Wohnsinn-Kolumne: Bis der Hefeteig aufgegangen ist und noch viel länger

Wohnsinn-Kolumne: Bis der Hefeteig aufgegangen ist und noch viel länger

An diesem Wochenende werden Nester gesucht. Ich habe mir mein eigenes schöner gemacht und einen Hefezopf gebacken. 

von Hannah Ickes

Wir alle haben im vergangenen Jahr ein paar Corona-Hobbys entwickelt. Ob Stricken, Spazieren oder zum Fitnessprofi werden: Ich habe alles ausprobiert. Backen gehört auch dazu. Seit dem letzten Osterfest habe ich so viele Brote, Brownies und Kuchen wie noch nie produziert und mich durch alles von glutenfrei und ohne Zucker bis ultrasüß probiert. Die Frustration und Einsamkeit, die der anhaltende Lockdown in mir auslöst, lässt sich halt manchmal doch wegkneten und der fehlenden Café Besuch als Besuch zum Kaffee nach Hause holen. Nur an den Hefezopf hatte ich mich noch nicht herangewagt, aber das habe ich zu diesem Osterfest geändert. Zeit genug hatte ich ja, während das Leben stillsteht. 

Hefeteig und Flechttechnik haben mich wahrscheinlich bis dahin abgeschreckt, mich dem traditionellen Ostergebäck zu widmen. Aber wie so oft, heißt es auch hier: Wer nicht wagt, der*die nicht gewinnt. Und tatsächlich sieht der Hefezopf komplizierter aus, als er ist. Für den Teig braucht man nur Wärme und Geduld: Ich habe ihn an die Heizung gestellt, Zug vermieden und ganze zwei Stunden gehen lassen, und was die Flechttechnik angeht, so haben meine Bemühungen als 13-jährige, mir YouTube-Tutorials anzugucken, auch hier gefruchtet. Für eine schöne goldbraune Farbe kann man den Zopf vor dem Backen mit einem Ei einschmieren, und das Spaßigste ist sowieso, sich zu überlegen, was für ein Zopf es sein soll: ein süßer, schokoladener mit Zimt- und Kardamomguss, ein herzhafter mit einer Füllung aus Spinat und Frühlingszwiebeln oder doch ein klassischer mit Hagelzucker? 

Ostern 2019 hätte ich mir nicht träumen lassen, mir in naher Zukunft diese Fragen zu stellen, aber heute, da sich das Leben so sehr in den eigenen vier Wände abspielt, sind das die kleinen Freuden, die mein Leben schöner machen. Wenn ich dann mit einem riesigen Hefezopf in meinem Wohnheimzimmer sitze und mich frage, wie ich dieses Riesending aufessen soll, bin ich aber doch ein bisschen frustriert. Wie schön wäre es jetzt, mit ein paar Freunden, einen vorösterlichen Brunch zu veranstalten und das Ende der Klausurenphase zu feiern? Dann sage ich mir, dass ich zukünftige Gemeinschaft vorbereite. Nächstes Jahr kann ich ganz bestimmt einen solchen Brunch veranstalten und dann wäre mein Hefezopf sicherlich nicht ein solcher Knaller, wie er es jetzt ist. 

Nach Ostern meldet sich dann Anna-Lena mit News aus ihrem Wohnalltag wieder.

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