Ratisbonnais | Die grüne Fee und die weiße Frau

Unsere Autorinnen Olga und Lisa kommen aus dem Zentralmassiv im Herzen Frankreichs. Schon seit Oktober wohnen die beiden in Regensburg und haben die Stadt genauso wie die Eigenheiten ihrer Bewohner seitdem immer mehr ins Herz geschlossen. Der ein oder andere “what the fuck?!”-Moment bleibt ihnen allerdings auch jetzt noch nicht erspart. In ihrer Kolumne Ratisbonnais erzählen sie vom Leben als Französinnen am Weißwurstäquator.BildSpargel

Seit acht Monaten leben wir, Lisa und Olga, die deutsche Vita in Regensburg. Auf einiges hatten wir uns schon vor unserem Ankommen eingestellt, wie zum Beispiel im Dirndl olympische Mengen an Bier zu trinken, jeden Tag Brezen zu essen, sich um 18 Uhr an den Tisch zum Abendbrot zu setzen, mit dem Fahrrad durch die ganze Stadt zu cruisen, sich auf ein Eis zu treffen, sobald der erste Sonnenstrahl durchkommt (in kurzer Hose und Birkenstock, natürlich). Wir hielten uns für fast germanisierte Französinnen. Wie sich uns allerdings zu Anfang des Frühlings offenbarte, waren wir auf eines nicht vorbereitet.

Warum zum Teufel sind alle so verrückt nach Spargel?!

Alles fing mit einer Facebook Benachrichtigung an. Eine Einladung zum Spargelfest in einem kleinen fränkischen Dorf. Amüsiert und gespannt guckten wir uns die Details an. Auf dem Programm stand: Frühschoppen – wie sollte es auf einem Dorffest auch anders sein – und Grillen mit den allerersten Spargeln der Region als Beilage. Dazu Blasmusik. Also praktisch ein Bierfest nur mit Spargel in der Rolle des verehrten Gastes.

Diese Liebe für Spargel ging aber noch weiter. An jeder Straßenecke, ob auf dem Land oder in der Stadt, findet man Spargelstände. In jeder Auslage werden sie schön präsentiert, oft mit einem stolzen »Ich bin aus der Region« Schild. In Restaurants wird die Speisekarte geändert um den unfassbar köstlichen Spargel in all seinen Varianten anzupreisen. Spargelcremesuppe, Spargelsalat, Spargel aus dem Ofen oder auch paniert, Spargelpizza oder ganz einfach Spargel mit Sauce Hollandaise. Hauptsache Spargel. Für die häusliche Spargelsause findet man in jeder Zeitschrift, von Brigitte bis zur MZ, die besten Spargelrezepte um seine Gäste zu beeindrucken. Den Preis für das außergewöhnlichste Gericht verleihen wir jedoch an einen Chefkoch-User für seinen karamellisierten Spargel mit Erdbeeren und Vanilleeis*. Aber bevor eurer Magen vor lauter Hunger knurrt, hören wir lieber auf.

Ein solches Theater um Spargel kennen wir in Frankreich nicht. Er wird dort in Dosen gekauft und einfach mit Salat gegessen. Besonders geschätzt wird er nicht und ist sowieso wieder weg, bevor man ihn wirklich im Supermarkt bemerkt. Bei uns findet man zwar kein Spargelfest, Festessen aber so gut wie jeden Tag.

*Für Mutige: http://www.chefkoch.de/rezepte/372561122991091/Karamellisierter-Spargel-mit-Erdbeeren-und-Vanilleeis.html

Text und Zeichnung: Olga Lévesque und Lisa Tristan
Beitragsbild: Ludwig Spitaler

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