Wohnsinn-Kolumne: Wer sein Geschirr liebt, der spült …

Wohnsinn-Kolumne: Wer sein Geschirr liebt, der spült …

In den Kreisen studentischer Unterkünfte zählt sie zur Luxusausstattung und WGs wären ohne sie wohl aufgeschmissen: die Geschirrspülmaschine. Glücklicherweise konnte ich seit Beginn meines Studiums eine zu meinem Besitz zählen – doch nach den letzten Wochen weiß ich diese noch umso mehr zu schätzen.

von Laura Hiendl

Aber von Anfang an: Eigentlich funktionierte meine Spülmaschine bisher noch relativ einwandfrei – bis auf ein Programm, das nicht mehr wirklich reinigte, das heißt es verblieben lediglich zwei zur Auswahl, aber immerhin. Dann allerdings entdeckte ich über mehrere Wochen hinweg immer wieder Rostflecken auf nicht rostfreien Gegenständen – dachte mir zunächst aber nicht allzu viel dabei. Eines Tages im September offenbarte sich dann jedoch die Ursache dafür: Übeltäter waren die Geschirrkörbe, denn sie rosteten an ein paar Stellen. Ich konnte sogar ein paar Stäbe einfach umbiegen und rausbrechen – so war das nicht gedacht 🙂 Kurzum: Es musste eine neue Maschine her. Bis diese dann aber da und funktionsfähig sein sollte, hieß es also erst mal von Hand abspülen, da ich pingelige Person keine Lust hatte, noch mehr Geschirr von Rost zu befreien.

Davon verwöhnt, das meiste bisher einfach vom Geschirrspüler saubermachen zu lassen, musste ich nun erst einmal die logistische Herausforderung der perfekten Methode bei begrenzter Abstellfläche meistern. Ziemlich flott wurde der Platz in meiner Küche knapp und das Geschirr in die Höhe gestapelt, anstatt nur schnell nebeneinander abgestellt, #geschirrtetris. Dank der Miniaturküche im Wohnheim-Appartment meines Freundes hatte ich mir immerhin vorab schon eine gewisse Strategie aneignen können, wie man beim Abspülen generell am besten vorgeht – doch so einfach auf meine Küchensituation übertragen ließ sich das nicht. Da ich bisher einfach wenig von Hand abgespült hatte, war der Bereich um meine Spüle schlichtweg (noch) nicht dafür ausgelegt, die sich ansammelnden Bergen an Geschirr zu bewältigen ­– von den sonstigen kleinen Zwischenfällen mal ganz abgesehen (#löffelflutung, #handschuhloch, #wettshirt).

Ein weiterer Teufelskreis wurde deutlich: Um überhaupt abspülen zu können, musste meistens erst einmal Platz geschaffen werden. Weil es dann nach kurzer Zeit einfach schon zu viel war, um noch weiteres sauberes Geschirr auf der rechten Seite zum Abtropfen aufzustellen, hieß es dann auch zwischendurch mal alles abtrocknen, bevor die nächste Spülrunde losgehen konnte. Kaum war alles blitzeblank und verräumt, entdeckte man schließlich doch noch eine vergessene Tasse oder ein kleines Hüngerchen oder Dürstchen kündigte sich an. Und ich wunderte mich, wie viel Geschirr man eigentlich auf einen Tag ansammeln kann?! Das führte dazu, dass jedes Mal eine ganz genaue Abwägung erfolgte, wie dringend ich diesen einen zusätzlichen Löffel nun tatsächlich benötigte … und wie groß mein Wille war ihn sauberzumachen.

Doch langer Rede kurzer Sinn: Irgendwann war die Odyssee vorbei und die neue Spülmaschine endlich da! Kurze Schwärmerei an dieser Stelle: Diese besitzt jetzt auch ein Display, das die verbleibende Restlaufzeit anzeigt, eine Auswahl an Programmen, die die bisherigen drei mehr als überbietet – was mich allerdings erst mal fast so überforderte wie die verschiedenen Spülprogramme bei der Waschmaschine – und als absolutes Highlight eine Besteckschublade anstelle des bisherigen Korbes, was so manchen Streitpunkt über die beste Art und Weise des Besteckreinigens erübrigt. Aber es zeigte sich ein anderes, vorher nicht ganz so bedachtes Problem: Plötzlich ist da eine andere Aufteilung des Innenraums und damit die jahrelang perfektionierte, effizienteste und zwanghaft durchgesetzte Einräum- und Platziermethode dahin … Auf einmal passen nicht mehr exakt sechs Tassen nebeneinander und auch die Stäbe bei den Tellern haben einen anderen Abstand, sodass die gewohnte Platzierung komplett neu erprobt und umgestellt werden muss – für zwanghafte Perfektionist*innen wie mich eine Katastrophe!

Aber mal Spaß beiseite … Was bin ich froh, dass ich nur drei Wochen auf eine Spülmaschine verzichten musste. An dieser Stelle geht mein aufrichtiges Mitgefühl wirklich an alle da draußen, die das Ganze immer und über Jahre hinweg machen müssen! Vielleicht könnt ihr dabei ja abschalten und Kraft tanken, aber für mich – in dieser Hinsicht verwöhnte Studentin – ist Abspülen einfach ätzend und verschwendete Lebenszeit. Deshalb: Danke, lieber Geschirrspüler, dass es dich gibt! In Zukunft werde ich dich so würdigen wie du es verdienst, #love.

Kommende Woche berichtet euch dann Lotte wieder aus ihrem vertrauten Heim!

Beitragsbild: © Izz R | Unsplash

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