rausgeflogen, wenn ich nicht den Anforderungen entsprechend geantwortet habe, was bei Studierenden mit einem straffen Zeitprogramm nicht gerade für Begeisterung sorgt.

Wertung: 2/10

meinungsort präsentiert stets bis zu sechs Umfragen im Menü und zahlt das Entgelt ab 100 Punkten, die fünf Euro wert sind. Auch hier traten bei der immerzu schnellen Überweisung (ebenfalls per PayPal) bislang keinerlei Probleme auf. Wie üblich sind neben der Geldausschüttung auch Gutscheine mit Punkten zu erwerben. Wie schon bei LifePoints sind auch hier die dargestellten Befragungen vorab mit Zeitaufwand und Punktevergütung versehen, sodass ich meine Entscheidung für eine Umfrage klar nach diesen Hauptkriterien treffen kann. Merkwürdig ist, dass ich bereits einige Male plötzlich ausgeloggt wurde. Mich stört, dass ich zwar eine bestimmte Wunschumfrage anklicken kann, aber anschließend zu einer Vorumfrage und nach dieser leider oft zu einer anderen als der, die ich ursprünglich machen wollte, weitergeleitet werde.

Wertung: 7/10

Der Login bei mingle.respondi beginnt stets damit, ein bis zwei Captchas zur Bestätigung, dass sich tatsächlich eine Person (und kein Bot) anmelden zu versucht, zu überwinden. Im Menü angekommen, finde ich jedoch ein breites Spektrum an Umfragen vor. Es lässt sich auch von einer stets fairen Vergütung sprechen, da jede investierte Minute mit fünf Punkten, die einen Wert von umgerechnet fünf Cent haben, entlohnt wird. Konkret heißt das, dass die Bezahlung bei mingle.respondi für alle Fragebögen konstant ist und einem klaren Schema folgt, was bei allen anderen Anbietern, die ich in die Mangel genommen habe, nicht der Fall ist und nicht selten dazu führt, eine Umfrage kategorisch auszuschließen, da das Leistungs-Bezahlungs-Verhältnis nicht stimmt. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass ich mein Sparschwein erst ab einem Punktestand, der 20 Euro entspricht, plündern kann, was wiederum dann nur per Banküberweisung möglich ist. Allerdings funktioniert das zuverlässig, und schon nach wenigen Tagen befindet sich das Geld auf dem Konto. Für fast alle anderen Umwandlungsoptionen, also zum Beispiel Spenden für Ärzte ohne Grenzen oder Gutscheine für mymuesli, ist die Auszahlung ab 15 Euro verfügbar.

Wertung: 8/10

Auch bei swagbucks ist vorab indiziert, wie lange ich dafür ungefähr brauchen werde und was dabei in puncto Punkte herausspringt. Und auf den ersten Blick erscheint die Auswahl an Fragebögen wirklich groß. Nicht nur das: Es gibt darüber hinaus noch viele andere Möglichkeiten, die sogenannten »Swagbucks« zu verdienen, die von Testabos bei Fitnessprogrammen bis zum Spielen von Mobile-Games reichen. Allerdings macht das Gefüge einen sehr unkoordinierten Eindruck, der dadurch untermauert wird, dass ich innerhalb mancher Umfragen mal auf Englisch, mal auf Deutsch angesprochen werde, sollte ich nicht – das kommt bei swagbucks ab und an vor – mittendrin aus einseitigen, primär technischen Gründen rausgeschmissen werden. Die Webseite ist unübersichtlich und sorgt für Verwirrung. Bei genauerer Betrachtung fällt zudem auf, dass die Vergütung nicht gerade lukrativ ist. Immerhin funktioniert die Auszahlung über PayPal (ab Punkten im Wert von fünf Euro verfügbar) reibungslos und auch das Spektrum an verfügbaren Gutscheinen ist breit gefächert.

Wertung: 3/10

Abschließende Meinung zu Online-Umfragen

Sie dauern nicht selten länger als angegeben und sind, was auf Dauer sehr nervenaufreibend und zeitraubend sein kann, nicht konsekutiv. So musste ich bei einigen Befragungen manche Fragen mehrmals beantworten, obwohl darin wohl nur selten der Forschungsmehrwert für die jeweilige Institution besteht. Ein Beispiel hierfür tritt immer wieder im Zusammenhang mit meiner Vorliebe für Videospiele auf: »Hast du Fortnite (Anmerkung: Das dient nur als Beispiel!) schon mal gespielt?« Ich drücke »nein«, aber nur einige Klicks später taucht ein ähnliches Fenster auf: »Wie hat dir das Gameplay von Fortnite gefallen?« So viel dazu. Wer nicht viel Zeit für relativ wenig Geld investieren und nicht ständig standardisierte E-Mail-Benachrichtigungen à la »Haben Sie Zeit für eine Umfrage?« erhalten möchte, sollte abwarten, bis ein gewöhnlicher Nebenjob wieder sicher und verfügbar ist oder nach anderen Wegen Ausschau halten. Nichtsdestotrotz lässt sich mit Online-Umfragen ein bisschen Geld dazuverdienen, ohne die eigenen vier Wände verlassen, geschweige denn eine Bewerbung anfertigen oder irgendeine Qualifikation nachweisen zu müssen. Um aber eine finanziell adäquate Alternative zu einem gewöhnlichen Studierendenjob zu schaffen, müssen wirklich sehr viele Umfragen beantwortet werden. 

Meine Bilanz lautet: Ich habe während meiner mehrmonatigen Recherche zwar nicht außergewöhnlich viel Zeit in diese Tätigkeit investiert, jedoch eine hohe Menge an Surveys vervollständigt und dabei etwas über 100 Euro verdient.

Beitragsbild: Pixabay | Pexels

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