Die Nachhaltigkeitswoche 2020 am Campus Regensburg

Die Nachhaltigkeitswoche 2020 am Campus Regensburg

Auf Nachhaltigkeit achten und umweltbewusst leben in Zeiten einer Pandemie? Das geht! Vom 16. bis 21. November veranstaltete das Netzwerk Nachhaltigkeit* an der Universität und OTH Regensburg die zweite Nachhaltigkeitswoche – vor Ort und digital. Ein Rückblick, ein Fazit und ein Plädoyer.

von Laura Hiendl

Seit des Lockdowns (Light) werden verstärkt wieder Einwegprodukte verwendet, allein aufgrund diverser to-go-Essen, Einmalmasken und
-handschuhen etc. Viele Mehrwegbehälter, wie sie vor der Coronakrise endlich immer weiter verbreitet waren und vermehrt genutzt worden sind, werden nun aufgrund von Hygienevorgaben und -bedenken wieder häufiger abgelehnt. Auch generell scheint es in letzter Zeit »wichtigere Themen« zu geben als jetzt, in Zeiten einer weltweiten Gesundheitskrise, an sowas wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu denken. Doch nur weil es momentan nicht oberste Priorität hat, stehen die Welt und ihre Probleme nicht still. In den letzten Wochen haben verstärkt auch andere Themen mediale Aufmerksamkeit erfahren, was man zum Beispiel daran gemerkt hat, dass nicht nur Personen zu abendlichen Talkrunden eingeladen worden sind, die im Bereich der Virologie oder Medizin arbeiten. Momentan tut sich trotz der Umstände was in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit – wenngleich es vielleicht nicht mehr ganz so präsent ist wie vor der Coronakrise.

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, stand die vergangene Novemberwoche am Regensburger Hochschulcampus ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Um dieses Thema wieder mehr in den Fokus zu rücken, organisierten Studierende des Netzwerks Nachhaltigkeit unter dem Motto #CampusForFuture und #YouMakeAChange eine Vielzahl an Aktionen am Campus und ein breites Programm via Zoom.

Allgemeines zur Nachhaltigkeitswoche

Die eigentlich geplante Nachhaltigkeitswoche konnte im Juni 2020 aufgrund der Corona-Lage nicht stattfinden. Daher wurde im zweiten Anlauf ein Konzept entwickelt, das im Falle schärferer Maßnahmen zum Großteil digital stattfinden kann – was aufgrund der aktuellen Zahlen auch so umgesetzt werden musste. Die Programmwahl geschah divers, um möglichst alle Aspekte der Nachhaltigkeit – ökologisch, ökonomisch und sozial – abzudecken und Studierende mit unterschiedlichsten Interessen anzusprechen. Damit sollte gleichzeitig mit dem Klischee aufgeräumt werden, dass Nachhaltigkeit »nur was für Ökos« sei.

Von der Kleiderstange über virtuelles Wasser zum Nachhaltigkeitsblabla

Beim Hemd- und Kleidertausch galt die Regel: Häng hin, was noch tipp-topp, aber nicht mehr dein Ding ist, und nimm mit, was und wie viel dir gefällt!
© Netzwerk Nachhaltigkeit

Bei der vielfältigen und großen Auswahl war ich erst einmal überfordert, was genau mich nun eigentlich am meisten interessierte. Ich entschied mich, die Kleidertauschstange zu nutzen, um schon lange rumliegende, eigentlich noch top Klamotten, die ich aber einfach nicht mehr anzog, an Leute zu bringen, die an diesen noch Freude haben könnten. Voll gepackt mit zwei Taschen und einer selbst gezüchteten Mangopflanze, der es bei mir allerdings irgendwie nicht so gefallen wollte und ihr Glück über das Pflanzentauschregal vielleicht noch anderswo finden könnte, machte ich mich auf den Weg zum Campus. Kaum meine Sachen hingelegt bzw. -gehangen, fand ein Oberteil eine neue Besitzerin, die sich zugleich wie ein Schnitzel freute. Spätestens ab da fiel mir der Abschied von meinen Teilen nicht mehr schwer und ich war froh, diese Möglichkeit schon mal genutzt zu haben.

Das Pflanzentauschregal in PT erfreute sich großer Beliebtheit und soll nach Plänen des Netzwerks Nachhaltigkeit fest installiert werden.
© Netzwerk Nachhaltigkeit

Doch nicht nur vor Ort, sondern auch online gab es via Zoom Vorträge und Workshops zu einer breiten Themenauswahl. Ich schaltete mich bei Vorträgen zu Gärtnern auf kleinem Wohnraum, nachhaltig leben und ernähren und einem Getränkekarton-Upcycling dazu – Themen, die mich momentan sowieso interessierten und zu denen ich mich gerne genauer informieren wollte, ohne Google oder Youtube zu benutzen.

Eine Kurzzusammenfassung meiner Erkenntnisse aus dieser Woche:

Wusstet ihr, dass man Erde im Ofen backen kann? – Um Schimmelbildung vorzubeugen, kann Erde auf diese Weise sterilisiert werden. Zudem eignen sich Teewasser, abgekochte Eierschalen und klein geschnittene Bananenschalen hervorragend als einfache und natürliche Düngemittel. Na toll und ich habe das alles jahrelang einfach nur für Biomüll gehalten …

Habt ihr schon mal was von »virtuellem Wasser« gehört? – Ich davor auch nicht, aber eigentlich ist es recht naheliegend: Als »virtuelles Wasser« bezeichnet man die Menge an Wasser, die bei der Produktherstellung benötigt wird. Pro Person pro Tag in Deutschland beträgt die direkte verbrauchte Wassermenge 120 Liter – eine Menge, die im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten sogar gesunken ist. Doch die durchschnittliche virtuelle Wassermenge steigt und beträgt aktuell 5 000 Liter Wasser – pro Person pro Tag! Beispielsweise verbraucht eine Tasse Kaffee 140 Liter virtuelles Wasser, ein T-Shirt 2 700 Liter und ein Kilogramm Rindfleisch schon 15 000 Liter. Über diese Zahlen staunte ich dann doch nicht schlecht.

Let me google »Nachhaltigkeit« for you. – Seit Mitte / Ende 2018 hat die Häufigkeit des Google-Begriffs »Nachhaltigkeit« deutlich zugenommen, was somit zeigt, dass vielen der Handlungsbedarf in diesem Bereich bereits klar ist. Einer Umfrage des Umweltbundesamtes zufolge stufen 68 Prozent der Befragten den Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtige Herausforderung ein. Nice to know: Gleichzeitig werden übrigens die Bundesregierung und Industrie als am wenigsten aktiv diesbezüglich wahrgenommen.

Was nehme ich mit?

Nun bin ich um eine Pflanze und vor allem wissenswerten Input reicher, lange mitgetragene Altlasten aus meinem Kleiderfundus bin ich endlich los geworden. Alles in allem also eine Win-Win-Woche. Insgesamt war die Nachhaltigkeitswoche in meinen Augen eine super geplante und ideenreiche Aktionswoche, die trotz (oder gerade wegen) Corona toll durchdacht war. Obwohl ordentlich die Werbetrommel gerührt worden war, fand die Aktion in meinen Augen leider nicht so große Beachtung wie sie es verdient hätte. Vermutlich waren vor allem diejenigen interessiert, die auch schon vorher offen für diese Thematik waren und sich dafür stark gemacht hatten. Ich werde das nächste Mal auf jeden Fall gerne wiederkommen und daran teilnehmen. Vor allem wenn der reguläre Unialltag hoffentlich wieder mehr Studierende mit sich bringt, ist die Nachhaltigkeitswoche wirklich eine empfehlenswerte Sache. Übrigens fanden wegen der Werbung in mehreren Regensburger Facebook-Gruppen zudem viele Nicht-Studierende ihren Weg an den Regensburger Campus. Das Fazit in den Kommentaren war auch hier: Tolle Aktion, hoffentlich gibt es sowas nochmal!

NaWo For Future

Wie es das Motto der Nachhaltigkeitswoche #YouMakeAChange schon sagt: Jede*r kann etwas dazu beitragen, in Zukunft etwas zu bewegen – wenn man es denn will. »Alleine kann ich eh nix ausrichten«, »Es gibt gerade Wichtigeres« und »Das ist mir egal« sind wohl die häufigsten »Begründungen«, dass Nachhaltigkeit hintenangestellt wird. Doch wir müssen nicht alle sofort vegan leben und nie wieder Auto fahren – nach dem Motto »ganz oder gar nicht«. Es geht vielmehr darum, sich der Auswirkungen unserer Lebensweisen klarzuwerden, das eigene Einkaufsverhalten mal zu überdenken und bewusst(er) zu konsumieren. #thereisnoplanetB

Was ich (erneut) aus dieser Woche mitgenommen habe: Zwar wird eine Verhaltensänderung alleine nicht zum großen Ziel führen (dafür müssen Politik, Industrie und Wirtschaft auch mitspielen), aber Anstöße für die Zukunft kommen von unten. Bürger*innen können etwas ändern, indem sie nicht aufhören, sich für etwas einzusetzen – zum Beispiel über Initiativen wie die Nachhaltigkeitswoche. Denn wie der englische Theologe Charles Haddon Spurgeon sagte: »Unser Wirkungskreis ist da, wo wir sind.«

In diesem Sinne: Wir sehen uns hoffentlich bald bei der Nachhaltigkeitswoche 2021!

* Das Netzwerk Nachhaltigkeit, gegründet im Juli 2019 von drei Studierenden, ist eine campusübergreifende Initiative mit der Aufgabe, Nachhaltigkeit längerfristig an OTH und Universität Regensburg zu etablieren. Mittlerweile umfasst das Netzwerk Nachhaltigkeit mehr als 30 aktive Mitglieder und zahlreiche Unterstützer*innen – darunter nicht nur Studierende, sondern auch Professor*innen, Mitarbeiter*innen der Hochschulen, das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz, die Stadt Regensburg und verschiedene Vereine. Ihr Ziel: den Regensburger Campus langfristig klima- und umweltfreundlicher zu gestalten. Mehr Infos findet ihr hier sowie auf Facebook und Instagram.

Beitragsbild: © Markus Spiske on Unsplash

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